Es gibt Filme, die man nach zehn Minuten schon einordnen kann. Man kennt die Regeln, man kennt die Bilder, man weiß ungefähr, wie es endet. Nicht so bei „We Bury the Dead“, der sich in keine vertraute Schublade pressen lässt. Regisseur Zak Hilditch, der zuletzt mit dem Stephen-King-Kurzfilm „1922“ auf sich aufmerksam gemacht hat, legt hier einen Film vor, der das Zombie-Genre beim Wort nimmt und dabei etwas völlig Eigenes daraus macht. Ab sofort ist er hierzulande auf DVD, Blu-ray und als limitiertes Collector's-Mediabook erhältlich. Höchste Zeit also, einen genaueren Blick darauf zu werfen.

Die Ausgangslage

Vor der Küste Tasmaniens testet das US-Militär eine neue Waffe. Der Test geht schief, katastrophal schief. Rund eine halbe Million Menschen sterben. Die Regierung gibt Entwarnung, bittet die Bevölkerung um Mithilfe bei der Bergung der Toten und versichert, dass von den Opfern keine Gefahr ausgeht. Dass einige davon wieder aufstehen, wird zunächst als beherrschbar eingestuft.

Ava (Daisy Ridley) meldet sich freiwillig für eines der Bergungsteams. Nicht aus Pflichtgefühl oder Heldenmut, sondern weil ihr Mann in der Sperrzone verschwunden ist und sie schlicht nicht warten kann. Was als Such- und Bergungsmission beginnt, entwickelt sich zunehmend zur Konfrontation mit einer Realität, die die offiziellen Beruhigungsformeln längst überholt hat. Die Untoten werden mehr, und sie werden gefährlicher.

Kein Film von der Stange

„We Bury the Dead“ denkt das Zombie-Genre von einer Seite aus, die im Kino erstaunlich selten beleuchtet wird. Was passiert eigentlich in den Stunden und Tagen nach so einer Katastrophe? Wer räumt auf? Wer sucht die Vermissten? Wie geht eine Gesellschaft damit um, wenn der Tod plötzlich keine endgültige Angelegenheit mehr ist?

„We Bury the Dead“ interessiert sich dabei weniger für das Spektakel als für die menschlichen Konsequenzen. Das bedeutet nicht, dass es keine Spannung gibt. Die baut sich sogar sehr wirkungsvoll auf. Aber Hilditch nimmt sich die Zeit, Ava als Figur zu entwickeln, bevor die Lage eskaliert. Man versteht, was sie antreibt, man fiebert mit ihr, und das macht einen Unterschied.

Daisy Ridley trägt den Film auf eine Art, die man von ihr in dieser Form vielleicht nicht erwartet hätte. Keine großen Actionmomente, keine lauten Szenen, stattdessen eine Darstellung, die viel über das Unausgesprochene funktioniert. Verlust, Hoffnung, Erschöpfung, das alles ist ihr anzusehen, ohne dass alles je in Richtung Melodrama kippt.

Hier sitzt jede Entscheidung

Wer „We Bury the Dead“ mit klassischen Zombie-Filmen vergleicht, wird schnell merken, dass er in einer eigenen Liga spielt. Blut und Gore sind kein Selbstzweck hier. Die Untoten sind keine johlende Masse, sondern etwas Beunruhigendes, Fremdes und gerade das macht sie effektiv. Hilditch setzt auf handgemachte Effekte statt digitaler Überwältigung, und das spürt man auch. Es fühlt sich greifbar an, körperlich fast, und der Sound, den die Kreaturen von sich geben, brennt sich auf eine unangenehm gute Art ins Gedächtnis.

Dazu kommt eine Optik, die den Film deutlich über das durchschnittliche Genre-Niveau hebt. Die Bilder sind durchdacht, manchmal fast still, und das passt zur Geschichte. Was „We Bury the Dead“ letztlich auszeichnet, ist dieser Mut zur Langsamkeit. Hilditch vertraut darauf, dass eine gut erzählte Geschichte mehr hält als jede Schocksequenz. Das Ergebnis ist ein Film, der im Gedächtnis bleibt, weil er unter die Haut geht. Nicht wegen dem, was er zeigt, sondern wegen dem, was er erzählt.

Und, lohnt sich das?

„We Bury the Dead“ ist sicherlich alles, aber garantiert kein Film für die breite Masse. Wer knallharten Zombie-Horror erwartet, wird sich etwas verloren fühlen. Wer aber bereit ist, sich auf eine ruhigere, düstere und emotional ehrliche Geschichte einzulassen, bekommt hier einen der interessanteren Genrebeiträge der letzten Jahre zu sehen. Zudem zeigt Daisy Ridley, was in ihr steckt, wenn sie Raum dafür bekommt. Und so beweist Zak Hilditch erneut, dass er ein Regisseur ist, dem man ruhig vertrauen kann. Ergo, lohnt sich.

„We Bury the Dead“ (Capelight Pictures) VÖ: 07. Mai 26