Manchmal ist es das Beste, was einem Film passieren kann, wenn der erste Teil gar nicht erst versucht, ein Blockbuster zu sein und es trotzdem wird. Genau das ist „Greenland“ 2020 gelungen. Gerard Butler als Familienvater John Garrity, ein Komet auf Kollisionskurs mit der Erde, und mittendrin keine Superhelden, sondern ganz normale Menschen. Dieser Ansatz hat den Film damals aus der Masse der Katastrophenstreifen herausgehoben. Jetzt ist die Fortsetzung „Greenland 2“ auf Blu-ray und DVD erhältlich und sie geht einen anderen, aber lohnenden Weg.

Fünf Jahre später und noch lange kein Happy End

Der zweite Teil setzt Jahre nach dem Einschlag an. Der Komet Clarke hat die Welt grundlegend verändert, doch das Schlimmste ist eben nicht mit dem Aufprall vorbei. John, seine Frau Allison und Sohn Nathan haben sich in einem Bunker in Grönland eingerichtet. Sicher im technischen Sinne, aber weit entfernt von irgendetwas, das sich nach Zukunft anfühlt. Verseuchte Umgebung, schwindende Vorräte, keine Perspektive. Als dann ein massives Erdbeben die Lage endgültig unhaltbar macht, bricht die Familie erneut auf.

Ihr Ziel liegt irgendwo in Südfrankreich, am Krater des Kometen. Ein Ort, der unter Überlebenden fast schon mythische Züge angenommen hat. Damit wechselt „Greenland 2“ bewusst die Gangart. Nämlich weg vom Countdown, hin zur Frage, wie man in einer Welt weiterlebt, die sich niemand so vorgestellt hatte. Das ist mutig, weil es den Erwartungen eines klassischen Actionsequels nicht entspricht.

Butler dreht auf und zwar emotional

Gerard Butler ist wieder das Herzstück des Films, und er überrascht erneut. John Garrity ist kein Typ, der coole Sprüche klopft und alles unter Kontrolle hat. Butler spielt ihn als jemanden, dem man die Last ansieht, erschöpft, unsicher, aber nicht bereit aufzugeben. Genau diese Seite von ihm funktioniert außerordentlich gut und gibt dem Film eine Glaubwürdigkeit, die viele Genre-Kollegen schlicht nicht hinbekommen.

Auch die visuelle Seite von „Greenland 2“ ist stark. Eine verwüstete Welt überzeugend in Szene zu setzen ist keine Selbstverständlichkeit, und die Fortsetzung macht das über weite Strecken sehr solide und erschafft fast durchgehend eine herrliche düstere Atmosphäre. Die eigentliche Stärke liegt aber in der Dynamik zwischen den drei Hauptfiguren. Die Familie Garrity wirkt nicht wie eine Filmfamilie, die für Sympathiepunkte zusammengewürfelt wurde.

Gute Fortsetzung mit einer Einschränkung

Man nimmt ihnen ab, dass sie sich kennen, streiten, aufeinander angewiesen sind. Das hält den Zuschauer auch dann bei der Stange, wenn der Film zwischenzeitlich etwas an Fahrt verliert. Dazu kommt ein thematischer Anspruch, den man dem Film zugutehalten muss. Die Endzeitwelt dient nicht nur als Bühnenbild für Actionszenen, sondern als Rahmen für echte Fragen. Wie verhält sich der Mensch, wenn gesellschaftliche Strukturen wegfallen? Was hält eine Gemeinschaft zusammen, wenn nichts mehr funktioniert?

„Greenland 2“ ist kein Film, der seinen Vorgänger übertrifft. Der erste Teil hatte eine Bildgewalt und Intensität, die sich kaum wiederholen lässt. Wer also exakt das gleiche Erlebnis erwartet, wird an einzelnen Stellen etwas Geduld mitbringen müssen. Aber wer offen ist für einen Endzeitfilm, der mehr Zeit mit seinen Figuren verbringt als mit Explosionen, bekommt hier einen starken Nachfolger, der für einen langen Abend auf dem Sofa mehr als taugt.

„Greenland 2“ (LEONINE) VÖ: 24. Apr 26