Reiche Leute, dunkle Geheimnisse, ein Haus das von außen makellos wirkt und von innen fault. Klingt erstmal nach bekanntem Terrain. Ist es aber nicht! „The Housemaid – Wenn sie wüsste“ hat das Kinopublikum dieses Jahr auf eine Art kalt erwischt, die man dem Film so nicht unbedingt zugetraut hätte. Über 350 Millionen US-Dollar weltweit, wochenlang in den deutschen Kinocharts und das für einen Thriller, der ohne Superhelden, ohne Explosionen und ohne Franchise-Rückenwind ausgekommen ist. Jetzt ist er auf DVD und Blu-ray draußen.

Neuanfang mit Verfallsdatum

Millie ist 27, hat gerade eine Gefängnisstrafe hinter sich und steht vor dem Nichts. Ein Job als Hausmädchen bei einer wohlhabenden Familie klingt nach genau dem Neustart, den sie braucht. Großes Haus, netter Schein, gutes Geld. Was könnte schiefgehen? Nun ja. Einiges! Denn die Familie, für die Millie ab sofort arbeitet, ist auf den zweiten Blick alles andere als das, was sie nach außen hin darstellt. Hinter gepflegter Bürgerlichkeit und teuren Möbeln brodelt es gewaltig.

Und je tiefer Millie in diesen Haushalt eintaucht, desto klarer wird, dass die Geheimnisse ihrer Arbeitgeber gefährlicher sind als ihr eigenes Leben es je war. Die Geschichte basiert auf dem gleichnamigen Bestseller von Freida McFadden, einem Roman, der über BookTok eine riesige Fangemeinde gefunden hat und millionenfach verkauft wurde. Die Verfilmung hält sich dabei angenehm nah an die Vorlage, erlaubt sich aber hier und da deutlich mehr Freizügigkeit als das Buch. Wer also dachte, er wüsste bereits, worauf er sich einlässt, wird an der ein oder anderen Stelle trotzdem überrascht.

Drei Menschen, ein Haus, kein Ausweg

Regisseur Paul Feig, bekannt durch Komödien wie „Brautalarm“ oder „Taffe Mädels“, beweist hier, dass er auch im Thriller-Genre liefern kann. Er inszeniert das Ganze mit Ruhe und Präzision, also ganz ohne hektische Schnitte oder aufgesetzte Dramatik. Die Spannung entsteht aus der Situation selbst, aus dem, was die Charaktere sagen und vor allem aus dem, was sie verschweigen.

Der Cast macht dabei einen mächtig guten Job. Allen voran Sydney Sweeney als Millie, man folgt ihr, bangt mit ihr, zweifelt mit ihr und fragt sich die ganze Zeit, ob sie wirklich so unschuldig ist, wie sie wirkt. Amanda Seyfried dagegen dreht als Hausherrin Nina bewusst am Rad und wie! Brandon Sklenar komplettiert das Schauspieldreieck und hält seine Rolle angenehm vielschichtig. Drei Leute, ein Haus, und man weiß nie genau, wem man eigentlich trauen soll.

Wenn der Boden zweimal doppelt ist

Was „The Housemaid“ von vielen anderen Genrebeiträgen unterscheidet, ist die Konsequenz, mit der er die Spannung von Anfang bis Ende hält. Der Film entwickelt eine dichte, fast klaustrophobische Atmosphäre. Das Setting fühlt sich an wie ein Raum, aus dem es keinen einfachen Ausweg gibt, und genau das ist gewollt. Dazu kommen Wendungen, die tatsächlich sitzen. Nicht das übliche „Aha, hab ich mir gedacht“, sondern echte Momente, in denen man kurz vergisst zu atmen.

Auch erfrischend schwarzer Humor blitzt zwischendurch auf, ohne jedoch den Ernst der Situation zu untergraben. Und das alles ohne Füllszenen oder Durchhänger. Der Film hält sein Tempo konsequent durch von der ersten bis zur letzten Minute. Alles in allem ist „The Housemaid – Wenn sie wüsste“ der seltene Fall eines Psycho-Thrillers, der sein Versprechen wirklich einlöst. Spannend, klug konstruiert, gut gespielt und mit einem Abgang, über den man noch eine Weile nachdenkt.

Wer die Buchvorlage kennt, wird die Umsetzung schätzen. Wer noch nie von Freida McFadden gehört hat, bekommt hiermit einen mehr als fulminanten Einstieg und einen der besten Psycho-Thriller der letzten Jahre!

„The Housemaid - Wenn sie wüsste“ (LEONINE) VÖ: 01. Mai 26