Manchmal braucht ein Horrorfilm keine übernatürlichen Kräfte, keinen maskierten Serienkiller und keine dämonischen Mächte. Manchmal reicht ein einziger Biss und ein Tier, das du einmal geliebt hast. Genau das macht „Primate“ so effektiv. Der Film von Regisseur Johannes Roberts, bekannt durch „47 Metres Down“, ist ab sofort auf DVD und Blu-ray erhältlich. Und wer noch überlegt, ob sich der Kauf lohnt … Ja, tut er.
Paradies mit Ablaufdatum
Lucy kehrt mit ihren Freundinnen nach Hawaii zurück. Im Gepäck ist auch Ben, ein Schimpanse, der bei ihrer Familie aufgewachsen ist und längst als vollwertiges Familienmitglied gilt. Doch Ben ist kein gewöhnliches Tier. Er kommuniziert über eine Tafel, die ihm einst Lucys Mutter beigebracht hat, eine Linguistin. Man kennt ihn. Man vertraut ihm. Umso verstörender, was danach passiert.
Denn ein Biss eines infizierten Tieres verändert alles. Ben dreht durch und aus dem sanften, intelligenten Begleiter wird eine unberechenbare, tollwütige Bestie. Lucy, ihr taubstummer Vater, ihre kleine Schwester und die Freundinnen sitzen fest. Kein Empfang, keine Hilfe, kein einfacher Ausweg. Nur ein Anwesen an einer Klippe, ein Pool und ein Schimpanse, der mit erschreckender Energie Jagd auf sie macht.
Kein CGI, kein Bullshit
Roberts lässt sich am Anfang etwa 30 Minuten Zeit, um die Figuren und die Atmosphäre zu etablieren. Dieser Teil zieht sich stellenweise etwas, keine Frage. Aber dann, wenn Ben losdreht, zieht „Primate“ ein Tempo an, das kaum noch nachlässt. Über eine gute Stunde wird das Haus zur Falle, die Räume werden enger, die Optionen weniger. Roberts versteht es, aus einem begrenzten Setting echte Bedrängnis zu machen, ohne ständig die Kamera schütteln zu müssen. Die Gewalt wird direkt und ohne Schnörkel gezeigt, was ihr eine Wucht gibt, die viele Produktionen dieser Art vermissen lassen.
Ein zentraler Punkt, den „Primate“ von der Masse abhebt ist, dass Aggro-Affe Ben nicht am Computer erschaffen wird. Ein Schauspieler steckt im Kostüm, ergänzt durch Animatronik und praktische Effekte. Das klingt altmodisch, wirkt aber ungleich glaubwürdiger als jedes CGI-Tier es könnte. Miguel Torres Umba verleiht Ben eine Körperlichkeit und Bedrohlichkeit, die wirklich unter die Haut geht.
Starker Score & Cast
Darüber hinaus trägt der Score von Adrian Johnston erheblich zur dichten Atmosphäre bei. Dazu kommen starke Darstellerinnen und Darsteller, allen voran Johnny Sequoyah als Lucy sowie der oscarprämierte Troy Kotsur als ihr Vater. Sie geben dem Film ein emotionales Fundament, das ihn vom reinen Splatter-Spektakel abhebt. Wer außerdem ein Auge für Filmgeschichte hat, wird sich freuen. Denn Roberts streut Referenzen an Genre-Klassiker ein, von „Halloween“ bis „Shining“. Übrigens, für FSK-16 zeigt „Primate“ erstaunlich viel, nämlich reichlich Gore, Spannung und echte Schockmomente. Und das alles auf knappen 89 Minuten.
Licht aus, Türen zu
Alles in allem ist „Primate“ kein Film, der sich neu erfindet. Er nimmt eine simple, funktionierende Prämisse und zieht sie konsequent durch. Was ihn so empfehlenswert macht, ist eben diese Konsequenz. Der Film weiß, was er sein will, und liefert es! Dies handwerklich sauber, effektiv und mit echtem Biss. Für alle, die Horror mögen, der sich auf das Wesentliche konzentriert und auf aufwendige Effektorgien verzichtet, ist „Primate“ ein Streifen, den man so schnell nicht vergisst. In diesem Sinne, Lichter aus, Lautstärke rauf!
:quality(90))