Es gibt Stoffe, die einfach nicht sterben wollen. Dracula gehört zweifellos dazu. Seit Bram Stoker seinen Vampirfürsten 1897 der Welt vorstellte, haben unzählige Regisseure versucht, ihm auf der Leinwand gerecht zu werden. Dies mit sehr unterschiedlichem Erfolg. Jetzt hat sich Luc Besson an den Grafen gewagt, und das Ergebnis ist mit „Dracula – Die Auferstehung“ nun endlich auf Blu-ray und DVD für das Heimkino erhältlich.

Dass Besson kein Regisseur ist, der sich brav an Vorlagen hält, ist bekannt. Auch dass er durchweg seinen ganz eigenen Stil verfolgt, zu sehen in beispielsweise „Léon – Der Profi“, „96 Hours“ oder „Das fünfte Element“. Und so überrascht es kaum, dass er sich auch beim Vampirfürsten einige Freiheiten herausnimmt. Statt Bram Stokers Roman Seite für Seite abzuarbeiten, geht Besson zurück an den Anfang, nämlich ins 15. Jahrhundert, nach Transsilvanien.

Kein straighter Horrorfilm-Bösewicht

Dort begegnen wir Vlad II., gespielt von Caleb Landry Jones, der nach dem Tod seiner großen Liebe Elisabeta innerlich zusammenbricht. Aus Verzweiflung und Zorn wendet er sich von der Kirche ab, tötet einen Priester und besiegelt damit sein Schicksal. Verflucht, unsterblich, für immer auf der Suche. Caleb Landry Jones trägt diesen Film dabei sichtlich auf seinen Schultern, und er macht das richtig gut.

Sein Dracula ist kein platter Schurke und auch kein straighter Horrorfilm-Bösewicht. Er ist eine zerrissene Figur, die man versteht, auch wenn man ihr nicht folgen möchte. Genau das macht ihn interessant. Die Mischung aus Wut, Trauer und einer gewissen Würde, die Jones der Rolle mitgibt, verleiht „Dracula – Die Auferstehung“ eine emotionale Tiefe, die man bei einem Gothic-Horror-Streifen vielleicht nicht unbedingt erwartet hätte.

Christoph Waltz als fanatischer Vampirjäger

Und dann ist da noch Christoph Waltz. Als fanatischer Vampirjäger im Priestergewand ist er die perfekte Gegenfigur. Kühl, entschlossen, mit einer leichten Unberechenbarkeit, die man von Waltz kennt und liebt. Die Szenen, in denen Jones und Waltz aufeinandertreffen, haben eine Spannung, die man spürt. Zwei starke Charaktere, zwei Männer mit Mission, und beide sind auf ihre Art getrieben von Dingen, die größer sind als sie selbst.

Diese Konstellation funktioniert, und Besson nutzt sie geschickt aus. Die Geschichte selbst schlägt dann den Bogen ins moderne Paris, wo Dracula in der geheimnisvollen Mina, brillant gespielt von Zoë Bleu, seine längst verlorene Geliebte wiederzuerkennen glaubt. Reinkarnation, Erinnerung, die Hoffnung auf Erlösung nach Jahrhunderten der Einsamkeit, ja das sind die Themen, um die sich alles dreht.

Echte Leidenschaft & grandiose Optik

Und Luc Besson inszeniert das mit echter Leidenschaft. Man merkt, dass er sich für den Stoff interessiert, nicht nur für den Spektakelfilm Drumherum. Was die Optik angeht, auch da ist „Dracula – Die Auferstehung“ ein Genuss. Gothische Architektur, Kerzenlicht, dunkle Farbpaletten, die gelegentlich von satten Rot- und Goldtönen durchbrochen werden bringen die nötige, dichte Atmosphäre.

Sicherlich ist „Dracula – Die Auferstehung“ nicht perfekt. Wer sich eine erzählerisch streng durchgeplante Geschichte erhofft, könnte an manchen Stellen ins Stocken geraten. Besson ist kein Regisseur, der jeden Handlungsfaden sauber aufräumt. Aber er hat dafür eine Energie und einen Wahnwitz, der den Film nach vorne treibt, auch wenn mal eine Szene holpert. Und mal ehrlich, genau das macht seine Filme oft so unterhaltsam.

Dracula der anderen Art

Wer alles in allem Coppolas „Bram Stokers Dracula“ aus den 90ern mag, wird in Bessons Version viele Parallelen wiederfinden. Besonders die Opulenz, das romantische Feuer und den Gothic-Stil. Zwar erreicht Bessons Version das Niveau dieses Klassikers nicht ganz, aber er kommt ihm näher, als man vielleicht erwarten würde. Und das ist wirklich ein großes Lob. Kurz gesagt, „Dracula – Die Auferstehung“ ist unterhaltsam, gut gespielt, optisch stark und hat mehr Substanz, als der Titel vermuten lässt. Für Dracula-Fans ist er ohnehin ein Muss, aber auch all jene, die Gothic-Horror mögen und Lust auf einen Film haben, der sich traut, die Dinge ein bisschen anders anzupacken, sind hier genau richtig.

„Dracula - Die Auferstehung“ (LEONINE) VÖ: 13. Feb 26