Mit der zweiten Staffel von „Arcane“ erreicht eine der ungewöhnlichsten Animationsserien der letzten Jahre ihren Abschluss und das nun endlich auch im Heimkino. Nach dem riesigen Erfolg im Streaming ist das große Finale jetzt auf Blu-ray und DVD erschienen. Für Fans der Serie und für alle, die hochwertige Serienproduktionen schätzen, ist das eine gute Gelegenheit, noch einmal oder ganz neu in diese Welt einzutauchen.
Basierend auf dem Universum des Videospiels „League of Legends“ erzählt „Arcane“ keine typische Heldengeschichte. Stattdessen steht eine gespaltene Gesellschaft im Mittelpunkt, in der politische Interessen, persönliche Erschütterungen und alte Fehler immer wieder aufeinanderprallen. Die zweite Staffel knüpft nahtlos an die Ereignisse der ersten Staffel an und wirft jeden Fan ohne Umwege zurück in eine Situation, die bereits aus dem Gleichgewicht geraten ist.
Eskalation ohne Ausweichmanöver
Der Anschlag auf den Rat hat die fragile Ordnung zwischen Piltover und Zaun endgültig zerstört. Was zuvor unterschwellig brodelte, entlädt sich nun offen. Die Serie nimmt sich Zeit, diese Eskalation glaubwürdig zu entwickeln. Figuren werden nicht zu Schachfiguren degradiert, sondern behalten ihre Widersprüche und inneren Konflikte. Besonders Jinx steht dabei im Zentrum: unberechenbar, verletzlich und gefährlich zugleich.
Ihre Entscheidungen wirken nicht konstruiert, sondern wie das Resultat einer langen Kette aus Verlusten und falschen Abzweigungen. Parallel dazu rücken Vi und Caitlyn stärker in den Fokus. Ihre Rollen verändern sich sichtbar, sowohl im persönlichen als auch im politischen Sinne. Macht, Verantwortung und Loyalität werden neu verhandelt, während von außen weitere Kräfte auf die Städte einwirken.
Animation als erzählerisches Werkzeug
Die Einbindung größerer politischer Strukturen erweitert die Handlung, ohne den Kern der Geschichte aus den Augen zu verlieren. Eine der größten Stärken von „Arcane“ bleibt auch mit Staffel 2 die aufwändige Animationstechnik. Die Mischung aus handgezeichneten Elementen und moderner 3D-Animation sorgt für einen Stil, der sich deutlich von anderen Animationsserien abhebt. Gerade im Heimkino kommt diese Detailarbeit besonders gut zur Geltung.
Auch erzählerisch bleibt die Serie konsequent. Die zweite Staffel setzt auf die Zuspitzung, ohne in reine Effekthascherei abzurutschen. Konflikte werden zu Ende gedacht, Beziehungen brechen oder finden einen letzten Halt, und nicht jede Entwicklung fühlt sich angenehm an. Das Finale bündelt schließlich alle offenen Fäden und entscheidet sich bewusst für einen Abschluss, der nachwirkt, statt alles glattzubügeln.
„Arcane – League of Legends – Staffel 2“ ist kein reines Fanprodukt für Spieler, sondern eine sorgfältig erzählte, visuell beeindruckende Serie, die auch unabhängig von ihrer Vorlage funktioniert. Wer emotionale Geschichten, starke Figuren und eine eigenständige Ästhetik schätzt, findet hier den Abschluss einer der besten Animationsserien der letzten Jahre, der lange im Gedächtnis bleibt.
:quality(90))