Mit Carrera und Mario Kart kommt zusammen, was zusammen gehört. Wenn zwei kleine Karts mit quietschenden Reifen durch die Kurven jagen und mit gedrücktem Turbo-Button einen Looping drehen, wähnt man sich fast schon wie im beliebten Videospiel. Nur dass hier eben eine analoge Slotcar-Bahn mitten im Wohnzimmer die bekannten Figuren aus Nintendos Rennspielserie auf eine Miniatur-Rennstrecke bringt.

Wir haben Joypads gegen Handregler getauscht und einen spaßigen Ausflug in unsere Kindheitstage gewagt. Denn auch wenn das Mario Kart Branding vergleichsweise aktuell ist, gibt es die Carrera GO!!!-Reihe bereits seit 1990, Carrera-Rennbahnen an sich sogar schon seit über 60 Jahren. Von daher fühlt sich vieles sehr vertraut an, obwohl es schon gut 25 Jahre her ist, dass wir zuletz mit einer solchen Bahn Rennen fahren durften.

Überblick

Das Carrera GO!!! Mario Kart Set ist als Einstiegssystem in die Carrera-Rennwelt konzipiert und richtet sich offiziell an Spieler ab sechs Jahren. Wie sich in unseren Test-Sessions gezeigt hat, ist die Altersspanne nach oben weit offen. Im Laufe der Renntage ging vom Teenie bis zum Rentner ein bunter Haufen Rennfahrer an den Start, um in unserem kleinen screen.de-Turnier um die Bestzeit zu kämpfen.

Rennfahrzeuge und Strecke sind im Maßstab 1:43 gehalten und damit deutlich kompakter als die größeren Carrera-Systeme, die eher für ambitionierte Hobbyfahrer gedacht sind. Entsprechend übersichtlich ist auch der Packungsinhalt, der jedoch alles enthält, um das Wohnzimmer zur Rennstrecke zu machen.

Im Paket stecken:

  • zwei Slotcars mit Nintendo-Lizenz (Mario und Luigi)

  • mehrere Streckenteile mit Geraden und Kurven

  • ein Looping-Element

  • zwei Handregler mit Turbo-Button

  • Netzteil und Anschluss-Schiene

  • Rundenzähler und Dekoelemente

Wer seine Bahn aufpeppen möchte, kann mit Wippen und Sprungschanzen weitere Elemente zukaufen. Die Bahn ist nämlich variabel angelegt, das Layout auf der Packung und in der Anleitung quasi eine Art Serviervorschlag. Es lassen sich auch problemlos mehrere Carrera GO!!!-Strecken koppeln, ab einer Länge von 12–15 Metern wird allerdings eine zusätzliche Stromeinspeisung sinnvoll, da die Wagen auf der Strecke ansonsten an Speed einbüßen und ungleichmäßig beschleunigen.

Im Falle der kompakten Streckenlänge des Carrera GO!!! Mario Kart Sets von rund 4,9 Metern reicht eine einzige Stromversorgung völlig aus. Selbst im Looping liefern die kleinen Karts auch ohne Turbo genug Tempo, um sauber über Kopf zu bleiben.

Für den Aufbau nach Anweisung sollte man eine Fläche von etwa 158 × 68 Zentimetern einplanen. Damit passt sie problemlos auf einen größeren Tisch oder – klassischerweise – auf den Wohnzimmerboden, wo sie auch besser aufgehoben ist. Denn es gehört zum Spielprinzip dazu, dass die Slotcars in den Kurven einen Abflug machen.

Design und Ausstattung

Optisch setzt das Set stark auf Wiedererkennungswert. Die beiden Karts sind als detailgetreue und schön gearbeitete Mini-Versionen der bekannten Mario-Kart-Fahrzeuge in Handtellergröße gestaltet und könnten so auch als Dekoobjekte im Regal stehen. Erfreulich ist, dass nicht einfach die gleiche Gussform verwendet wurde und sich Mario und Luigi in Sachen Körperproportionen voneinander unterscheiden. Die Reifen sind gummiert und haben sogar ein Profil sowie kleine Schriftzüge an den Seiten. Insgesamt wirken die Karts damit liebevoll und robust verarbeitet. Als potenzielle Schwachstelle erweisen sich jedoch die seitlich abstehenden Auspuffe, die bei härteren Einschlägen abbrechen können.

Um auch der Strecke den Charme der Vorlage zu verleihen, liegen diverse Dekoelemente bei, die als Randbegrenzungen in den Kurvenbereichen angebracht werden. Als Schutz vor Abflügen dienen die dünnen Blenden leider nicht und erfüllen lediglich einen optischen Zweck. Die Stimmung des Spiels wird damit zwar gut eingefangen, etwas mehr Stabilität wäre uns in den kritischen Kurven aber lieber gewesen.

Die Streckenelemente werden auch heute noch über ein einfaches Stecksystem verbunden, dessen Haptik uns direkt zurück ins Kinderzimmer gebeamt hat. Der generelle Aufbau ist in wenigen Minuten erledigt, lediglich das Anbringen der Stützbeine im Bereich der Überfahrt und des Loopings gestaltet sich etwas fummelig. Auch hätten wir gerne mehr Querverbinder für die beiden parallelen Loopingrunden vorgefunden. Zwar hält das Ganze auch mit nur einem Verbindungsstück, bleibt dabei aber etwas wackelig. Mindestens drei für oben und beide Seiten wären sinnvoll gewesen, wir haben einfach mit etwas Gaffer-Tape nachgeholfen – nötig ist das aber nicht.

Und so steht am Ende eine Bahn, wie sie klassischer kaum sein könnte. Schade eigentlich nur, dass zu den Action-Elementen nicht auch noch eine Steilkurve gehört, wie man sie aus anderen Sets kennt. Auch das Wechseln der Fahrbahnen ist auf unserer Testbahn nicht vorgesehen. Dafür gibt es aber die guten alten Rundenzähler, die mit dem wohlvertrauten Klack bis 50 hochzählen, wenn die Karts bei der Überfahrt einen Hebel betätigen.

Gefahren wird mit zwei kabelgebundenen Handreglern. Aus Plastik gefertigt und relativ leicht wirken diese eher zweckmäßig, dafür ist die Kabellänge mit 115 cm für unser Empfinden ausreichend. Klar: Funk wäre cooler, hätte aber auch den Preis deutlich in die Höhe getrieben.

Die Speed-Controller arbeiten analog – jede Spur gehört also fest zu einem Fahrzeug. Der Gashebel regelt die Geschwindigkeit stufenlos. Zusätzlich gibt es einen Turbo-Button, der die Karts deutlich beschleunigt und im Rennen immer wieder für dramatische Momente sorgt – hohes Tempo sorgt für Vorsprung, erhöht aber auch massiv die Abfluggefahr.

Stromübertragung und Technik

Damit die kleinen Karts überhaupt fahren können, wird Strom über die beiden Metallleiter in den Schienen übertragen. In der Startschiene befindet sich das Netzteil, das die Strecke mit Spannung versorgt. Von dort fließt der Strom durch die Leiterbahnen der Schienen rund um den gesamten Kurs.

Unter jedem Fahrzeug sitzen zwei federnde Kontaktbürsten – auch Schleifer genannt. Diese liegen direkt auf den Metallstreifen der Strecke auf und nehmen dort den Strom auf. Sobald der Fahrer den Gashebel am Handregler drückt, wird mehr Spannung an den Motor im Kart weitergegeben, wodurch das Fahrzeug beschleunigt.

Die Führung selbst übernimmt der sogenannte Leitkiel an der Unterseite des Autos. Dieser steckt in der Nut der Schiene und sorgt dafür, dass das Kart der Spur folgt, während die Hinterräder für den eigentlichen Vortrieb sorgen.

Das System wirkt auf den ersten Blick simpel, ist aber erstaunlich effektiv. Genau dieses Prinzip nutzen Carrera-Bahnen bereits seit den 1960er-Jahren – und es funktioniert bis heute zuverlässig. Die Schleifer von Staub zu befreien fühlt sich herrlich vertraut an. Und sollte das nicht mehr reichen, lassen sich die Verschleißteile einfach abziehen, um sie auszutauschen. Ein Tütchen mit zwei Paar Schleifern und zwei Ersatzkielen liegt dem Set bei.

Rennspaß im Wohnzimmer

Im Kern lebt das Carrera-Set von direkten Duellen. Zwei Spieler treten gleichzeitig gegeneinander an und versuchen, ihre Karts möglichst sauber durch Kurven und Looping zu steuern und das idealerweise schneller und sicherer als der Gegner. Denn auch wenn die Strecke vermeintlich simpel wirkt, lässt sich mit reinem Vollgas kein Pott holen. Wer in den Kurven zu aggressiv beschleunigt, fliegt aus der Bahn. Entscheidend sind Timing und das nötige Fingerspitzengefühl, wenn man vom Gas gehen muss.

Neben den Duellen eignet sich das Set aber auch für den Kampf um Bestzeiten. Ob man dabei mit Mario und Luigi antritt, ist den von uns erfassten Zeiten zufolge irrelevant. Wie sich aber zeigte, scheint die Außenbahn spursicherer zu sein: Die meisten erreichten im Zeitturnier auf 50 Runden hier einen klar besseren Schnitt. Das mag aber vielleicht auch daran liegen, dass der Rundenzähler mitunter nicht reagiert, wie uns später auffiel. Aber dem Phänomen werden wir in den vielen noch anstehenden Rennen ausführlich auf den Grund gehen.

Denn wie sich zeigt, ist der klassische Reiz von Slotcars zeitlos: einfache Regeln, sofort verständliches Spielprinzip – gleichzeitig ist aber auch Geschicklichkeit und Aufmerksamkeit gefragt. Das funktioniert heute so gut wie damals und hat auch in Zeiten hochkomplexer digitaler Spielwelten nichts von seinem rustikalen Spaßfaktor eingebüßt.

Zum Abschluss noch etwas Partywissen: Der Name „Carrera“ stammt aus dem Spanischen und bedeutet schlicht „Rennen“. Inspiriert wurde er vom legendären Straßenrennen Carrera Panamericana, einem der gefährlichsten Autorennen der Welt in den frühen 1950er-Jahren.

Fazit:

Mit dem GO!!! Mario Kart Set bringt Carrera zwei Spielwelten zusammen, die enorm gut harmonieren. Die Mischung aus klassischer Slotcar-Bahn und den bekannten Nintendo-Figuren macht Mario-Kart-Rennen analog greifbar und eignet sich daher ideal als alternativer Familienspaß zu den Rennen am Bildschirm.

Der Aufbau ist rasch erledigt, die Steuerung sofort verstanden und schon nach wenigen Runden entwickelt sich der typische und vor allem generationsübergreifende Wettkampfgeist, der solchen Bahnen schon seit Jahrzehnten innewohnt – Vollgas auf der Geraden, vorsichtiges Lupfen vor der Kurve und immer die Hoffnung, dass der Gegner im nächsten Moment aus der Bahn fliegt.

Im Detail zeigt das Set jedoch auch einige Schwächen: Die dekorativen Randbegrenzungen bieten keinen echten Schutz vor Abflügen, der Rundenzähler reagierte in unserem Test nicht immer zuverlässig, die Stützelemente sind etwas fummelig.

Am Fahrspaß ändert das jedoch nichts. Das unverwüstliche Spielprinzip, die robusten Fahrzeuge und die Möglichkeit, die Strecke zu verändern und zu erweitern, machen das dank Nintendo-Lizenz sympathisch gebrandete GO!!!-Set zum idealen (Wieder-)Einstieg in die Welt der Carrera-Rennbahnen – für kleine und große Kinder wohlgemerkt.

Das Carrera GO!!! Mario Kart Set ist für 84,99 Euro auf der Shop-Seite des Herstellers oder auch hier auf Amazon erhältlich.