Gaming-Stühle orientieren sich seit Jahren an einer festen Formel: auffällige Rennsitz-Optik, Kunstlederbezüge und eine weiche Polsterung, die beim ersten Probesitzen besonders komfortabel wirkt. Für längere Sitzphasen ist diese Abstimmung jedoch nicht immer ideal, weil sehr weiche Polsterungen oft weniger Halt bieten als straffer ausgelegte Sitzflächen. Mit dem Nitro 800 verfolgt der Gaming-Zubehör-Hersteller Genesis daher einen etwas anderen Ansatz.

Der Zocker Stuhl setzt auf einen Stoffbezug, eine vergleichsweise feste Polsterung und umfangreiche Einstellmöglichkeiten, die eine ergonomischere Sitzposition ermöglichen sollen. Ob dieses Konzept im Alltag aufgeht und wie sich der Nitro 800 im Praxiseinsatz schlägt, zeigt unser Test.

Überblick

Der Genesis Nitro 800 positioniert sich im mittleren Preisbereich der Gaming-Stühle und richtet sich an Nutzer, die längere Zeit am Schreibtisch verbringen – sei es beim Spielen oder bei der Arbeit. Genesis kombiniert dafür eine stabile Stahlkonstruktion mit einem atmungsaktiven Stoffbezug, der Feuchtigkeit ableitet und das unvermeidliche Zocker-Schwitzen im Vergleich zu klassischen Kunstlederoberflächen deutlich erträglicher macht.

Zur Ausstattung gehören ferner eine neigbare und stufenlos arretierbare Rückenlehne, eine Wippmechanik sowie umfangreich verstellbare 4D-Armlehnen. Ergänzt wird das Paket durch ein magnetisches Kopf- und ein Lendenkissen mit Memory-Foam-Polsterung. Ein nicht zu verachtendes Verkaufsargument ist zudem die ausdrücklich hohe maximale Belastbarkeit von bis zu 150 Kilogramm.

Preislich bewegt sich der Nitro 800 je nach Händler meist zwischen rund 200 und 250 Euro, vereinzelt tauchen im Handel aber auch deutlich günstigere Angebote um 170 Euro auf. Geliefert wird der Stuhl in Einzelteilen und mit einer übersichtlichen Anleitung. Der Aufbau geht flott von der Hand und ist dank der hohen Passgenauigkeit mit nur einer Person in 15 Minuten zu stemmen.

Design und Verarbeitung

Schon beim Auspacken hinterlässt der Nitro 800 einen sehr hochwertigen Eindruck. Der Stoffbezug fühlt sich angenehm weich und samtig an, die Nähte sind sauber gesetzt und auch das Design wirkt stimmig. Sitzfläche und Rückenteil wirken gut verarbeitet und vermitteln ein deutlich edleres Gefühl als viele typische Kunstleder-Gaming-Stühle.

Auch ansonsten ist die generelle Verarbeitungsqualität des Stuhls hoch. Das System wirkt mit Blick auf die tragende Metallkonstruktion robust und widerstandsfähig. Die 60-mm-Räder verfügen laut Hersteller über eine sogenannte CareGlide-Beschichtung, welche die Oberflächen vor Kratzern schützen soll. Ob das auf Dauer klappt wird die Zeit zeigen müssen, die Rollen gleiten aber auf jeden Fall leichtgängig und ruhig.

Lediglich die obligatorischen Kunststoffteile schmälern den Eindruck minimal. Besonders an den Kunststoffelementen im oberen Bereich der Rückenlehne links und rechts neben der Kopfstütze sind sichtbare und spürbare Pressnähte zu erkennen.

Ausstattung und Ergonomie

Der Nitro 800 bietet die volle Bandbreite an Einstellmöglichkeiten. Das fängt schon bei den Armlehnen an, die mit jeweils drei Knöpfen ausgestattet sind und allerlei Anpassungen erlauben. Während viele andere Stühle sich auf eine Höhenverstellung beschränken, lässt sich hier zusätzlich der Winkel in mehreren Stufen verstellen. Außerdem können die Armauflagen nach vorne und hinten sowie sogar seitlich verschoben werden. Mit „4D-Einstellung“ wird beim Nitro 800 also nicht zu viel versprochen.

Grundsätzlich wirken die Armlehnen stabil. Durch die vielen Verstellmechanismen ist der bewegliche Auflagenteil allerdings leicht wackelig. Zudem wirken die Kunststoffstreben der Armlehnen optisch etwas schlichter als der Rest des Stuhls. Dafür sind die Auflagen angenehm groß und zudem gepolstert. Etwas schade ist allerdings, dass hier kein Stoffbezug verwendet wird. Stattdessen kommt ein kunstlederartiger Überzug mit leicht angerauter Textur zum Einsatz. Der fühlt sich zwar angenehm an, ist im Gegensatz zur Sitzfläche aber nicht atmungsaktiv und damit anfälliger für Schweißbildung.

Dieses Problem hat die Sitzfläche hingegen nicht. Die Polsterung fällt vergleichsweise straff aus und ist damit spürbar härter als bei vielen klassischen Gaming-Stühlen. Das mag für Nutzer, die eine weichere Polsterung gewohnt sind, zunächst wie ein Nachteil klingen. Auf lange Sicht sorgt die feste Abstimmung jedoch für eine stabile Sitzposition und arbeitet damit im Sinne der Ergonomie – ein Punkt, den Vielsitzer nicht unterschätzen sollten. Mit einer Tiefe von 50 Zentimetern und einer Breite von 52 Zentimetern bietet die Sitzfläche außerdem angenehm viel Platz.

Die Rückenlehne besitzt in der Tradition klassischer Gaming-Stühle seitlich ausgeprägte Wangen, die den Rücken leicht umfassen und damit zusätzliche Führung geben. Dadurch sitzt man etwas stärker im Stuhl, statt einfach nur an einer flachen Rückenlehne anzulehnen – außerdem sieht es cool aus.

Ein Detail, das uns besonders gut gefällt, ist die Befestigung des Kopfkissens. Statt mit Riemen oder elastischen Bändern wird dieses einfach magnetisch an der Rückenlehne fixiert. Dazu sind in der Kopfstütze Metallstreben eingelassen, sodass sich das Kissen bequem in der gewünschten Höhe positionieren lässt. Das wirkt nicht nur elegant, sondern erleichtert auch das schnelle Verstellen.

Praxistest im Alltag

Im praktischen Einsatz erweist sich der Genesis Nitro 800 auch über längere Sitzphasen hinweg als eine sehr komfortable Angelegenheit. Die straffe Sitzfläche unterstützt eine aufrechte Sitzhaltung und verhindert, dass man im Stuhl einsinkt. Die Rückenlehne lässt sich nahezu stufenlos arretieren, sodass sich der Neigungswinkel sehr fein an die eigene Sitzposition anpassen lässt.

In Verbindung mit der Wippmechanik lädt der Gaming-Stuhl in den Zockerpausen zum entspannten Zurücklehnen ein. Das Rückenteil lässt sich bis zu 135 Grad nach hinten neigen, sodass man fast schon liegt. Mit einem passenden Fußteil könnte man auf dem Nitro 800 ohne Weiteres einschlafen.

Bequem genug ist er, nicht zuletzt dank des hochwertigen Stoffbezugs. Im Vergleich zu Kunstleder wirkt das Material deutlich luftiger und verhindert das typische „Kleben“ an der Oberfläche, das das Aufstehen nach längeren Gaming-Sessions unangenehm machen kann. Ein klassischer Bürostuhl mit Netzbespannung bleibt in puncto Belüftung zwar weiterhin überlegen, dafür macht der Nitro 800 mit seinem selbstbewussten Auftreten aber deutlich mehr her.

Ein Detail in puncto Design erweist sich im Alltag jedoch als weniger gelungen. Die Hebel für die Höhenverstellung und die Kippfunktion unter dem Sitz sind mit Blick auf die Armlehnen nicht optimal positioniert. Die Streben befinden sich genau im Bereich der Bedienhebel und sind beim Zugriff im Weg. In der Praxis wäre es hilfreich gewesen, wenn die Hebel etwas weiter herausragen oder weiter hinten angebracht wären.

Ein Kuriosum außerdem: Bringt man den Hebel zur Höhenverstellung nach Bauplan an, muss man ihn nach oben ziehen, um die Höhe zu verändern. Bei vielen anderen Stühlen funktioniert das umgekehrt. Das erschien uns so ungewohnt, dass wir den Hebel kurzerhand verkehrt herum angebracht haben. Selbst ist der Tester.

Fazit

Mit dem Nitro 800 liefert Genesis einen gut durchdachten und stilvoll designten Gaming-Stuhl ab, der sich in mehreren Punkten wohltuend von vielen klassischen Kunstleder-Modellen abhebt. Der atmungsaktive Stoffbezug fühlt sich angenehm weich an, wirkt hochwertig verarbeitet und verhindert das typische schwitzige Kleben auf der Sitzfläche. Die Polsterung fällt ergonomisch straff aus, bleibt dabei aber bequem und stabil.

In Verbindung mit der großzügigen Sitzfläche, der stufenlos neigbaren Rückenlehne, den vielseitig einstellbaren 4D-Armlehnen und dem cleveren magnetischen Kopfkissen bietet der Nitro 800 eine hohe Anpassungsfähigkeit für unterschiedliche Sitzgewohnheiten. Auch die maximale Belastbarkeit von bis zu 150 Kilogramm unterstreicht den robusten Gesamteindruck.

Kritik gibt es vor allem bei kleineren Details. Einige der verbauten Kunststoffelemente wirken optisch etwas einfacher als der Rest des Stuhls, und auch die Position der Bedienhebel unter dem Sitz ist nicht ideal gelöst. Zudem könnten die Armlehnen trotz ihrer vielen Einstellmöglichkeiten insgesamt etwas stabiler wirken.

Unterm Strich bleibt ein sehr stimmiges Gesamtpaket – besonders mit Blick auf den Preis. Je nach Händler bewegt sich der Nitro 800 meist zwischen rund 200 und 250 Euro, was angesichts der Ausstattung und Verarbeitung bereits fair bepreist ist. Vereinzelt tauchen im Handel aber auch Angebote um etwa 170 Euro auf – und spätestens dann wird der Nitro 800 zu einem echten Preis-Leistungs-Tipp

Der Genesis Nitro 800 ist unter anderem über Amazon sowie über den Kaufland-Marktplatz erhältlich.