Das japanische Anime-Fantasy-Drama „Tunnel to Summer“ ist mittlerweile auf DVD und Blu-ray erschienen und wer ihn bisher verpasst hat, sollte das schleunigst ändern. Im Mittelpunkt steht Kaoru, ein Jugendlicher, der mit dem Tod seiner Schwester nicht abschließen kann und dessen Alltag alles andere als rosig ist.
Eine Legende, zwei Außenseiter, ein Geheimnis
Als er eines Abends auf einen mysteriösen Tunnel stößt, dem sogenannten Urashima-Tunnel, der laut Überlieferung jeden Wunsch erfüllen soll, ist die Versuchung natürlich riesig. Doch Kaoru ist nicht der Einzige, der von dem Tunnel angezogen wird. Seine neue Mitschülerin Anzu, ebenfalls eine Einzelgängerin mit einer eigenen Geschichte, kreuzt seinen Weg.
Die beiden schließen sich zusammen, um dem Geheimnis des Tunnels auf die Spur zu kommen und stellen dabei fest, dass Wünsche immer einen Preis haben. Regisseur Tomohisa Taguchi, der die gleichnamige Light Novel von Mei Hachimoku als Vorlage nutzte, erzählt diese Geschichte mit einer Ruhe, die man von modernen Produktionen nicht unbedingt gewohnt ist. Kein hektisches Schnittgewitter, keine aufgesetzte Dramatik. Der Film nimmt sich Zeit und das ist hier ausdrücklich als Lob gemeint.
Jonglieren zwischen den Genres
„Tunnel to Summer“ jongliert geschickt mit verschiedenen Genres. Da ist das Coming-of-Age-Element, das sich durch den kompletten Film zieht. Da ist eine leichte Science-Fiction-Komponente rund um den Tunnel. Und dann ist da noch diese ganz zarte, zurückhaltend erzählte Liebesgeschichte zwischen Kaoru und Anzu. Das klingt vielleicht nach viel auf einmal, aber der Film schafft es, dass alles organisch zusammenzuhalten, ohne dass sich irgendetwas aufgezwungen anfühlt.
Besonders hervorzuheben ist, wie die Charaktere aufgebaut werden. Kaoru und Anzu sind keine perfekten Menschen. Sie sind fehlerhaft, manchmal verloren, manchmal stur. Genau das macht sie glaubwürdig. Ihre Dynamik entfaltet sich langsam, und wenn man als Zuschauer erst mal warm geworden ist mit den beiden, lässt einen der Film nicht mehr los. Stark ist auch die Musik von Harumi Fuuki, die das Ganze zurückhaltend, aber effektiv begleitet.
Visuelle Stärke und emotionaler Kern
Optisch bewegt sich „Tunnel to Summer“ auf einem hohen Niveau. Studio CLAP hat hier gute Arbeit geleistet. Denn die Animationen sind sorgfältig, die Farbgebung stimmig, und insbesondere die Szenen rund um den Tunnel haben eine ganz eigene Atmosphäre. Wer Wert auf schöne Bilder legt, wird hier definitiv voll auf seine Kosten kommen. Der eigentliche Kern des Anime ist aber das emotionale Gewicht, das er trägt.
Es geht um Trauer und darum, wie man mit Verlust umgeht. Darum, was man loslassen muss, um vorwärtsgehen zu können. Das sind keine leichten Themen, aber der Film behandelt sie mit einer Ernsthaftigkeit, die man respektieren muss ohne dabei je in Schwermut zu versinken. Das Ende sorgt vielleicht für feuchte Augen, aber es bleibt kein Kloß im Hals. Mit einer Laufzeit von knapp 80 Minuten ist „Tunnel to Summer“ recht kompakt. Manche werden sich daher vielleicht wünschen, noch etwas mehr Zeit mit den Figuren verbringen zu dürfen.
Ganz oben auf die Watchlist
Wer jedenfalls auf japanischen Animationsfilme steht und Geschichten schätzt, die mehr wollen als bloße Unterhaltung, sollte „Tunnel to Summer“ ganz oben auf die Watchlist setzen. Der Film ist emotional ehrlich, visuell überzeugend und erzählerisch reifer als viele seiner Konkurrenten. Auf der Disc stehen übrigens sowohl die deutsche Synchronisation als auch die japanische Originalfassung mit Untertiteln zur Verfügung. Kurz gesagt: „Tunnel to Summer“ ist genau die Art von Anime-Film, die man für einen emotional-packenden Heimkinoabend braucht!
:quality(90))