Es gibt Figuren in der Musikgeschichte, über die man eigentlich schon alles zu wissen glaubt. Und dann kommt ein Film und erinnert einen daran, dass man meistens nur die Oberfläche kannte. Das Musik-Biopic „Creation Stories – Der Mann, der Oasis entdeckte“ erzählt von Alan McGee, dem Gründer von Creation Records, und tut das auf eine Art, die man so schnell nicht vergisst.

Der Film ist nun für das Heimkino auf DVD und Blu-ray verfügbar und wer britische Popkultur auch nur ansatzweise in seinem Herzen trägt, sollte das nicht ignorieren. Alan McGee wächst in Glasgow auf, mit wenig Geld, aber viel Hunger auf etwas Anderes. Bands wie die Sex Pistols und David Bowie zeigen ihm früh, dass Musik mehr sein kann als Unterhaltung – sie kann eine Haltung sein, ein Statement, eine Art zu leben.

Vom Plattenladen-Träumer zum Kingmaker

Also zieht er nach London, mitten rein ins Underground-Getriebe der Stadt, und gründet Creation Records. Was danach passiert, ist schlicht schwer zu glauben. Er entdeckt Oasis, My Bloody Valentine, The Jesus and Mary Chain und prägt damit den Sound einer ganzen Dekade. Der Ruhm kommt, das Geld kommt und mit beidem kommt auch alles, was einen Menschen ins Wanken bringen kann.

„Creation Stories“ erzählt McGees Geschichte nicht linear und brav von A nach B. Stattdessen wechseln sich Rückblenden, fragmentarische Erinnerungen und Interviewsequenzen ab, in denen McGee der Journalistin Gemma, gespielt von Suki Waterhouse, Rede und Antwort steht. Das klingt auf dem Papier vielleicht nach einer zu cleveren Konstruktion, funktioniert im Film aber erstaunlich gut. Man bekommt das Gefühl, einem Mann zuzuhören, der selbst nicht ganz sicher ist, welche Version seines Lebens die wahre ist.

„Trainspotting“ sagt Hallo

Im Fokus steht hierbei Schauspieler Ewen Bremner. Man kennt ihn als Spud aus „Trainspotting“, und ja, die Besetzung ist kein Zufall. Denn ein Großteil der kreativen Köpfe hinter diesem Kultfilm der 90er ist hier wieder vereint. Irvine Welsh hat das Drehbuch mitgeschrieben, Danny Boyle produziert. Bremner spielt McGee mit einer Energie, die man kaum beschreiben kann, ohne zu untertreiben.

Er zeigt einen Mann, der von seinem eigenen Erfolg berauscht ist, der Drogenexzesse mit Freunden wie Ralph (Jason Isaacs) feiert und dabei nie aufhört zu glauben, dass er der Richtige für diesen Job ist. Das ist gleichzeitig faszinierend und anstrengend. Genau so, wie diese Figur wohl auch im echten Leben war. Nick Moran inszeniert das alles mit einer Leichtigkeit, die dem Stoff gut steht. Der Film nimmt sich nicht zu ernst, verliert dabei aber nie das Interesse an der Person hinter dem Mythos.

Geschichte über Ambition und Selbstüberschätzung

McGee ist kein Heiliger und der Film macht auch keinen aus ihm. Er scheitert, er übertreibt, er verletzt vermutlich Menschen um sich herum. Aber er glaubt eisern an die Musik, die er verbreitet. Und diesen Glauben, den spürt man in fast jeder Szene. Was „Creation Stories“ von vielen anderen Musikbiografien unterscheidet, ist das Tempo und die Ehrlichkeit. Der Film hängt sich nicht an Nostalgie auf, sondern zeigt eine Ära mit all ihrem Dreck und ihrer Energie. Er feiert Britpop nicht unkritisch, sondern benutzt ihn als Kulisse für eine sehr persönliche Geschichte über Ambition und Selbstüberschätzung.

Die Besetzung ist durch die Bank stark. Also Bonusmaterial gibt es übrigens ganze sieben Featurettes zur Entstehung, Interviews mit Bremner, Welsh, Isaacs und McGee selbst sowie die preisgekrönte Dokumentation „Upside Down: Die Creation Records Story“. Darin kommen unter anderem Noel Gallagher zu Wort. Und wer sich auch nur ein bisschen für die Geschichte von Oasis interessiert, wird allein dafür dankbar sein.

Nicht perfekt, aber authentisch

Alles in allem ist „Creation Stories“ kein perfekter Film. Er ist manchmal unordentlich, manchmal zu schnell, manchmal einen Tick zu verliebt in seine eigene Coolness. Aber genau das macht ihn auch authentisch. Dieser Film klingt nach den Menschen, über die er erzählt. Wer britische Musikgeschichte mag, wer „Trainspotting“ liebt, wer einfach gute Schauspieler bei der Arbeit sehen will, nun, der sollte sich den Streifen ins Regal stellen … und dann nochmal die alten Oasis-Platten rauskramen.

„Creation Stories - Der Mann, der Oasis entdeckte“ (Pandastorm Pictures) VÖ: 10. Apr 26