Was macht ein Dutton eigentlich, wenn die Ranch Geschichte ist? Bei Kayce lautet die Antwort offenbar weiterhin Ärger suchen, nur diesmal mit Dienstmarke. „Marshals: A Yellowstone Story“ schickt Luke Grimes nach dem Ende der Hit-Serie „Yellowstone“ zurück nach Montana und schlägt dabei eine deutlich andere Richtung ein. Weniger Viehherden, Landkonflikte und Familienkrieg, dafür Ermittlungen, Zugriffe und eine Eliteeinheit der U.S. Marshals.
Nun ist die komplette erste Staffel mit ihren 13 Episoden auch auf DVD und Blu-ray erhältlich. Wer also wissen möchte, wie es für Kayce Dutton nach „Yellowstone“ weitergeht, bekommt hier das nächste Kapitel seiner Geschichte. Und obwohl „Marshals“ seine Herkunft nie verleugnet, versucht die Serie ziemlich schnell, auf eigenen Beinen zu stehen.
Ein Dutton mit Dienstmarke
Nach seinem Abschied von der Yellowstone Ranch steht Kayce an einem Punkt, an dem von seinem bisherigen Leben nicht mehr viel übrig ist. Sein alter Militärfreund Pete Calvin (Logan Marshall-Green) bringt schließlich eine neue Aufgabe ins Spiel. Kayce soll sich einer Eliteeinheit der U.S. Marshals anschließen. Dass der ehemalige Navy SEAL dafür einiges mitbringt, dürfte niemanden überraschen, der „Yellowstone“ gesehen hat.
Kayce war schließlich schon dort selten der Mann, den man für ein ruhiges Gespräch bei Kaffee und Kuchen vorbeigeschickt hat. Seine militärische Erfahrung, sein Instinkt und die auf der Ranch erlernte Härte funktionieren auch in seinem neuen Job. Nur die Spielregeln haben sich geändert. Gerade zu Beginn fühlt sich „Marshals“ allerdings stärker nach klassischer Crime-Serie an, als man es vom „Yellowstone“-Universum gewohnt ist.
Einzelne Fälle und Einsätze stehen zunächst deutlich im Vordergrund. Erst nach und nach schieben sich größere Konflikte dazwischen und die Staffel entwickelt einen roten Faden, der über das reine Fall-der-Woche-Prinzip hinausgeht. Wer hier direkt ein zweites „Yellowstone“ erwartet, muss sich deshalb erst einmal umgewöhnen.
Die Ranch ist weg, „Yellowstone“ aber nicht
Ganz kappt „Marshals“ die Verbindung zur Mutterserie natürlich nicht. Kayces Sohn Tate (Brecken Merrill) gehört weiterhin zu seinem Leben und mit Thomas Rainwater (Gil Birmingham) sowie Mo (Mo Brings Plenty) schauen weitere bekannte Gesichter vorbei. Dadurch fühlt sich die Serie trotz des neuen Jobs nie wie ein komplett losgelöstes Spin-off an.
Vor allem Kayces Privatleben sorgt dafür, dass aus dem Wechsel zu den Marshals nicht einfach nur ein neues Einsatzgebiet wird. Die Vergangenheit reist mit – und einige der emotionaleren Momente der Staffel entstehen genau dann, wenn das neue Leben auf das alte trifft. Dazu gehört auch Kayces Umgang mit dem Verlust seiner Frau und die Verbindung zu den Traditionen, die bereits in „Yellowstone“ Teil seiner Geschichte waren.
Neu an seiner Seite stehen unter anderem Pete Calvin und Belle Skinner (Arielle Kebbel). Logan Marshall-Green funktioniert dabei gut als alter Weggefährte, der Kayce bereits aus seiner Militärzeit kennt, während Kebbel der neuen Einheit eine weitere eigenständige Figur gibt. Im Zentrum bleibt aber Luke Grimes. Nach fünf Staffeln „Yellowstone“ ist Kayce so eng mit ihm verbunden, dass der Wechsel in eine eigene Serie erstaunlich problemlos funktioniert.
Mehr Crime, weniger Cowboy
Genau an dieser Stelle dürfte sich für viele „Yellowstone“-Fans entscheiden, wie gut „Marshals“ funktioniert. Die Serie ist kein Ersatz für die Dutton-Ranch und versucht das glücklicherweise auch nicht permanent zu sein. Stattdessen verschiebt sie das bekannte Neo-Western-Gefühl in Richtung Crime-Thriller. Die Landschaft Montanas, staubige Straßen und der raue Umgangston sorgen weiterhin für vertraute Bilder.
Dazwischen stehen nun aber Ermittlungen und Einsätze, wodurch „Marshals“ stellenweise näher an einer klassischen US-Crime-Serie liegt als an den großen Familiendramen der Mutterserie. Gerade in den ersten Episoden muss diese Mischung ihren Rhythmus noch finden. Mit zunehmender Laufzeit greifen die einzelnen Handlungsstränge jedoch besser ineinander.
Die Fälle stehen weniger isoliert nebeneinander, persönliche Konflikte bekommen mehr Gewicht und zum Ende hin zieht auch die übergeordnete Geschichte merklich an. Das macht die zweite Hälfte klar stärker als den etwas konventionelleren Auftakt.
Kayce bleibt eben Kayce
Dass „Marshals“ trotz des Genrewechsels funktioniert, hängt deshalb vor allem an seiner Hauptfigur. Kayce muss nicht neu erfunden werden, nur weil er keine Ranch mehr hinter sich hat. Seine Vergangenheit als Soldat, die Loyalität gegenüber seiner Familie und sein ziemlich eigener moralischer Kompass lassen sich problemlos in das neue Umfeld übertragen.
Wer mit dem Dutton-Universum bisher überhaupt nichts anfangen konnte, wird deshalb vermutlich auch durch eine Dienstmarke nicht plötzlich bekehrt. Wer dagegen wissen wollte, wie Kayces Geschichte nach „Yellowstone“ weitergehen könnte, bekommt eine interessante Verschiebung der bekannten Zutaten. Nämlich weniger Ranch, mehr Crime und trotzdem genug Montana im Tank.
Die erste Staffel braucht ein wenig, bis sie aus ihrem anfänglich recht klassischen Ermittler-Schema herausfindet. Sobald die größeren Zusammenhänge stärker in den Vordergrund rücken, bekommt „Marshals: A Yellowstone Story“ aber deutlich mehr Eigenleben. Und am Ende steht vor allem eine Erkenntnis. Man kann Kayce Dutton die Ranch wegnehmen, aber ein ruhigeres Leben bekommt er deshalb noch lange nicht.
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