Guy Ritchie, eine Milliarde Dollar und mit Jake Gyllenhaal, Henry Cavill sowie Eiza González gleich drei Hauptdarsteller, die ziemlich genau wissen, wie man möglichst cool durch ein Feuergefecht läuft. „In the Grey“ macht aus seinen Zutaten von Anfang an kein Geheimnis. Nach dem Kinostart ist Ritchies Actionthriller mittlerweile auch auf DVD, Blu-ray und 4K UHD fürs Heimkino erhältlich.

Wer Filme wie „The Gentlemen“ oder „The Ministry of Ungentlemanly Warfare“ kennt, dürfte sich schnell heimisch fühlen. Perfekt sitzende Klamotten, schnelle Dialoge, komplizierte Pläne und Menschen, die selbst dann erstaunlich entspannt bleiben, wenn um sie herum gerade alles explodiert. Guy Ritchie befindet sich hier ziemlich eindeutig auf vertrautem Terrain.

Eine Milliarde Dollar? Die holen wir mal eben zurück

Rachel (Eiza González) verdient ihr Geld damit, Vermögenswerte zurückzuholen, die andere Menschen lieber verschwinden lassen würden. Ihr neuer Auftrag hat allerdings eine etwas andere Größenordnung: Eine Milliarde Dollar soll wiederbeschafft werden, die sich der skrupellose Manny Salazar (Carlos Bardem) unter den Nagel gerissen hat.

Unterstützung bekommt Rachel von Sid (Henry Cavill) und Bronco (Jake Gyllenhaal), zwei Spezialisten fürs Grobe, die mit automatischen Waffen mindestens genauso souverän umgehen wie mit einem ausgeklügelten Plan. Und Unterstützung kann Rachel gebrauchen, denn Salazar sitzt nicht gerade allein in einer schlecht beleuchteten Lagerhalle. Sein Rückzugsort ist eine streng bewachte Privatinsel samt reichlich bewaffnetem Personal.

Alles entwickelt sich zunehmend zu einer Mission, bei der irgendwann nicht mehr nur Konten eingefroren werden. Ritchie kombiniert Heist-Elemente mit Agentenfilm und klassischer Action und lässt seine Figuren dabei ständig zwischen Köpfchen und Feuerkraft wechseln.

Cavill und Gyllenhaal haben offensichtlich Spaß

Der eigentliche Grund, warum „In the Grey“ über weite Strecken so locker durch seine 98 Minuten kommt, sitzt allerdings vor der Kamera. Henry Cavill und Jake Gyllenhaal funktionieren als Sid und Bronco hervorragend zusammen. Beide spielen Männer, die dieses Geschäft schon so lange betreiben, dass selbst ziemlich aussichtslose Situationen eher wie ein weiterer Punkt auf der Tagesordnung wirken.

Vor allem Gyllenhaal darf seinen trockenen Humor auspacken und bringt eine leicht unberechenbare Energie mit, während Cavill den ruhigeren Gegenpol gibt. Daraus entsteht eine Buddy-Dynamik, die nicht besonders viel psychologische Tiefe benötigt, um Spaß zu machen. Eiza González ist dabei keineswegs nur das dritte Rad am Wagen. Rachel hält die Operation zusammen und steht im Zentrum der Geschichte. Dazu kommt Rosamund Pike als Bobby, die zwar deutlich weniger Leinwandzeit bekommt, dem ohnehin prominent besetzten Ensemble aber noch einen weiteren bekannten Namen hinzufügt.

Guy Ritchie macht Guy-Ritchie-Dinge

Ritchie inszeniert „In the Grey“ mit genau der Mischung aus Eleganz, Macho-Gehabe, trockenem Humor und kontrolliertem Chaos, die viele seiner Filme auszeichnet. Pläne werden erklärt, während man bereits ihre Umsetzung sieht, Informationen fliegen durchs Bild und irgendwann wird aus dem sorgfältig vorbereiteten Vorgehen ein ziemlich ausgewachsener Actionfilm. Gerade dann zeigt „In the Grey“ seine stärkere Seite. Feuergefechte, Verfolgungsjagden und Nahkampf bleiben trotz des Tempos übersichtlich, während Christopher Bensteads Score zusätzlich Druck macht.

Die internationalen Schauplätze und Salazars Privatinsel liefern dazu die passende Hochglanzkulisse. Allerdings kennt man vieles davon bereits aus anderen Ritchie-Filmen. „In the Grey“ versucht gar nicht erst, das Actiongenre neu zusammenzusetzen. Auch seine Figuren bleiben eher coole Profis als Menschen, deren Seelenleben man anschließend noch stundenlang analysieren möchte. Das passt zwar zum Tempo des Films, lässt Salazar und einige Nebenfiguren aber entsprechend oberflächlich wirken.

Tiefgang ist heute leider ausverkauft

Wer von „In the Grey“ einen komplexen Agententhriller voller doppelter Böden erwartet, dürfte deshalb beim falschen Film gelandet sein. Ritchie interessiert sich wesentlich stärker dafür, wie sein Team eine scheinbar unmögliche Situation löst und wie cool Gyllenhaal, Cavill und González dabei aussehen. Das Ergebnis ist geradlinige Popcorn-Action mit Heist-Einschlag, prominenter Besetzung und reichlich Ritchie-DNA.

Nicht jede Wendung überrascht und nicht jede Figur bekommt mehr als die nötigsten Konturen. Dafür hält sich der Film auch nicht lange damit auf, etwas Anderes sein zu wollen. Vor allem das Zusammenspiel der drei Hauptdarsteller trägt „In the Grey“ durch seine dünneren Momente. Wer Guy Ritchie genau für diese Mischung aus schnellen Sprüchen, cleveren Plänen und plötzlich sehr vielen Kugeln schaut, bekommt davon reichlich.

Und mal ehrlich, wenn Henry Cavill und Jake Gyllenhaal gemeinsam eine Milliarde Dollar zurückholen sollen, erwartet vermutlich ohnehin niemand ein zweistündiges Kammerspiel.

„In The Grey“ (LEONINE) – VÖ: 04. Sep 26