Wer im Kino keine Zeit gefunden hat, kann „Paris Murder Mystery“ jetzt zu Hause nachholen, denn der Film ist nun auf DVD und Blu-ray erhältlich. Im Zentrum steht Lilian Steiner, eine amerikanische Psychiaterin, die in Paris zu einer angesehenen Größe ihres Fachs geworden ist und deren geordnetes Leben durch einen einzigen Todesfall komplett aus der Bahn gerät.

Eine ihrer Patientinnen stirbt unter Umständen, die offiziell klar erscheinen, für Lilian aber nicht plausibel wirken wollen. Zusammen mit ihrem Ex-Mann macht sie sich auf die Suche nach Antworten, wobei schnell klar wird, dass diese Reise mehr über sie selbst offenbart als über den eigentlichen Fall. Genau darin liegt der eigentliche Clou der Geschichte. Sie tut so, als würde sie einen Mordfall aufklären wollen, verhandelt aber viel eher eine persönliche Krise.

Mit angenehmer Gelassenheit

Rebecca Zlotowski inszeniert das Ganze mit einer angenehmen Gelassenheit und lässt sich Zeit, bevor sie überhaupt in Richtung Krimi-Spannung steuert. Dass die verstorbene Patientin ausgerechnet an einem Präparat gestorben sein soll, das aus Lilians eigener Praxis stammt, ist der Punkt, an dem die Fassade der Protagonistin zu bröckeln beginnt. Plötzlich steht nicht mehr nur die Frage im Raum, wer für den Tod verantwortlich ist, sondern auch, ob Lilian selbst etwas übersehen haben könnte.

Der Film lässt bewusst offen, ob ihr Verdacht auf ein Verbrechen wirklich begründet ist oder ob er eher eine Art Schutzreflex darstellt, um die eigene Schuld nicht anerkennen zu müssen. Diese Uneindeutigkeit trägt die Handlung über weite Strecken und macht aus einem vermeintlichen Whodunit etwas deutlich Persönlicheres.

Eine Rolle, die von Zurückhaltung lebt

Jodie Foster nimmt sich für diese Figur bemerkenswert zurück und verzichtet komplett auf große emotionale Ausbrüche. Ihre Darstellung funktioniert über Details. Man merkt Lilian an, dass sie beruflich darin geübt ist, fremde Emotionen zu entschlüsseln, während sie bei ihren eigenen komplett den Überblick verliert. Das ist schauspielerisch anspruchsvoll, weil es keine großen Momente gibt, an denen sich das Publikum festhalten kann, sondern nur eine stetig wachsende Verunsicherung im Blick der Figur.

Wer Fosters frühere Rollen kennt, wird hier eine interessante Variante ihrer typischen Kontrolliertheit entdecken, die diesmal bewusst ins Wanken gebracht wird. Ein echtes Highlight ist zudem die Chemie mit Daniel Auteuil, der den Ex-Mann Gabriel spielt. Zwischen den beiden liegt spürbar eine lange gemeinsame Vergangenheit, die sich in kurzen Sticheleien, in einem eingespielten Rhythmus und in gelegentlichen zärtlichen Momenten zeigt.

Wenn der Krimi zur Nebensache wird

Diese Szenen wirken bemerkenswert unangestrengt und geben der ansonsten eher düsteren Handlung immer wieder Leichtigkeit. Virginie Efira und Mathieu Amalric runden das Ensemble mit pointierten Auftritten ab und sorgen dafür, dass auch die Nebenfiguren nicht bloß Stichwortgeber für die Hauptfigur bleiben. Wer französisches Schauspielkino mag, bekommt hier einen Cast geboten, der eigenständig genug agiert, um auch ohne Foster tragfähig zu sein.

Als reiner Kriminalfall bleibt „Paris Murder Mystery“ tatsächlich relativ schlicht gestrickt, denn die Ermittlungsstränge wirken selten wie ein cleveres Puzzle, das sich zusammensetzt. Hinweise tauchen auf, führen zu neuen Gesprächen, laufen manchmal ins Leere, ohne dass daraus jemals echte Nervenspannung entsteht. Wer auf einen zugespitzten Showdown hofft, sollte seine Erwartungen entsprechend anpassen, denn der Film interessiert sich schlicht für andere Dinge.

Stattdessen springt die Erzählung munter zwischen verschiedenen Stimmungslagen. Mal ernst und nachdenklich, mal augenzwinkernd komödiantisch, mal fast schon traumhaft entrückt. Besonders die traumähnlichen Sequenzen, in denen die Grenze zwischen Erinnerung und Einbildung verschwimmt, sorgen für einen eigenwilligen Reiz, auch wenn nicht jede dieser Szenen restlos aufgeht. Wer sich auf diese Unschärfe einlässt, wird mit einer visuell interessanten Umsetzung belohnt, die dem Film seinen ganz eigenen Charakter verleiht.

Charmant statt spektakulär

Insgesamt lebt „Paris Murder Mystery“ weniger von seiner Krimihandlung als von der Atmosphäre eines herbstlichen Paris und der Beobachtung einer Frau, die aus ihrer eigenen Routine kippt. Wer Spannung im klassischen Sinne erwartet, dürfte enttäuscht werden, denn Tempo und Dringlichkeit stehen hier klar hinter der Stimmung und Charakterzeichnung zurück.

Für die Heimkino-Sammlung lohnt sich die Anschaffung trotzdem, vor allem wegen Jodie Foster, die aus einer eher dünnen Krimibasis eine glaubwürdige Studie über Kontrollverlust macht. Zusammen mit einem spielfreudigen französischen Cast entsteht so ein Film, der weniger durch seine Auflösung überzeugt als durch die Frage, was mit einer Figur passiert, wenn ihr System plötzlich nicht mehr funktioniert. Ein unterhaltsames, wenn auch nicht ganz stringentes Detektivspiel mit viel Persönlichkeit.

„Paris Murder Mystery“ (PLAION PICTURES) – VÖ: 23. Jul 26