Zwölf Jahre Funkstille, das ist eine Hausnummer, gerade wenn es um zwei Figuren geht, die im NCIS-Kosmos eine ganz eigene, riesige Fanbase haben. Wer die Ausstiege von Tony DiNozzo und Ziva David aus der Mutterserie miterlebt hat, weiß, wie viel emotionales Gewicht an diesen beiden Namen hängt. Jetzt kehren Michael Weatherly und Cote de Pablo auch im Heimkino zurück, mit ihrem NCIS-Spin-off „NCIS: Tony & Ziva“. Für alle, die den Umweg über Streaming-Abos gescheut haben, ist das die passende Gelegenheit, endlich nachzuholen, worüber seit Monaten gesprochen wird.

Zwei Aussteiger, eine Familie, jede Menge Ärger

In der Mutterserie wurde Ziva totgeglaubt, Tony quittierte daraufhin seinen Dienst, um Tochter Tali großzuziehen. Genau an diesem Punkt hakt die neue Serie ein, allerdings ohne sich lange mit Rückblenden aufzuhalten. Ein Paris-Wiedersehen unter der Hand hat die kleine Familie längst wieder zusammengebracht, und die ersten Folgen lassen kurz vermuten, man könnte einfach zur Ruhe kommen.

Genau dieser Frieden hält aber nicht, denn plötzlich steht Tonys Firma im Fadenkreuz, und ab da wird aus dem Familienalltag eine einzige Hetzjagd durch halb Europa. Alte Verletzungen brechen wieder auf, nicht nur äußerlich, auch zwischen den beiden selbst. Beide müssen sich unter Dauerdruck wieder aufeinander einlassen, und aus genau dieser Reibung zieht die Serie ihren Antrieb.

Zwischen Agententhriller & Beziehungsdrama

Verfolgungsjagden, Schusswechsel, aber auch die leiseren Momente dazwischen, in denen mehr gesagt wird als in jedem Feuergefecht. Diese Mischung zieht sich durch die komplette erste Staffel. Spionage-Parts sorgen für Tempo, während die persönliche Geschichte zwischen Tony und Ziva für den nötigen emotionalen Unterbau sorgt. Der Bodycount steigt zwar an, aber die Serie verliert dabei nie ihren Blick für die beiden Hauptfiguren.

Genau diese Balance zwischen Agententhriller und Beziehungsdrama war schon damals in „Navy CIS“ eine der großen Stärken der Figuren, und sie funktioniert auch losgelöst vom großen Team erstaunlich gut. Der größte Trumpf der Serie liegt demnach auf der Hand. Weatherly und de Pablo harmonieren immer noch, als wäre keine Sekunde vergangen. Der schnodderige Humor auf der einen Seite trifft auf die kühle, kontrollierte Art auf der anderen.

Wer die beiden aus der Originalserie ins Herz geschlossen hat, bekommt hier genau das gewünschte Wiedersehen, ohne dass es sich aufgesetzt anfühlt. Statt eines ganzen Ermittlerteams stehen diesmal eben nur zwei Figuren im Zentrum, was der Geschichte mehr Raum für Nähe gibt. Actionfans kommen mit Verfolgungsjagden und Spionageplots ebenso auf ihre Kosten wie jene, die vor allem wegen der Beziehung zwischen Tony und Ziva eingeschaltet haben. Eben diese doppelte Ausrichtung macht das Spin-off zu einer runden Sache, die sich weder im reinen Actionmodus noch im reinen Drama verliert.

Ein Wiedersehen, das sich gelohnt hat

„NCIS: Tony & Ziva“ schafft etwas, das vielen Spin-offs oft nicht gelingt, es fühlt sich weder wie ein billiger Aufguss noch wie eine krampfhafte Fortsetzung an. Die Serie nimmt sich die Zeit, die alte Geschichte der beiden ernst zu nehmen, und baut trotzdem eine eigenständige Handlung darauf auf. Für Fans der Originalserie dürfte das Heimkino-Release ein Pflichtkauf sein, allein schon wegen der Wiedersehensfreude mit zwei der prägendsten NCIS-Figuren. Wer Agententhriller mit persönlicher Note mag, findet hier solide Unterhaltung mit gutem Tempo. Und wer das Original geliebt hat, wird auch mit diesem Kapitel seine Freude haben.

„NCIS: Tony & Ziva“ (Paramount Pictures / LEONINE) VÖ: 24. Jul. 26