Es gibt Horrorfilme, die man einmal sieht und danach eine Woche schlechter schläft. „Der Babadook“ von Jennifer Kent gehört ohne Frage dazu. Das australische Erstlingswerk aus dem Jahr 2014 hat sich längst einen festen Platz in der Welt des modernen Horrorkinos gesichert und das völlig zurecht. Wer ihn noch nicht kennt, bekommt jetzt die wohl beste Gelegenheit, das nachzuholen. Denn erstmals erscheint „Der Babadook“ in 4K als limitiertes Mediabook, mit dem Film auf UHD und Blu-ray, einem ausführlichen Bonuspaket und einem 24-seitigen Booklet.

Klopf, klopf – wer da?

Im Mittelpunkt steht Amelia, eine alleinerziehende Mutter, die seit dem Tod ihres Mannes nur schwer wieder ins Leben zurückfindet. Ihr sechsjähriger Sohn Samuel macht ihr dabei zusätzlich zu schaffen. Denn er ist angespannt, schreckhaft und verhält sich zunehmend seltsam. Dann taucht plötzlich ein Bilderbuch auf: „Mister Babadook“. Woher es kommt, weiß Amelia nicht.

Sie liest es Samuel vor und das war vielleicht keine so gute Idee. Denn die Geschichte handelt von einer dunklen Gestalt, die, einmal gerufen, nicht mehr geht. Amelia versucht das Buch loszuwerden, doch es findet immer wieder seinen Weg zurück. Samuel ist überzeugt, dass etwas Böses hinter ihm her ist. Und mit jedem Tag wird es schwerer zu sagen, was schlimmer ist, die Bedrohung von außen oder das, was sich in den Köpfen von Mutter und Sohn abspielt.

Zwei Millionen Dollar, ein Alptraum

Jennifer Kent hat „Der Babadook“ mit einem Budget von knapp zwei Millionen US-Dollar gedreht und man merkt dem Film an keiner Stelle an, dass wenig Geld im Spiel war. Im Gegenteil. Was Kent und ihr Team aus diesen Mitteln herausgeholt haben, ist bemerkenswert. Die Kameraarbeit setzt konsequent auf dunkle, kühle Bilder, die von der ersten Szene an eine Stimmung erzeugen, die einen nicht mehr loslässt. Dazu kommt ein Soundtrack, der die Unruhe gezielt verstärkt, ohne dabei aufzutrumpfen.

Das eigentlich Kluge an „Der Babadook“ ist aber, wie wenig er zeigt. Der Babadook selbst bleibt lange im Verborgenen. Man spürt ihn eher, als dass man ihn sieht. Diese Zurückhaltung ist kein Mangel, sondern eine bewusste Entscheidung, die den Film von vielen anderen Horror-Konkurrenten klar abhebt. Besonders das Bilderbuch, was visuell unheimlich gestaltet ist und im Film mit großem Bedacht eingesetzt wird, bleibt im Gedächtnis. Es erzeugt von seinem ersten Auftritt an ein Unbehagen, das sich wie ein schlechtes Gefühl im Bauch durch den gesamten Film zieht.

Horror mit Hirn – die eigentliche Stärke

„Der Babadook“ ist kein reiner Horrorfilm. Er ist gleichzeitig ein Psychodrama über Trauer, Erschöpfung und die Last, die manche Menschen mit sich tragen, ohne darüber sprechen zu können. Diese doppelte Ebene macht ihn so interessant und so nachhaltig. Man kann den Film als übernatürlichen Grusel lesen, aber man kann ihn auch ganz ohne Monster verstehen, und er ergibt in beiden Lesarten vollkommen Sinn.

Essie Davis als Amelia liefert dabei eine Darstellung, die diesem Spagat mehr als gerecht wird. Sie trägt den Film auf ihren Schultern und sorgt dafür, dass man ihr die Zerrissenheit, die Müdigkeit und die wachsende Panik in jeder Szene abnimmt. Kein Wunder also, dass William Friedkin, Regisseur des Exorzisten, beim Sundance Film Festival 2014 öffentlich ins Schwärmen geriet. Kent hat mit minimalem Aufwand maximale Wirkung erzielt und das ist im Horrorgenre alles andere als selbstverständlich.

Licht aus – Film an

Für alle, die Horror schätzen, der mehr will als bloßes Erschrecken, ist „Der Babadook“ ein absolutes Muss. Der Film funktioniert auf mehreren Ebenen gleichzeitig, ohne dabei konstruiert zu wirken und genau das unterscheidet ihn von der Masse. Das 4K-Mediabook bietet jetzt die Möglichkeit, ihn in der besten verfügbaren Qualität zu erleben, mit allem, was dazugehört. Wer bisher gezögert hat, hier kommt nun die richtige Version, um einzusteigen. Und wer den Film bereits kennt, weiß sowieso, dass er eine ordentliche Heimkinopräsentation mehr als verdient. Also Vorhänge zu, Licht aus und viel Spaß dabei, danach nicht ans Klopfen an der Wand zu denken.

„Der Babadook“ limitiertes Mediabook (UHD + Blu-ray) - Capelight Pictures - VÖ: 21. Mai 26