Schönes Wochenende geplant? Falsche Wahl. Manchmal reicht ein Haus am See, vier Menschen mit schlechten Absichten und eine Regisseurin, die genau weiß, welche Knöpfe sie wann drücken muss. Ab hier wird es unangenehm und das ist ein Kompliment. Willkommen zu „Bone Lake“ von Mercedes Bryce Morgan, der jetzt endlich auch für das Heimkino auf DVD und Blu-ray erhältlich ist.

Doppelt gebucht, einfach tödlich

Die Ausgangssituation in „Bone Lake“ ist simpel. Diego und Sage wollten ein ruhiges Wochenende zu zweit, abgeschieden, romantisch, kein Stress. Was sie stattdessen bekommen, ist Will und Cin, seine Freundin, die das genaue Gegenteil von unauffällig ist. Beide haben dasselbe Haus gebucht, beide wollen bleiben, und aus dieser harmlosen Unannehmlichkeit entwickelt sich etwas, das man am Ende des Films kaum noch so nennen möchte.

Wer hier nur einen Film erwartet, bekommt übrigens gleich vier. Nämlich Erotikthriller, Psychodrama, schwarze Komödie und Slasher und das Verrückte ist, es funktioniert so grandios gut. Was „Bone Lake“ zudem von ähnlichen Setups unterscheidet ist, dass er nicht schummelt. Die Eskalation kommt nicht aus dem Nichts, sie wächst aus dem, was zwischen den vier Figuren passiert, dem Flirten, dem Testen, dem stillen Misstrauen. Wer wen beobachtet, wer wen unterschätzt, wer das Spiel wirklich versteht. Das ist gut konstruiert und noch besser gespielt.

Vier Figuren, ein Haus, null Ausweg

Alex Roe, Maddie Hasson, Marco Pigossi und Andra Nechita tragen den Film als Quartett, und sie tun es überzeugend. Sie sind keine Pappaufsteller, keine austauschbaren Genre-Gesichter, nein, alle vier haben Charakter. Genau das ist es, was aus einem simplen Kammerspiel einen echten Psycho-Schocker macht. Man weiß irgendwann nicht mehr, wem man trauen soll, und das Drehbuch hält diese Unsicherheit mit Disziplin aufrecht.

Der schwarze Humor, der sich durch den gesamten Film zieht, ist dabei kein Störfaktor, sondern Kalkül. Morgan dosiert ihn präzise, so dass nie die Spannung flöten geht. Immer gerade genug, um dem Ganzen eine kantige Note zu geben. Das ist schwieriger hinzubekommen, als es aussieht und ist ihr bestens gelungen.

Blut, Biss & ein Brett vor dem Kopf der Konkurrenz

Für Horrorfans sei gesagt, dass „Bone Lake“ kein Film ist, der sich ziert. Er lässt sich Zeit, aber vergisst nicht, wohin die Reise geht. Der letzte Akt liefert dann das, was das Genre verspricht, und er tut es ohne falsche Scham. Wer auf Slasher-Elemente steht, wird hier bestens bedient. Wer sich für den psychologischen Unterbau interessiert, bekommt den auch.

Beides zusammen funktioniert, weil der Film über die gesamte Laufzeit seine innere Logik nicht verliert. Stilistisch ist „Bone Lake“ dabei durchgehend stark. Die Isolation des Schauplatzes, die knappe Atmosphäre, das Spiel mit Nähe und Bedrohung, das sitzt ganz ohne billigem Look oder schludriger Inszenierung. Morgan macht hier deutlich, dass sie weiß, was sie dreht.

Reinsetzen, Tür abschließen, genießen

Schönes Wochenende geplant? Immer noch falsche Wahl. Denn das Haus am See bleibt, was es war, ein schlechter Ort für gute Vorsätze. „Bone Lake“ lässt einen genauso zurück, mit dem Gefühl, dass man den nächsten Wochenendtrip lieber doppelt checken sollte. Und das ist das größte Kompliment, das man einem Horrorfilm machen kann. „Bone Lake“ ist letztendlich einer dieser Filme, bei dem man hinterher etwas überrascht ist, wie gut er war. Nicht weil man wenig erwartet hätte, sondern weil er in fast jeder Disziplin liefert, die für das Genre zählt. Nämlich Spannung, starke Charaktere, Atmosphäre, Humor, Blut und das ist keine Selbstverständlichkeit.

„Bone Lake“ (Busch Media Group) VÖ: 21. Mai 26