Vier Jahre Funkstille sind in Bandjahren eine kleine Ewigkeit. Umso schöner, dass Rise Against mit „Ricochet“ wieder auf Sendung sind und zwar mit einer Platte, die klingt, als hätte jemand den Antrieb neu geölt und die Regler um ein paar Stufen nach rechts geschoben. Keine Rückwärts, kein müdes Best-of der eigenen Tricks, sondern dieses Gefühl von immer vorwärts, das sitzt.

„Ricochet“ packt zuerst über den Sound. Die Gitarren sind breit und bissig, ohne Bombast. Das Schlagzeug setzt klare, trockene Akzente und der Bass klebt alles zusammen und greift Melodielinien auf. Über allem liegt wieder Tim McIlrath charismatische Stimme, präsent wie eh und je, die mitreißt und das nicht nur in den Refrains. „Ricochet“ zählt zwölf Tracks wobei die Band auf straffe Arrangements setzt.

An mehreren Stellen wird das Tempo leicht gedrosselt, um dann wieder anzuziehen. Genau diese kleinen Brems- und Beschleunigungsmanöver sorgen dafür, dass das Album über die volle Distanz frisch bleibt. Inhaltlich schlägt „Ricochet“ wie man es von der Band kennt, die Brücke zwischen persönlichen Zweifeln und gesellschaftlichen Problemen. Ein permanentes Hin und Her aus Frust und Aufbruch – alles da, aber nicht mit erhobenem Zeigefinger.

Es geht um Standhalten, um das Ringen mit Müdigkeit, um den Moment, in dem man trotzdem weitergeht. Gleichzeitig blickt die Band auf die Welt voller Ungleichheiten, Druck und dem Gefühl von Dauerkrise. Genau diese Kombination macht die Texte zugänglich und gibt ihnen Gewicht. Man spürt einfach, wofür diese Songs gebaut sind.

Die große Qualität von „Ricochet“ liegt allerdings auch in der Präzision. Rise Against arbeiten mit Spannungsbögen, die live unter Garantie sofort funktionieren werden. Das ergibt Songs, die sich auch nach mehreren Runden frisch anfühlen. Nichts ist überladen, nichts wirkt nach Studio-Trickkiste. Statt Effektgewitter gibt es hier wunderbare Punkrock-Performance. Das ist eine Stärke, die man nicht überhören kann.

Eigentlich wollen wir gar keinen Titel besonders hervorheben, da die Platte in seiner Gesamtheit so wunderbar gut funktioniert. Aber wenn man Tracks unbedingt herauspicken will, sind das „I Want It All“, der Albumtrack „Ricochet“ und Songs wie „Us Against The World“, „Nod“ oder „State Of Emergency“.

Wer Rise Against seit Jahren begleitet, findet hier jedenfalls genau den Antrieb, der diese Band ausmacht, nur eben noch mal klarer gebündelt. Zudem ist „Ricochet“ eine Platte, die man laut will – im Wohnzimmer, im Auto, im Club. Dies mit mehr Raum für Stimme und Groove, aber genug Kanten, um hängen zu bleiben. So fühlt sich ein Update an, das niemanden zurücklässt und trotzdem nach vorne zeigt.

Rise Against „Ricochet“ (Loma Vista Recordings) – VÖ: 15 August 2025

Tracklist: 01. Nod // 02. I Want It All // 03. Ricochet // 04. Damage Is Done // 05. Us Against The World // 06. Black Crown // 07. Sink Like A Stone // 08. Forty Days // 09. State Of Emergency // 10. Gold Long Gone // 11. Soldier // 12. Prizefighter