Manche Bands feiern ihr Comeback einmal und sind danach erschöpft. Fury in the Slaughterhouse hängen jetzt schon den dritten Streich in Folge raus, und „Changes“ ist der Schlusspunkt einer Trilogie, die mit „Now“ losging und über das Nummer-eins-Album „Hope“ führte. Kai Wingenfelder und Co. denken dabei gar nicht ans Neuerfinden, sondern eher ans Weitermachen. Und genau das hört man der Platte vom ersten bis zum letzten Song an. Wer hier eine komplette Kursänderung erwartet, sucht vergeblich. Wer wissen will, wie es sich anfühlt, wenn eine Band nach vier Jahrzehnten immer noch Bock aufeinander hat, ist hier goldrichtig.
Zwölf Songs, eine offene Rechnung
Es geht um Veränderung, ums Zusammenhalten und um den Blick zurück, ohne dabei in Nostalgie zu ertrinken. Der Opener „Changes“ startet ruhig, fast schon zurückhaltend, bevor er sich in einen ordentlichen Rocksong hochschraubt. So ein bisschen wie ein Aufwärmen vor dem eigentlichen Lauf. „9 Lives“ übernimmt dann das Tempo und liefert genau den Refrain, den man sich von einer Single wünscht.
Direkt danach knallt „Youth Is Wasted On The Young“, ein Song übers Älterwerden, der zum Glück nicht in die Boomer-Klage abdriftet, sondern einfach Spaß macht. Spannend wird es vor allem dort, wo die Band aus ihrem gewohnten Rahmen ausbricht. „Lost And Found“ eröffnet mit Synthie-Sounds, die man von Fury nicht unbedingt erwartet hätte, und „Viva La Revolución“ bringt Bläser und einen anderen Groove mit ins Spiel. Wer lieber die ruhigere Schiene mag, wird mit „Believe“ und „Sister Moon“ bedient. Zwei Songs, die emotional einiges zu bieten haben.
Wenn die Band sich selbst überrascht
Das eigentliche Pfund von „Changes“ ist aber die Bandbreite. Statt sich auf ein Songschema zu verlassen, switcht das Album zwischen treibenden Rocknummern, getragenen Balladen und kleinen Ausflügen, ohne dabei den Faden zu verlieren. „Viva La Revolución“ ist dabei der klare Höhepunkt, weil man förmlich hört, dass diese Band auch nach so vielen Jahren noch Lust hat, sich selbst auf die Probe zu stellen.
Bei „Years Of Thunder“ taucht plötzlich ein Banjo auf, bevor der Song in einen energiegeladenen Refrain übergeht. Eine dicke Überraschung, die richtig gut funktioniert und der Platte ein zusätzliches Detail schenkt. Auch textlich bleibt Wingenfelder bei sich selbst. Und so gibt es persönliche Geschichten, die auf gesellschaftliche Beobachtungen treffen. Diese Bodenständigkeit ist es, die einem die Songs auch nach all den Jahren noch glauben lässt.
Mehr Band drin als je zuvor
Was „Changes“ von einem reinen Pflichtalbum abhebt, ist der Vibe, dass hier offenbar die ganze Band an den Songs mitgeschrieben hat. Genau das spürt man. Die Platte fühlt sich vielschichtiger und persönlicher an als frühere Veröffentlichungen, ohne dass der typische Fury-Sound dabei verloren geht. Am Mischpult sitzt Vincent Sorg, der den Songs eine ordentliche Portion Druck und Wucht verleiht.
Wer kritisch hinhören will, merkt aber auch, dass dabei an manchen Stellen etwas Feinarbeit auf der Strecke bleibt, vor allem die ruhigeren Songs hätten von mehr Luft im Mix profitiert. Klar, nicht jeder Song zündet gleich gut. „Fix This Crack“ hat einen netten, augenzwinkernden Text, bleibt musikalisch aber eher Durchschnitt, und „When We Were Young“ könnte angesichts seines Themas noch eine Schippe mehr Gefühl vertragen. Das sind aber Kleinigkeiten, die dem großen Ganzen kaum etwas anhaben können.
Kein Denkmal, aber ein würdiger Schlusspunkt
„Changes“ wird die Karriere von Fury in the Slaughterhouse nicht neu schreiben, und das muss es auch gar nicht. Stattdessen ist es der genau richtige Abschluss einer Trilogie, die zeigt, wie eine Band ihre zweite Halbzeit mit Substanz und nicht mit reiner Routine füllt. Wer die Hannoveraner schon immer für ihre Mischung aus Melancholie und großen Refrains gemocht hat, bekommt hier exakt das. Plus, ein paar mutige Momente, die beweisen, dass diese Band noch längst nicht alles gesagt hat. Für Fans der ersten Stunde und alle, die auf ehrlichen deutschen Rock stehen, ist diese Platte ein klares Ja.
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Tracklist: 01. Changes // 02. 9 Lives // 03. Youth Is Wasted On The Young // 04. Lost And Found // 05. Viva La Revolución // 06. Believe // 07. Fix This Crack // 08. When We Were Young // 09. Years Of Thunder // 10. Sister Moon // 11. Dream About You // 12. Sorrowland