Denkt man an gute Gaming-Headsets, kommen einem meist große, wuchtige Bügelkopfhörer mit ausladenden Mikrofonen in den Sinn, die fast schon an die Ausstattung eines Piloten oder Bühnentechnikers erinnern. Potente Technik benötigt eben Raum, doch die Zeiten ändern sich.
In dem Bestreben, immer leichtere und damit auch bequemere Gaming-Headsets zu entwickeln, ist die Branche inzwischen auf den im Audio-Bereich längst schon vollzogenen Earbuds-Trend aufgesprungen – also kabellose In-Ear-Kopfhörer, die ohne den schweren Bügel-Aufbau auskommen. Nun ist der Konsum von reinen Audioinhalten allerdings nicht so komplex wie die Bedürfnisse eines Gamers. Da fragt man sich: Lassen sich diese in daumengroße Buds stopfen? Und SteelSeries nur so: „Hold my Beer!“

Dort hat man mit den neuen Arctis GameBuds nämlich einen echten Gamechanger im Programm, der das Beste aus beiden Welten vereinen möchte: den hohen Tragekomfort eines alltagstauglichen In-Ears und den technischen Anspruch einer latenzfreien Verbindung mit Konsole, PC und Mobilgeräten. Garniert wird das Ganze außerdem mit immersivem 360° Spatial Audio, aktiver Geräuschunterdrückung und einer hohen Akkulaufzeit. Ganz schön große Worte für so kleine Stöpsel. Aber wie unser Test gezeigt hat, nimmt SteelSeries den Mund nicht zu voll.
Für 169,99 Euro erhaltet ihr die jeweils 5,3 Gramm leichten Ohrhörer in einem kompakten Case wahlweise in den Farben Weiß oder Schwarz. Auch der USB-C-Nano-Dongle für die 2,4-GHz-Funkverbindung findet in der Ladehülle Platz. Zum Lieferumfang gehören neben dem üblichen Papierkram außerdem noch ein USB-C-auf-USB-A-Adapter, ein USB-C-Ladekabel (0,3 m) und zwei weitere Größenpaare an Silikonaufsätzen, die wir beim Auspacken fast übersehen hätten.

Das aus mattem Kunststoff gefertigte Case ist in etwa handtellergroß und kommt mit abgerundeten Kanten daher. Eine umlaufende Bordüre setzt einen aluminiumfarbenen Akzent, der sich auch in dem SteelSeries-Logo auf dem Deckel wiederfindet. Werkseitig ist es zudem mit einem Papierbanner umfasst, auf welchem der QR-Code zum Download der Mobile App aufgedruckt ist. Geladen wird das Case entweder über einen rückseitigen USB-C-Anschluss oder auch kontaktlos.
Die Stöpsel bringen es dabei auf eine Laufzeit von bis zu zehn Stunden, was allerdings nur unter Verzicht auf die ANC-Funktion erreicht werden kann. Da die In-Ears bei Nichtbenutzung im Ladecase nachtanken, wurde es bei uns aber auch nie eng. Dieses bringt voll geladen immerhin weitere 30 Stunden, im Notfall stehen binnen 15 Minuten bereits wieder drei Stunden Laufzeit zur Verfügung. Ein voller Ladezyklus nimmt lediglich 90 Minuten in Anspruch.

Beim Öffnen des Cases wird kurz vor dem 90-Grad-Klappwinkel ein Einrastpunkt spürbar, der den Deckel arretiert, auf dessen Innenseite SteelSeries eine kleine Nachricht versteckt hat. Dort steht „GLHF“ eingraviert, was im Jargon eines (fairen) Gamers als Abkürzung für „Good luck, have fun“ dient – ein äußerst sympathisches Detail.
Die Earbuds bestehen ebenfalls aus Kunststoff und sind robust und gut verarbeitet. Die Form wirkt mit ihren abgerundeten Kanten und weichen Linien modern und liegt derart bequem in den Ohren, dass man glatt vergessen könnte, In-Ear-Kopfhörer zu tragen. Schon mit den für uns zu kleinen, werkseitig aufgestülpten Silikon-Ohreinsätzen sitzen die Stöpsel absolut zuverlässig, und das sogar beim Sport. Noch besser wurde es, als wir eine Nummer größer aufzogen. In Sachen Tragekomfort setzt SteelSeries hier eine echte Duftmarke, an der sich künftig alle anderen In-Ears in unserem Testlabor werden messen müssen.

SteelSeries setzt in Sachen Bedienung auf mechanische Tasten mit kurzem, aber spürbarem Druckpunkt, welche die gesamten Seitenflächen der Ohrhörer einnehmen. Eine absolut richtige und sehr gut umgesetzte Designentscheidung, erweisen sich die einst so hippen Touch-Flächen doch tendenziell als eher unzuverlässig. Im Falle der GameBuds bekommt man hingegen eine spür- und auch hörbare Rückmeldung, die Tastenbefehle werden stets direkt und zuverlässig von dem Gerät umgesetzt.
Wie inzwischen üblich, spart man sich eine ausschweifende Anleitung aus Papier, sodass man sich zunächst mit einem auf die Verpackung gedruckten Quick Guide begnügen muss. Allerdings sind die GameBuds selbsterklärend und hinsichtlich ihrer Konnektivität gewissermaßen idiotensicher.

Öffnet man zum ersten Mal das Case, wechseln die Buds direkt in den Pairing-Modus für eine Bluetooth-Verbindung zum Smartphone. Nun könnte man sie via Bluetooth auch mit der Konsole oder dem PC koppeln, allerdings ist diese zum Zocken bekanntermaßen zu langsam.
Die deutlich schnellere 2,4-GHz-Funkverbindung stellen die GameBuds über besagten Dongle her, den man einfach in den USB-C-Anschluss des jeweiligen Geräts steckt. Auch hier wird die Verbindung ohne Probleme direkt aufgebaut. Wahlweise lässt sich der Dongle aber natürlich auch an das Smartphone klemmen, um auch beim reinen Musikhören von der hörbar besseren Klangqualität der Funkverbindung zu profitieren.

Um nun jederzeit zwischen Bluetooth- und Funk-Modus zu wechseln, müssen wir lediglich dreimal hintereinander auf die Taste an den Buds drücken – ob links oder rechts, ist dabei egal.
Dank dieser einfach zu handhabenden Flexibilität wildern die Arctis GameBuds trotz ihres medialen Spiele-Fokus offensiv im Bereich der Alltags-Kopfhörer. Wer also eine kompakte In-Ear-Lösung sucht, die gleich zwei Funktionen erfüllt, wird hier eindeutig fündig. Zumal die GameBuds auch noch nach IP55 vor Staub und Spritzwasser geschützt sind.

Da wir für den Musik-Genuss unterwegs ohnehin ganz klar Earbuds bevorzugen, haben wir die Stöpsel von SteelSeries von daher auch intensiv als solche genutzt. Hätte uns mal jemand gesagt, dass wir Gaming-Kopfhörer beim Sport benutzen, hätten wir schallend gelacht. Die angenehm unauffälligen GameBuds haben sich jedoch auch abseits der Konsole rasch als treue Begleiter erwiesen, die sich förmlich in unsere Ohrmuscheln kuscheln, als wären sie dort eingegossen worden. Ein Druckgefühl war auch nach längeren Tragephasen nicht zu bemängeln.
Der Klang im Bluetooth-Modus ist ausdrucksstark, nuanciert und klar. Natürlich darf man von In-Ears nun nicht die ganz große Bühne erwarten, wie man sie von potenten Over-Ear-Kopfhörern gewohnt ist. Es ist aber immer wieder erstaunlich, wie viel Sound aus derart kleinen Geräten mittlerweile herauskommt. Im Falle der Arctis GameBuds ist dabei allerdings wichtig, dass man sich via App ein wenig mit den Presets vertraut macht.
Werkseitig klingen die GameBuds nämlich zunächst etwas flach und eindimensional. Wechselt man dann aber in der App je nach Genre das Soundprofil, werden Bässe plötzlich an die richtige Stelle gerückt, hohe Spitzen entgratet und Mitten deutlich sauberer definiert. Alternativ legt man im Equalizer selbst Hand an, benötigt dazu jedoch die umfangreichere Engine-App am PC, um von dort aus seine Einstellungen auf den GameBuds zu speichern.
Wählt man aus den aktuell 179 speziell auf einzelne Spiele zugeschnittenen Klang-Profilen seinen aktuellen Zock-Kandidaten gezielt aus – was übrigens selbst im 2,4-GHz-Modus jederzeit bequem via Mobile App möglich ist –, liefern die GameBuds eine Soundkulisse, die man ihnen so nicht zutraut. Je nach Preset donnern die überraschend präsenten Bässe, lassen sich Schritte im Raum orten und Dialoge gut verstehen. Ein Allround-Profil konnten wir dabei bislang nicht ausmachen. Aber wenn der Wechsel so einfach ist und die Spezialisierung so viel akustischen Spaß macht, bedarf es eines solchen auch nicht.

Nun haben Over-Ears mit ihren weiten Räumen wie gesagt fraglos immer noch die Nase vorn. Einem Brillenträger, der sich nicht mehr mit Druckstellen herumärgern muss, dürfte das im Freudentaumel über den neu gewonnenen Tragekomfort jedoch reichlich egal sein. Weit weniger von der Hand zu weisen sind indes die Kompromisse, die man in Sachen Mikrofon eingehen muss.
Während man mit einem klassischen Gaming-Headset sein Mikro direkt vor dem Mund positionieren kann, hat die Stimme im Falle der GameBuds einen deutlich weiteren Weg. Im Falle eines kurzen Telefonats erfüllt das auch durchaus seinen Zweck, unseren klangverwöhnten Zockerkumpels fiel jedoch sofort auf, dass wir im Vergleich zu unserem üblichen Setup recht dumpf klingen.

Begrüßenswert finden wir, dass SteelSeries den Buds Monitoring spendiert hat, also eine Funktion zum Hören der eigenen Stimme, die in der App in vier Stufen justiert werden kann. Dabei werden Mikrofone genutzt, die auch beim ANC- und Transparenz-Modus zum Einsatz kommen.
Erfahrungsgemäß schlägt sich aktive Geräuschunterdrückung bei Earbuds nicht allzu gut und die SteelSeries-Stöpsel sind da keine Ausnahme. Außengeräusche werden lediglich etwas abgedämpft, sind aber immer noch deutlich wahrnehmbar. Hat man erst mal Sound auf den Ohren, dichten die GameBuds zwar gut ab, in Pausen fallen die Schwächen der aktiven Geräuschunterdrückung dann aber umso mehr auf.
Gut gefallen hat uns dafür der Transparenzmodus, der die Außenwelt dezent verstärkt an unsere Ohren trägt. Wir empfanden das tatsächlich fast schon angenehmer, als nur mit unseren eigenen Ohren zu hören – da klopft wohl schon die Zukunft an.

In Sachen Bedienung legt SteelSeries ein sehr gut funktionierendes Preset an, dem es gelingt, alle relevanten Funktionen unter einem leicht verständlichen Hut zu bringen – und das ist bei Earbuds nicht selbstverständlich. Lautstärke, Titelwechsel, ANC-Modi und Anrufannahme sind zuverlässig mit einem oder mehreren schnell ausgeführten Tastenbefehlen erreichbar. Wem die Aufteilung dennoch nicht gefällt, der kann die Tasten für links und „droite“, wie es in der App falsch übersetzt für rechts heißt, aber auch nach seinem eigenen Gusto frei belegen.
Ferner lässt sich sowohl am PC als auch am Smartphone die Trageerkennung deaktivieren, welche die Musik pausiert, sobald wir einen Stöpsel herausnehmen. Auch die Zeit für das automatische Ausschalten legen wir hier fest. Alles in allem gibt sich der App-Umfang angenehm zweckmäßig, aufgeräumt und vorbildlich benutzerfreundlich. Dass die eigentliche Engine-App in der aufgeblähten GG-Anwendung am PC etwas untergeht, übersehen wir dabei einmal geflissentlich – das kennt man als SteelSeries-Nutzer ja bereits.

Mit den Arctis GameBuds bringt SteelSeries den Tragekomfort von Gaming-Kopfhörern auf ein neues Level und verbannt drückende Bügel und störendes Gewicht auf die Ersatzbank – insbesondere Brillenträger jubeln.
In Sachen Klang trumpfen die GameBuds durch weit über 100 Sound-Profile für ebenso viele Spiele auf und erzeugen dabei eine glaubhafte und ausdrucksstarke Klangbühne mit guter Raumortung. Dazu gibt es eine üppige Akkulaufzeit von bis zu zehn Stunden, die durch das Ladecase auf 40 Stunden erweitert wird.
Das Bedienungs-Layout ist umfassend, benutzerfreundlich und durch mechanische Tasten mit knackigem Druckpunkt sehr zuverlässig. Die Verarbeitung fällt hochwertig und robust aus, das Design ebenso elegant wie zweckmäßig. Vor allem aber sitzen die Stöpsel enorm bequem und gleichzeitig fest in den Ohren, so dass man dank der umfassenden Konnektivität nicht nur hochwertige Gaming-EarBuds mit 2,4-GHz-Funkverbindung erhält, sondern auch klangstarke Bluetooth-In-Ears für unterwegs.
Damit erweisen sich die Arctis GameBuds als clever designte 2-in-1-Lösung, welcher man die Schwächen in den Disziplinen Geräuschunterdrückung und Mikrofon gerne verzeiht.
Die Arctis GameBuds gibt es in der Version für PlayStation/PC sowie Xbox/PC für 169,99 Euro in Schwarz und Weiß auf der Seite des Herstellers oder auch hier auf Amazon.
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