Mit den LinkBuds Clip erweitert Sony seine Open-Ear-Reihe um ein Clip-on-Modell. Im Gegensatz zu klassischen In-Ears sitzen diese Ohrhörer nicht im Gehörgang, sondern klemmen außen an der Ohrmuschel, sodass Musik und Umwelt gleichermaßen wahrgenommen werden können. Ein Konzept, das sich trotz seiner Einschränkungen wachsender Beliebtheit erfreut und mittlerweile im Mainstream angekommen ist.
Open-Ear-Kopfhörer wie die LinkBuds Clip von Sony sind kein Ersatz für klassische In-Ears, sondern eine bewusste Alternative für alle, die unterwegs, im Büro oder beim Sport ihre Umgebung auf natürliche Weise wahrnehmen wollen, ohne dabei auf Audio-Inhalte verzichten zu müssen. Eine akustische „Abschirmung“, wie man sie von In- oder auch von Over-Ears gewohnt ist, darf man dabei freilich nicht erwarten – ein Punkt, über den man sich vor dem Kauf im Klaren sein sollte.
Ansonsten handelt es sich bei den LinkBuds Clip aber immer noch um True-Wireless-Ohrhörer, die kabellos via Bluetooth verbunden werden. Unterstützt werden die gängigen Codecs SBC und AAC, hochauflösende Standards wie LDAC fehlen hier jedoch. Dafür ist Multipoint an Bord, sodass sich zwei Geräte gleichzeitig verbinden lassen.

Im Inneren arbeitet ein dynamischer 10-mm-Treiber, der den Schall gezielt in Richtung Gehörgang abstrahlt. Eine aktive Geräuschunterdrückung gibt es bauartbedingt nicht. Stattdessen setzt Sony auf verschiedene Hörmodi wie „Standard“, „Sprachverstärkung“ oder „Reduzierung Klangverlust“, die das Klangbild je nach Nutzung anpassen.
Über die Sound Connect App bietet Sony zudem Zugriff auf einen 10-Band-Equalizer, DSEE-Upscaling zur Klangoptimierung und weiteren Personalisierungsoptionen. Hinzu kommen IPX4-Schutz gegen Spritzwasser sowie typische Komfortfunktionen wie Sprachassistent-Unterstützung und automatisches Umschalten zwischen verbundenen Geräten.

Ausstattung und Design
Die Sony LinkBuds Clip setzen auf ein funktionales Design, wie man es etwa von den AeroClip aus dem Hause soundcore bereits kennt. Statt klassischer In-Ear-Form oder Ohrbügel besteht jeder Ohrhörer aus zwei kleinen Gehäusen, die über einen flexiblen Silikonbügel miteinander verbunden sind. In der hinteren Gondel befindet sich der Akku, in der vorderen der Lautsprecher, der beim Tragen der Clips vor dem Gehörgang sitzt.
Das wirkt im ersten Moment ungewohnt und erinnert eher an ein Accessoire als an klassische Kopfhörer. Im Alltag erweist sich das Konzept aber als gut durchdacht: Die Clips sind mit rund 6 Gramm pro Seite angenehm leicht und tragen sich so unauffällig und bequem, dass man sie gerne mal glatt vergisst. Der große Vorteil dieser Bauart ist nämlich, dass kein störender Druck im Gehörgang entsteht, was gerade bei längerer Nutzung angenehmer kaum sein könnte.

Der Halt ist insgesamt solide, hängt jedoch stark von der individuellen Ohrform ab. Bei normalen Bewegungen sitzen die LinkBuds Clip sicher, bei intensiveren Aktivitäten kann es je nach Passform zu leichtem Verrutschen kommen. Sony weiß das und legt deshalb zusätzliche Silikonaufsätze bei, mit denen sich der Sitz effektiv anpassen und stabilisieren lässt, auch wenn dies ein wenig zulasten des Tragekomforts geht.
Die Verarbeitung aus Kunststoff und Silikon wirkt sauber und robust. Die Bügel sind flexibel genug, um die Clips bequem und ohne Sorge, etwas kaputt zu machen, aufzusetzen. Klug ist, dass man über eine Noppe den linken Clip ertasten kann. Optisch bleiben die LinkBuds Clip allerdings eher funktional als elegant.

Das Ladecase passt mit ca. 50 × 50 × 32 mm bei rund 42 Gramm Gewicht problemlos in die Hosentasche und hebt sich mit seiner taillierten Formsprache von der Konkurrenz ab. Das Öffnen und Schließen funktioniert zuverlässig, der Deckel hat am Gelenk nur sehr leichtes Spiel. Die magnetische Halterung sorgt für sicheren Sitz der ihrer jeweiligen Seite fest zugeordneten Ohrhörer im Case. Auf kabelloses Laden verzichtet Sony, geladen wird ausschließlich per USB-C. Ein Kabel liegt dem Lieferumfang nicht bei.
Beim Akku selbst liefern die LinkBuds Clip eine solide Vorstellung. Rund neun Stunden Wiedergabe sind pro Ladung drin, mit Ladecase summiert sich die Gesamtlaufzeit laut Hersteller auf bis zu 37 Stunden. Unserer Erfahrung nach variiert der Wert je nach Lautstärke und Nutzung. Aber auch mit 30–32 Stunden kommt man entspannt durch, ohne ständig nachladen zu müssen.
Mit einer IPX4-Zertifizierung sind die Ohrhörer zudem gegen Schweiß und Spritzwasser geschützt, sodass man sie auch ruhigen Gewissens beim Sport oder bei schlechtem Wetter tragen kann. Das Case selbst bietet diesen Schutz hingegen nicht.

Bedienung und App
Die Steuerung der LinkBuds Clip erfolgt über Tipp-Gesten am Verbindungsbügel zwischen den beiden Gehäusen. Sony setzt dabei auf Mehrfach-Taps für unterschiedliche Funktionen – etwa zum Starten und Pausieren, Überspringen von Titeln oder Anpassen der Lautstärke. Einzeltipps werden nicht unterstützt, um Fehlbedienungen zu vermeiden. Gerade zu Beginn kommt es dennoch dazu, da die Steuerung ein Gefühl für Timing und Druck erfordert. Gut also, dass die LinkBuds Clip eine akustische Rückmeldung geben.
Auch ist es im Eifer des Gefechts gar nicht so leicht, den schmalen Bügel zu treffen – allerdings muss man das dank des „Wide Area Tap“-Features gar nicht. Die Sensorik reagiert nämlich auch dann, wenn man auf einen Bereich rund ums Ohr tippt. Als gute Stelle hat sich im Test die Fläche vor dem Tragus erwiesen, aber selbst das Ohrläppchen lässt sich als Bedienfläche zweckentfremden.

Auch hier muss man Tempo und Druck erst einmal verinnerlichen. Hat man sich aber an die richtige Intensität gewöhnt, funktioniert die Bedienung erstaunlich zuverlässig und vor allem deutlich entspannter und intuitiver als der Versuch, einen schmalen Bügel anzusteuern. Ein sehr cooles Feature, das im Alltag einen deutlichen Unterschied macht, herstellerseitig aber kurioserweise kaum kommuniziert wird.
Sehr ärgerlich finden wir hingegen, dass sich die Gesten nur eingeschränkt anpassen und nicht individuell belegen lassen. Via App darf man den einzelnen Seiten lediglich feste Funktionsgruppen zuweisen, was dazu führen kann, dass man bestimmte Funktionen doppelt belegt oder andere gar nicht nutzen kann – eine unnötige Einschränkung in der Flexibilität, die vor allem dann nervt, wenn man mehrere Ohrhörer nutzt und beim gewohnten Steuerungslayout bleiben möchte.

Apropos App: Die Sony Sound Connect App bietet Zugriff auf einen 10-Band-Equalizer mit einer Handvoll Presets und mehreren benutzerdefinierten Slots, verschiedene Hörmodi sowie Funktionen wie DSEE zur Klangoptimierung oder eine adaptive Lautstärkeregelung. Auch Multipoint-Verbindungen und Geräteeinstellungen lassen sich hier verwalten.
Alles in allem wirkt die App angenehm aufgeräumt und konzentriert sich auf das Wesentliche, was wir generell begrüßen – nur wie gesagt: Eine tiefergehende Anpassung der Steuerung darf gerne wenn möglich via Update nachgereicht werden.

Sound und Telefonie
Akustisch liefern die LinkBuds Clip genau das, was man von offenen Systemen erwarten kann – und das auf hohem Niveau. So fällt direkt auf, wie „leicht“ der Klang wirkt. Stimmen stehen klar im Vordergrund, Podcasts und Videos sind gut verständlich, Musik wirkt definiert und detailliert. Dabei wirkt die Bühne durch das offene Design angenehm breit, sodass Inhalte nicht direkt „im Kopf“ passieren, sondern sich eher um einen herum entfalten, was vor allem bei längerer Nutzung enorm entspannt wirkt.
Dabei beweisen die LinkBuds Clip ihr Können besonders im Mittenbereich, arbeiten Vocals und Dialoge sauber heraus und bleiben auch bei niedriger Lautstärke gut nachvollziehbar. In den unteren Frequenzbereichen können die Clips hingegen deutlich weniger überzeugen, denn Tiefbass ist praktisch nicht vorhanden. Das ist schlicht der Bauweise geschuldet: Da der Gehörgang offen bleibt, baut sich kein Druck auf, es fehlt an Tiefe und Punch, was sich durch alle Genres zieht.

Auch die maximale Lautstärke ist begrenzt. In ruhiger Umgebung überzeugt sie, in öffentlichen Verkehrsmitteln oder an einer Straße wird es hingegen schnell schwierig. Außengeräusche überlagern den Klang, sodass man die Lautstärke erhöhen muss, was wiederum dazu führt, dass auch die Umgebung mithört – ein typischer Effekt bei Open-Ear-Systemen. Mit etwas Feintuning über den Equalizer lässt sich der Klang zwar anpassen, die grundlegenden physikalischen Grenzen bleiben aber bestehen.
Bei der Telefonie zeigt sich ein gemischtes Bild. Sony setzt auf eine Kombination aus Mikrofonen und Sensorik, um die eigene Stimme zu erfassen und Umgebungsgeräusche zu reduzieren. Auch hier gilt: In ruhigen Umgebungen funktioniert das ordentlich – Gespräche sind klar und verständlich, ohne große Aussetzer. Doch sobald es lauter wird, bricht die Qualität sukzessive ein.
Unterm Strich gilt in Sachen Telefonie: Für kurze Gespräche absolut brauchbar, für Vieltelefonierer und längere Gespräche sind die Sony LinkBuds Clip nicht das Gerät der ersten Wahl.

Fazit
Nach mehreren Experimenten im Open-Ear-Bereich orientiert sich Sony nun stärker am Mainstream und bringt mit den LinkBuds Clip sehr alltagstaugliche und klar fokussierte Ohrhörer auf den Markt. Statt auf jeder High-Tech-Hochzeit zu tanzen, konzentrieren sie sich konsequent auf freien Hörgenuss ohne Druckgefühl im Gehörgang.
Der hohe Tragekomfort gefällt, das offene und erstaunlich weite Klangbild wirkt angenehm natürlich und punktet bei Podcasts, Videos oder Musik mit sauberen Details und starken Mitten. Auch die Bedienung entpuppt sich dank des cleveren Kniffs, den gesamten Ohrbereich zur Schaltfläche zu machen, nach kurzer Eingewöhnung als überraschend komfortabel.
Ärgerlich ist allerdings, dass sich die Steuerung nur eingeschränkt anpassen lässt. Der Bauweise geschuldet mangelt es zudem hörbar an Tiefe im Bass, während die begrenzte Lautstärke und die Abhängigkeit von der Umgebung dem unbeschwerten Hörerlebnis schnell einen Strich durch die Rechnung machen können.
Unterm Strich gilt daher auch für Sonys neue Open-Ears: Wer maximale Klangqualität oder Abschirmung sucht, wird hier nicht glücklich. Wer hingegen genau weiß, warum er Ohrhörer mit offenem Design will, bekommt mit den LinkBuds Clip ein sehr komfortables, benutzerfreundliches und gut verarbeitetes Produkt, das für seinen Preis in Sachen Vielseitigkeit allerdings merklich hinter der Konkurrenz zurückbleibt.
Die Sony LinkBuds Clip sind in den Farbvarianten Grün, Grau, Schwarz und Lavendel für 199 Euro auf der Webseite des Herstellers oder hier auf Amazon erhältlich.
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