Mit Saros bringt Housemarque seinen nächsten großen Titel exklusiv auf die PlayStation 5. Zu den Anfangstagen der Konsole hatte das finnische Studio mit Returnal bereits eindrucksvoll gezeigt, wohin die Reise geht, die Erwartungen sind entsprechend hoch.

Wie schon im Falle des Quasi-Vorgängers setzt der neue Third-Person-Shooter auf eine Mischung aus Roguelike-Struktur und Bullet-Hell-Action, erweitert das bekannte Prinzip aber um neue Systeme und mehr Zugänglichkeit. Dargereicht wird das Ganze abermals mit einer geheimnisvollen Science-Fiction-Erzählung, die weit mehr sein will als einfach nur der Bauschaum zwischen den Action-Passagen.

Darum geht’s

Im Zentrum von Saros steht Arjun Devraj, ein Vollstrecker im Auftrag des mächtigen Konzerns Soltari. Seine Mission führt ihn auf den abgelegenen Planeten Carcosa, wo mehrere Expeditionen spurlos verschwunden sind. Vor Ort zeigt sich schnell, dass die Situation außer Kontrolle geraten ist: Die Umwelt verändert sich, die Zeit scheint instabil und die verbliebenen Menschen verlieren zunehmend den Verstand.

Die Geschichte entfaltet sich dabei nicht linear, sondern über Dialoge, Logeinträge sowie Rückblenden. Wer wirklich verstehen will, was auf Carcosa abgeht, muss entsprechend aufmerksam sein und mitdenken. Zwar liefern diverse Erinnerungssequenzen Einblicke in Arjuns Vergangenheit, vieles bleibt jedoch bewusst vage und interpretationsbedürftig, was der Grundstimmung einen düsteren, fragmentierten Mystery-Anstrich verleiht.

Das alles macht neugierig, benötigt aber spürbar Anlauf, um narrativ in Fahrt zu kommen. Die verschiedenen Charaktere wirken zunächst distanziert, gewinnen aber zunehmend an Kontur, während sich das Gesamtbild nach und nach verdichtet.

Gameplay und Spielwelt

Neben der vielschichtigen Erzählung versteht sich Saros vor allem als extrem schneller und fordernder Third-Person-Shooter, der seine Wurzeln klar im Bullet-Hell-Genre hat. Das bedeutet, dass in den Kämpfen ständig Projektile-Wellen aus allen Richtungen auf Arjun einprasseln, während er sich gleichzeitig gegen unterschiedliche Gegnertypen zur Wehr setzen muss, die das Schlachtfeld aktiv in Bewegung halten. Stillstand ist daher keine Option – wer stehen bleibt, stirbt.

Also lernen wir besser früher als später, konstant in Bewegung zu bleiben, Angriffsmuster zu lesen und uns durch präzises Timing und sauberes Positionieren Vorteile zu verschaffen. Möglich wird dies durch ein eng verzahntes Zusammenspiel aus Dashes, Sprüngen und später freigeschalteten Fähigkeiten wie dem Enterhaken.

Das Gameplay ist entsprechend schnell und reaktiv, geht aber alsbald in Fleisch und Blut über und verleiht den Kämpfen eine taktische Note. Arenen sind selten flach aufgebaut, sondern nutzen Höhenunterschiede, Plattformen und alternative Routen, die aktiv in den Kampf einbezogen werden können. Was zunächst wie reines Movement-Management wirkt, erweist sich im späteren Spielverlauf als erstaunlich flexibel und wird schnell zu einem essenziellen Bestandteil der Überlebensstrategie.

Eines seiner wichtigsten Werkzeuge ist dabei Arjuns Energieschild. Statt gegnerischen Projektilen ausschließlich auszuweichen, können wir mit aktiviertem Schild einen Großteil davon absorbieren und in Energie umwandeln, die für besonders starke Spezialangriffe benötigt wird. Einmal verstanden, verändert dieses System den Spielfluss im Vergleich zu Returnal deutlich.

Der entscheidende Unterschied: Wir reagieren nicht nur, sondern nutzen das Chaos gezielt für die eigene Stärke. Statt Kugeln ausschließlich auszuweichen, ziehen wir im richtigen Moment den Schild hoch, gehen bewusst in das Bombardement hinein, sammeln Energie und entladen sie, wenn der Feind eine Lücke öffnet. Statt defensiv auszuweichen, verfallen wir in einen aggressiven Rhythmus, bei dem Angriff und Verteidigung untrennbar ineinandergreifen.

Ergänzt wird das durch eine Parade-Mechanik, mit der bestimmte, besonders gefährliche Projektile im richtigen Moment zurückgeschleudert werden können. In Verbindung mit dem Schild entsteht so ein Kampfflow, der nicht nur auf Reaktion setzt, sondern auf Timing, Risikoabwägung und Kontrolle. Gerade in späteren Gefechten entsteht daraus ein fast schon rhythmisch getakteter Tanz.

Für den Angriff stehen klassische Kategorien wie Pistole, Sturmgewehr oder Schrotflinte bereit, die sich wie gewohnt in ihrem Handling und ihren Einsatzmöglichkeiten unterscheiden. Abwechslung bringen die alternativen Feuermodi und zufälligen Perks, die jede neu gefundene Waffe interessant machen. Ohnehin sind wir durch das Stufensystem zu häufigen Wechseln gezwungen – hängt euch also besser gar nicht erst an einen Waffentyp.

Strukturell setzt Saros die Action-Passagen in den Kontext einer Roguelike-Formel, geht dabei aber spürbar einen Schritt in Richtung Zugänglichkeit. Die Level bestehen aus modularen Abschnitten, die bei jedem Durchlauf neu zusammengesetzt werden. Gleichzeitig sorgen feste Knotenpunkte und klar definierte Ziele für mehr Orientierung als noch im Vorgänger und schaffen trotz wechselnder Layouts einen überraschend kohärenten Gesamteindruck.

Besonders wichtig: Einmal erreichte Gebiete müssen nicht zwangsläufig erneut durchgespielt werden. Über freigeschaltete Teleporter lässt sich direkt an späteren Abschnitten anknüpfen, was Frust reduziert und den Spielfluss deutlich strafft.

Dennoch bleibt der typische Loop erhalten: Jeder Run beginnt in der Basis, führt durch zufällig generierte Areale, belohnt mit Ressourcen und endet meist früher oder später mit dem Tod. Allerdings macht Saros unseren Fortschritt deutlich spürbar und hält die Motivation damit effektiv aufrecht. Gesammelte Währungen fließen in permanente Upgrades, die Arjun langfristig stärken und dafür sorgen, dass selbst gescheiterte Versuche nicht wie verlorene Zeit wirken.

Eine zentrale Rolle innerhalb dieses Systems spielt die Sonnenfinsternis, die ab einem gewissen Punkt im Run ausgelöst wird. Dann verändert sich Carcosa nicht nur optisch, sondern auch spielerisch. Gegner werden aggressiver, neue Gefahren tauchen auf, eigentlich hilfreiche Perks haben plötzlich negative Nebenwirkungen. Gleichzeitig winken jedoch auch bessere Belohnungen, stärkere Ausrüstung und zusätzliche Ressourcen. Dieses konsequente „Risk-and-Reward“-Prinzip zieht sich durch das gesamte Spiel und zwingt immer wieder zu Entscheidungen: Sicherheit oder Fortschritt, Vorsicht oder Risiko.

All das zusammengenommen summiert sich zu einem Gameplay, das stark von seiner Dynamik lebt. Anfangs wirkt vieles noch zurückhaltend, doch je weiter man vorankommt und je besser man die Systeme versteht, desto intensiver werden die Gefechte. Und wenn schließlich alle Mechaniken ineinandergreifen, läuft Saros erst richtig zur Höchstform auf. Aus einem flüssigen Spielfluss wird ein Sog, der einen immer wieder zu noch einem Run motiviert und die Zeit vergessen lässt.

Technik und Sound

Einen nicht unwesentlichen Teil dieser fast schon hypnotischen Wirkung kommt der Spielwelt zu. Carcosa ist kein neutraler Schauplatz, sondern wirkt wie ein feindlicher Organismus, der sich aktiv gegen den Spieler richtet. Riesige Bauwerke, fremdartige Maschinen, eine aggressive Flora und ruinenartige Strukturen vermitteln das Gefühl, in einer Welt unterwegs zu sein, die nie für Menschen gedacht war.

Technisch präsentiert sich Saros dabei selbstbewusst als aufwendig produziertes PS5-Exklusivspiel. Die Umgebungen sind detailreich gestaltet und variieren deutlich zwischen den einzelnen Biomen. Gleichzeitig erzeugt die Kombination aus monumentaler Architektur und düsteren Landschaften eine starke visuelle Identität, die sich konsequent durch das gesamte Spiel zieht.

Trotz der oft extrem unübersichtlichen Gefechte behält das Spiel zudem erstaunlich gut die Kontrolle über das Geschehen. Selbst wenn sich der Bildschirm mit Projektilen, Effekten und Gegnern füllt, bleibt alles jederzeit lesbar. Klare Farbgebung und eine saubere Formsprache sorgen dafür, dass wichtige Informationen nicht im Chaos untergehen, was gerade bei der hohen Spielgeschwindigkeit essenziell ist.

Auch die Performance gibt sich keine Blöße. Steuerung und Trefferfeedback wirken präzise und direkt, wodurch Fehler fast immer nachvollziehbar sind und selten auf technische Schwächen zurückzuführen sind. Das sorgt für ein insgesamt sehr rundes Spielgefühl, das die anspruchsvolle Spielmechanik zuverlässig trägt. Dabei läuft Saros auf der PS5 durchgehend mit 60 Bildern pro Sekunde und bleibt selbst im Effektgewitter erstaunlich stabil.

Akustisch unterstreicht Saros seine Wirkung mit einem dichten, teils bedrückenden Sounddesign aus elektronische Klangflächen, verzerrte Effekte und treibende Beats. Einen kleinen Bruch in der pompösen Inszenierung stellen jedoch die Dialogsequenzen dar, die kurios statisch wirken – besonders wenn sich die Gesprächspartner unnatürlich nahe gegenüberstehen. Das reißt zwar nur punktuell aus der Atmosphäre, fällt im ansonsten so polierten Gesamtbild aber durchaus auf.

Unterm Strich liefert Saros technisch und audiovisuell ein sehr stimmiges Gesamtpaket, das seine größte Stärke dort entfaltet, wo es darauf ankommt: mitten im Chaos seiner schnellen, intensiven Gefechte.

Fazit

Saros baut die Formel von Returnal konsequent aus und entwickelt sie in mehreren Bereichen weiter. Neue Mechaniken verleihen dem Kampfsystem zusätzliche Tiefe, während die zugänglichere Progression dafür sorgt, dass Fortschritt jederzeit spürbar bleibt.

Im Ergebnis ist Saros weniger kompromisslos als sein geistiger Vorgänger. Es nimmt den Spieler stärker an die Hand und sorgt dafür, dass sich selbst gescheiterte Runs nicht wie Rückschritte anfühlen. Das nimmt dem Ganzen etwas von der früheren Härte, macht das Erlebnis aber insgesamt runder und langfristig motivierender.

Das klare Highlight sind jedoch die effektvollen und anspruchsvollen Gefechte in einer atmosphärischen Sci-Fi-Mystery-Spielwelt. Was zunächst wie ein chaotischer Kugelhagel wirkt, entpuppt sich mit etwas Spielerfahrung als präzise lesbares System. Sobald die Mechaniken ineinandergreifen, entsteht ein Flow aus Kontrolle und schnellen Reaktionen, bei dem Risiko und Belohnung ständig gegeneinander abgewogen werden. Das ist hochspannend, enorm rasant und dank der griffigen Steuerung jederzeit präzise.

Ganz ohne Schwächen kommt das Gesamtbild aber nicht aus. Die Geschichte braucht spürbar Zeit, um in Fahrt zu kommen, und bleibt trotz interessanter Ansätze stellenweise zu distanziert. Auch die Inszenierung einzelner Dialoge fällt im Vergleich zur starken Gesamtpräsentation ab und wirkt überraschend steif.

Am Ende ist Saros vor allem eines: ein Spiel, das über sein Gameplay definiert wird – und genau dort liefert es auf beeindruckend hohem Niveau ab. Wer sich auf die fordernde Struktur einlässt und bereit ist, sich in die Systeme einzuarbeiten, wird mit einem intensiven, auf Hochglanz polierten Action-Feuerwerk belohnt, das zu den stärksten Vertretern seines Genres zählt.

Saros ist exklusiv für die Playstation 5 erhältlich.