Zwei Hände, zwei Schultertasten und bloß nicht loslassen: Viel mehr braucht „Heave Ho 2“ zunächst nicht, um sein ungewöhnliches Spielprinzip zu erklären. Das physikbasierte Indiegame von Le Cartel Studio macht aus einer eigentlich simplen Kletterpartie ein kooperatives Geschicklichkeitsspiel, bei dem zwei bis vier Teilnehmer gemeinsam den Weg zum Ziel finden müssen.

Nach dem bereits 2019 veröffentlichten ersten Teil bleibt sich auch der Nachfolger grundsätzlich treu. Statt das Konzept unnötig aufzublähen, erweitert „Heave Ho 2“ die bekannte Grundlage um neue Levelideen, zusätzliche Hilfsmittel und vor allem einen Online-Multiplayer. Für gerade einmal 9,99 Euro fällt der Umfang dabei recht ordentlich aus.

Zwei Hände, ein Stick und jede Menge Abstürze

Die Spielfiguren von „Heave Ho 2“ bestehen im Wesentlichen aus einem Kopf und zwei langen Armen. Beide werden über den Analogstick bewegt, während die Hände mit den jeweiligen Schultertasten zugreifen. Damit lassen sich Plattformen, Wände, Gegenstände und natürlich die Mitspieler greifen.

Aus diesen wenigen Möglichkeiten entwickelt sich die komplette Fortbewegung. Die Figuren hangeln sich an Hindernissen entlang, schwingen über Abgründe oder halten sich gegenseitig fest, um gemeinsam entfernte Stellen zu erreichen. Eine zusätzliche Furzmechanik sorgt für den nötigen Schub, wenn mit konventionellen Methoden kein Weiterkommen mehr möglich ist.

Die Steuerung ist damit schnell verstanden, ihre Beherrschung steht allerdings auf einem anderen Blatt. Bewegungen müssen richtig eingeschätzt und die Hände im passenden Moment geschlossen beziehungsweise wieder geöffnet werden. Und eben jene Mischung aus einfacher Bedienung und absichtlich etwas ungelenker Fortbewegung bildet den Kern des Spiels.

Denn was zunächst simpel klingt, verlangt in der Praxis eine ordentliche Prise Koordination. Gemeinsam bilden die Spieler Ketten, schwingen sich über Abgründe oder werfen sich dank der simulierten Physik gegenseitig in Richtung der nächsten Plattform. Geht der Plan schief, landet im Zweifelsfall gleich die gesamte Gruppe im Abgrund. Scheitern gehört dabei ausdrücklich zum Konzept.

Denn nicht nur das gemeinsame Vorankommen steht im Mittelpunkt, viel wichtiger ist eigentlich, wie lange es dauert, bis die mühselig geplante Zusammenarbeit im völligen Chaos endet. Aber keine Sorge: Wer abstürzt oder einem der zahlreichen Hindernisse zum Opfer fällt, steigt schnell wieder ein. Nach längeren erfolglosen Versuchen bietet das Spiel außerdem zusätzliche Unterstützung an. Dadurch bleibt das Tempo hoch und ein misslungener Versuch kostet kaum mehr als ein paar Sekunden.

Rund 60 Level mit unterschiedlichen Ideen

Statt die grundlegende Klettermechanik einfach über Stunden zu wiederholen, verteilt „Heave Ho 2“ seine rund 60 Level auf acht unterschiedlich gestaltete Welten. Diese unterscheiden sich nicht nur optisch, sondern setzen teilweise eigene spielerische Schwerpunkte.

Während zunächst noch vergleichsweise klassische Kletterpassagen zwischen Eis, Gondeln und anderen Hindernissen warten, müssen später beispielsweise Schlüssel gesucht, Gegenstände richtig angeordnet oder Aufgaben in einer Küche bewältigt werden. Auch ein Ausflug in die Schwerelosigkeit gehört zum Programm.

Damit entwickelt „Heave Ho 2“ aus seinem sehr überschaubaren Grundprinzip erstaunlich viele unterschiedliche Situationen. Bei Aufgaben, die besonders präzise Bewegungen verlangen, kann sich die bewusst eigenwillige Steuerung allerdings gelegentlich selbst im Weg stehen.

Zusätzliche Aufgaben erweitern die einzelnen Level über das bloße Erreichen des Ausgangs hinaus. Versteckte Objekte, Zeitvorgaben und andere optionale Ziele laden dazu ein, bereits absolvierte Abschnitte erneut anzugehen. Dafür werden unter anderem kosmetische Inhalte und verschiedene Hilfsmittel freigeschaltet. Zu den verfügbaren Charakteren gehören zudem einige bekannte Gastauftritte aus anderen Spielen.

Gemeinsam auf der Couch oder über das Internet

Eine wichtige Einschränkung sollte vor dem Kauf allerdings bekannt sein: „Heave Ho 2“ ist ein reines Multiplayer-Spiel. Mindestens zwei Personen müssen sich ins Abenteuer stürzen, maximal sind vier Teilnehmer möglich. Ein klassischer Einzelspielermodus wird nicht angeboten.

Dafür beseitigt der zweite Teil eine wesentliche Einschränkung seines Vorgängers. Neben dem lokalen Multiplayer können die Level nun auch online gemeinsam gespielt werden. Damit ist nicht länger zwingend eine komplette Spielrunde vor demselben Bildschirm erforderlich.

Zusätzlich zur umfangreicheren Koop-Kampagne steht der Showdown-Modus bereit. Hier wird aus der Zusammenarbeit ein Wettbewerb und die Teilnehmer treten einzeln oder in Teams gegeneinander an. Drei grundlegende Disziplinen stehen dafür zur Verfügung: ein Rennen zum Ziel, ein Überlebenskampf und der Wettstreit darum, einen bestimmten Griff zuerst zu erreichen. Als Ergänzung ist das durchaus nett, gegenüber den zahlreichen Ideen der eigentlichen Kampagne wirkt Showdown allerdings deutlich überschaubarer.

Auf der Nintendo Switch 2 präsentiert sich das Indiegame technisch angenehm problemlos. Die bewusst schlichte und farbenfrohe Optik passt zum chaotischen Geschehen und sorgt dafür, dass Figuren und wichtige Spielelemente gut auseinanderzuhalten sind. Ebenso passend fällt die akustische Begleitung mit ihren zahlreichen albernen Geräuschen aus.

Fazit

„Heave Ho 2“ ist eines dieser vermeintlich simplen Spiele, deren grundlegendes Konzept innerhalb weniger Augenblicke verstanden ist und die ihre eigentliche Herausforderung anschließend aus dem Zusammenspiel ihrer Mechaniken entwickeln. Greifen, schwingen, festhalten und im richtigen Moment wieder loslassen – mehr braucht es grundsätzlich nicht.

Dass dieses Prinzip trotzdem nicht bereits nach kurzer Zeit ausgereizt wirkt, liegt vor allem an den acht unterschiedlichen Welten und ihren zahlreichen Variationen. Nicht jede Aufgabe harmoniert perfekt mit der bewusst etwas ungelenken Physiksteuerung, insgesamt steckt in den rund 60 Leveln aber eine beachtliche Menge Abwechslung. Optionale Herausforderungen und freischaltbare Inhalte liefern zusätzliches Koop-Futter.

Der neue Online-Multiplayer beseitigt nun zwar einen der größten Kritikpunkte des Vorgängers, schade ist allerdings, dass Le Cartel im Gegenzug vollständig auf einen Solomodus verzichtet. Auch der kompetitive Showdown ist eine nette Dreingabe, kann hinsichtlich seines Umfangs aber nicht mit der eigentlichen Kampagne mithalten.

Angesichts eines Preises von lediglich 9,99 Euro fällt das Gesamtpaket dennoch bemerkenswert umfangreich aus. Wer regelmäßig gemeinsam mit Freunden oder der Familie spielt und etwas mit bewusst chaotischen Physikspielen anfangen kann, bekommt hier einen ebenso ungewöhnlichen wie umfangreichen Koop-Titel zum kleinen Preis.

Heave Ho 2 ist für Nintendo Switch 2, Nintendo Switch und PC erhältlich.