Dune: Awakening ist kein völlig neues Spiel. Bereits 2025 schickte Funcom PC-Spieler auf den Wüstenplaneten Arrakis und verband Survival, Crafting und Basenbau mit einer persistenten Onlinewelt. Für die Konsolenpremiere auf PlayStation 5 und Xbox Series X/S hat der Entwickler allerdings weit mehr getan, als das bestehende Spiel auf zwei weitere Plattformen zu portieren.
Die neue Version startet nicht nur mit zahlreichen Updates und Überarbeitungen, sondern lässt sich nun auch komplett allein spielen. Der neue Singleplayer macht aus dem ursprünglich als Multiplayer-Erfahrung konzipierten Survival-Abenteuer zwar immer noch kein klassisches Solo-Rollenspiel. Er verändert das Spielgefühl von Funcoms Arrakis-Interpretation aber deutlich.

Ein Arrakis ohne Paul Atreides
Dune: Awakening erzählt nicht einfach die Geschichte der Bücher oder der Filme nach. Funcom bedient sich stattdessen einer alternativen Zeitlinie, in der Paul Atreides nie geboren wurde. Seine Abwesenheit verändert die Machtverhältnisse auf Arrakis und gibt dem Spiel genügend Freiraum für eine eigene Geschichte.
Bevor wir uns in diese stürzen, steht allerdings ein Besuch im potenten Charaktereditor an. Gesicht, Körper und zahlreiche Details lassen sich ausführlich anpassen. Hinzu kommen Herkunft und Ausbildung, über die wir erste spielerische Schwerpunkte setzen. Schwertmeister fühlen sich erwartungsgemäß im Nahkampf wohl, während Bene Gesserit auf besondere Fähigkeiten zurückgreifen. Später lassen sich auch Fertigkeiten anderer Disziplinen erlernen, sodass die anfängliche Entscheidung unseren weiteren Weg nicht schon vom Start weg festlegt.
Nach einem Absturz beginnt schließlich das eigentliche Überleben. Und Dune: Awakening macht schnell deutlich, dass der größte Gegner auf Arrakis weder Harkonnen noch irgendwelche Söldner sind. Es ist der Planet selbst.

Durst ist erst der Anfang
Wasser ist knapp, die Sonne erbarmungslos und offener Sand eine denkbar schlechte Stelle für längere Spaziergänge. Anfangs suchen wir Schatten, sammeln Feuchtigkeit und behalten ständig unseren Wasservorrat im Auge. Später wird das System etwas makabrer: Besiegten Gegnern lässt sich Blut abzapfen, das anschließend zu Trinkwasser aufbereitet wird.
Dazu kommen die berühmtesten Bewohner von Arrakis. Wer längere Strecken über offenen Sand zurücklegt, lockt irgendwann einen Sandwurm an. Das Spiel kündigt die drohende Gefahr unter anderem über den DualSense an und erzeugt damit schon früh einige herrlich unangenehme Momente, die dem Sprint zum nächsten rettenden Felsen eine eindrückliche Spannung verleihen.
Die lebensfeindliche Umgebung der Vorlage eignet sich entsprechend gut für ein Spiel dieses Genres, da sich typische Genrestandards organisch in das Dune-Universum einfügen und Survival-Regeln auf Arrakis keine umständliche Erklärung benötigen. Natürlich ist Wasser ein Problem. Natürlich wird die Sonne zur Gefahr. Und natürlich überlegt man sich zweimal, ob der direkte Weg über eine riesige Sandfläche wirklich eine gute Idee ist.

Vor diesem Hintergrund bedient Dune: Awakening ferner das komplette Survival-Programm. Ressourcen werden gesammelt, Werkzeuge hergestellt, Technologien erforscht und eine eigene Basis hochgezogen. Neue Maschinen wiederum ermöglichen bessere Ausrüstung, mit der weitere Gebiete und wertvollere Rohstoffe erreichbar werden. Das ist umfangreich, aber nicht immer elegant präsentiert. Besonders die Menüs haben auf der PS5 ihre Tücken.
Im Crafting-Menü reicht es beispielsweise nicht, lediglich zum nächsten Rezept zu scrollen und dieses damit hervorzuheben. Der Eintrag muss anschließend noch explizit angeklickt werden. Wer das übersieht, produziert schnell noch einmal den zuvor markierten Gegenstand und hat anstelle der erhofften Ausrüstung plötzlich sieben Ferngläser oder sechsmal die gleiche Hose im Rucksack. Uns ist das gleich mehrfach passiert.
Auch an anderer Stelle merkt man Dune: Awakening seine PC-Herkunft an. Inventar, Forschungsbäume und Herstellungssysteme packen jede Menge Informationen in verschachtelte Oberflächen. Mit Maus und Tastatur mag das übersichtlicher funktionieren, mit dem Controller braucht es Eingewöhnung.

Vom Fußgänger zum Wüstenpiloten
Dass sich die anfängliche Mühsal trotzdem auszahlen kann, liegt an einem cleveren Progressionssystem. Dune: Awakening beginnt bewusst langsam. Anfangs werden noch kleine Mengen Wasser zusammengekratzt und Ressourcen zu Fuß transportiert. Mit neuen Technologien verändert sich der Aktionsradius jedoch zunehmend.
Besonders deutlich wird das an den Fahrzeugen. Anfängliche Gewaltmärsche lassen sich motorisiert alsbald deutlich komfortabler bewältigen. Mit dem Ornithopter verändert sich schließlich noch einmal grundlegend, wie wir die riesige Spielwelt wahrnehmen und bereisen. Fortschritt bedeutet in Dune: Awakening deshalb nicht nur bessere Ausrüstung und höhere Werte. Nach und nach verlieren auch Probleme ihren Schrecken, die wenige Stunden zuvor noch den gesamten Tagesablauf bestimmt haben.
Gleichzeitig hat Funcom einige Altlasten des ursprünglichen Systems beseitigt. So fällt etwa die frühere Steuer für den Unterhalt einer Basis weg. Gebäude lassen sich zudem sichern und an anderer Stelle wieder errichten, während Änderungen am Transport den Umgang mit großen Mengen Material erleichtern. Das sind keine spektakulären, aber durchaus sinnvollen Neuerungen, die dem Spieler im Wüsten-Alltag einiges an Verwaltungsarbeit abnehmen.

Der neue Singleplayer geht noch einen Schritt weiter. Zahlreiche Parameter lassen sich an die eigenen Vorstellungen anpassen. Ressourcenmengen, Erfahrungspunkte, Crafting-Zeiten, Gegner und ganze Aspekte des Survival-Drucks können verändert werden. Wer Arrakis möglichst erbarmungslos erleben möchte, darf das weiterhin tun. Wer vor allem erkunden, bauen und der Geschichte folgen möchte, kann sich das Leben aber auch erheblich leichter machen.
Das ist mehr als ein nachträglich eingebauter Offline-Schalter. Funcom hat verschiedene Systeme angepasst, damit die Inhalte tatsächlich allein bewältigt werden können. Allerdings sollte man im Kopf behalten, dass Single- und Multiplayer strikt voneinander getrennt bleiben. Ein im Solomodus aufgebauter Charakter lässt sich nicht auf die offiziellen Multiplayer-Server übertragen.
Viel Wüste, wenig Abwechslung
Ein nachträglich aufgesetzter Singleplayer-Modus erweist sich oft als vorgeschaltetes Trainingslager für die Onlinewelt. Das lässt sich der Solokampagne von Dune: Awakening zwar nicht vorwerfen, ein neues Spiel hat Funcom aber nicht gebaut. Vielmehr wurden die vorhandenen Systeme so angepasst, dass Arrakis auch als Einzelgänger bewältigt werden kann. Die Handlung liefert dabei einen roten Faden und führt tiefer in die alternative Geschichte von Arrakis, steht aber klar hinter den Survival- und Crafting-Systemen zurück.

Das zeigt sich besonders bei der Missionsstruktur. Statt einer dicht inszenierten Solokampagne bestimmen über weite Strecken eher zweckmäßige Aufträge den Alltag, die vor allem dazu dienen, die Tretmühle in Bewegung zu halten: Materialien werden benötigt, Vorräte müssen aufgefüllt, Orte durchsucht oder Gegner beseitigt werden. Prüfungen mit Rätseln, Kletter- und Geschicklichkeitspassagen sorgen hier und da für Abwechslung, eigene kleine Geschichten, überraschende Wendungen oder aufwendigere Inszenierungen bleiben jedoch aus.
Entsprechend repetitiv gerät dann auch irgendwann die Erkundung. Die gigantische Wüste ist zunächst schon aufgrund ihrer Dimensionen faszinierend, verliert mit der Zeit aber etwas von ihrem Geheimnis. Lager, Höhlen, Rohstoffe und Gegner tauchen in ähnlichen Konstellationen immer wieder auf. Je besser wir die Systeme verstehen, desto häufiger wird aus einer gefährlichen Expedition deshalb eine kalkulierbare Routine.
Natürlich ist diese Struktur im Genre begründet, im Solomodus fällt sie aber zwangsläufig negativer ins Gewicht. Wo im Multiplayer zumindest die Aktivitäten anderer Menschen für unerwartete Spannungsspitzen im Spielablauf sorgen können, muss die Einzelspielerwelt allein von den vorhandenen Inhalten getragen werden. Und die schaffen es nicht immer, die enorme Fläche von Arrakis mit Leben und Abwechslung zu füllen.

Und auch die Kämpfe gehören nicht zu den großen Stärken. Dune: Awakening verbindet Schusswaffen und Nahkampf mit Spezialfähigkeiten und dem aus der Vorlage bekannten Konzept persönlicher Schilde. Das ermöglicht verschiedene Herangehensweisen, fühlt sich aber weniger präzise und dynamisch an als in einem ausgewiesenen Actionspiel. Dazu kommt eine Gegner-KI, die der spielerischen Vielfalt nicht immer gewachsen ist.
Die Controllerbelegung macht Gefechte ebenfalls nicht unbedingt einfacher. Mehrere Fähigkeiten müssen durchgeschaltet werden, während gleichzeitig ausgewichen, pariert, gezielt und angegriffen werden soll – pausiert wird in den Menüs nicht. Adaptive Trigger und haptisches Feedback des DualSense werden dagegen sinnvoll eingesetzt und verleihen Waffen, Umgebung und insbesondere herannahenden Sandwürmern zusätzliche Präsenz.
Schöner Sandkasten auf der PS5
Technisch hinterlässt die PS5-Version schon in der von uns gespielten Vorabversion einen guten Eindruck. Besonders der Performance-Modus überzeugt mit seiner höheren Bildrate und einem entsprechend flüssigen Spielgefühl. Im Gegenzug bietet der Qualitätsmodus schärfere Texturen und eine aufwendigere Beleuchtung – man kennt das.

Das eigentliche Highlight bleibt aber ohnehin Arrakis, und das sieht hüben wie drüben großartig aus. Das liegt sowohl an der Technik als auch daran, dass es Funcom hervorragend gelingt, die Dimensionen des Wüstenplaneten glaubwürdig zu vermitteln. Riesige Felsformationen ragen aus den Dünen, Staub zieht durch die Landschaft und in der Ferne verschwimmen Strukturen in der flirrenden Hitze. In Verbindung mit den beeindruckenden Sichtweiten, atmosphärischen Umgebungsgeräuschen und der steten Angst vor dem nahenden Sandwurm entsteht so eine Atmosphäre, die ebenso bedrohlich wie faszinierend ist.
Leider hinterlassen die Figurenmodelle weniger Eindruck. Während Arrakis bereits in den ersten Minuten zu beeindrucken weiß, wirken Gesichter und Animationen sichtbar weniger aufwendig. Gerade in Zwischensequenzen entsteht dadurch ein deutlicher Kontrast zwischen imposanter Umgebung und eher mittelprächtigen Charakteren.

Fazit
Wer erst auf der PS5 nach Arrakis reist, steigt zu einem günstigen Zeitpunkt ein. Funcom hat das ursprüngliche Spiel in den vergangenen Monaten an vielen Stellen umgebaut, lästige Survival-Hürden entschärft und einen vollwertigen Modus für Einzelgänger ergänzt, der beim PC-Start noch vermisst wurde. Damit ist Dune: Awakening auf der PS5 weit mehr als nur ein verspäteter Port.
Der neue Solomodus funktioniert als eigenständige Alternative, macht aber gleichzeitig deutlich, dass dieses Arrakis darauf ausgelegt ist, von mehr als nur einem Überlebenden bewohnt zu werden. Dune: Awakening bleibt ein Survival-Spiel, in dem Sammeln, Herstellen, Forschen und Bauen einen erheblichen Teil der Spielzeit bestimmen. Die eindrucksvolle Welt, spürbare technologische Entwicklung und enorme Freiheit stehen dementsprechend einer genrebedingt repetitiven Missionsstruktur, auf Konsole umständlich zu bedienenden Menüs und eher zweckmäßigen Kämpfen gegenüber.
Wer mit dieser Schleife grundsätzlich wenig anfangen kann und stattdessen auf ein aufwendig erzähltes Solo-Abenteuer im Dune-Universum gehofft hat, wird hier also nicht fündig. Genre-Fans bekommen dagegen einen im wahrsten Sinne des Wortes gewaltigen Sandkasten, dessen Survival-Systeme verdammt gut mit der Vorlage harmonieren und die bedrohlich-faszinierende Atmosphäre des Universums entsprechend gut einfangen.
Dune: Awakening ist bereits für PC erhältlich. Die Versionen für PlayStation 5 und Xbox Series X/S erscheinen am 22.09.2026.
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