Mehr als zwei Jahrzehnte nach der Entstehung von „Kill Bill“ taucht nun endlich ein Kapitel aus Quentin Tarantinos ursprünglichem Skript auf, das lange Zeit wie ein Mythos behandelt wurde. Damals musste der Regisseur eine Sequenz streichen, die in puncto Tempo, Gewalt und abgedrehten Ideen locker mit dem restlichen Chaos des „Kill Bill“-Rache-Epos mithalten konnte.
Dieses fehlende Stück trägt den Titel „Yuki's Revenge“, im Deutschen „Yukis Rache“, und war im Drehbuch als fünftes Kapitel angelegt. Im ursprünglichen Ablauf setzt die Handlung genau nach dem ikonischen Gemetzel im „Showdown im Haus der Blauen Blätter“ ein. Dort hat die Braut O-Ren Ishii, die berüchtigten Verrückten 88 sowie die tödliche Schuluniform-Trägerin Gogo Yubari ausgeschaltet.
Zurück in Los Angeles sollte sie jedoch sofort wieder in Schwierigkeiten geraten. Yuki, Gogos ältere Schwester, verfolgt sie mit unbeirrbarer Entschlossenheit. Im Drehbuch verwandelt sich diese Begegnung in eine rasant eskalierende Jagd, bei der Yuki weder Rücksicht noch Pausen kennt. Granaten fliegen, Vorgärten werden zu Schlachtfeldern, und selbst ein direkter Treffer mitten in die Brust hält Yuki dank einer Droge nicht davon ab, weiterzumachen.
Die Braut kommt in dieser Fassung schwer gezeichnet davon. Erst Krankenschwester Owens kümmert sich später um die Kugeln, die sich im Körper der Kämpferin sammeln. Dass diese Szene nun doch erscheint, liegt an einem Projekt, das wohl kaum jemand erwartet hätte. Epic hat bekanntgegeben, dass man gemeinsam mit Quentin Tarantino und der hauseigenen Technik aus dem Videospielhit „Fortnite“ die nie gedrehte Passage animiert hat.
Für „Das verlorene Kapitel: Yukis Rache“ leiht Uma Thurman erneut der Braut ihre Stimme. Nordamerika und Großbritannien bekommen zusätzlich ein Kino-Extra.
Dort startet ab dem 5. Dezember 2025 „Kill Bill: The Whole Bloody Affair“, eine Fassung, die Tarantino ursprünglich als endgültige Version konzipierte. In ausgewählten Sälen läuft „Yukis Rache“ vor dieser Langfassung auf der großen Leinwand. Für Deutschland gibt es dagegen weiterhin keine bestätigten Pläne für einen Kinostart von „Kill Bill: The Whole Bloody Affair“, und damit auch keine Garantie, dass „Yukis Rache“ überhaupt regulär im Kino landet.
Wer dennoch nichts verpassen will, findet in „Fortnite“ immerhin eine frei zugängliche Möglichkeit. Die Installation und Anmeldung sind übrigens kostenlos. Warum das Kapitel damals verschwand, wird unterschiedlich erklärt. Häufig heißt es, Tarantino habe früh gemerkt, dass sein Projekt Überlänge bekommen würde. Außerdem lag „Yukis Rache“ genau an der Schnittstelle der heutigen Zweiteilung und passte weder als Schlussmoment von „Kill Bill Vol. 1“ noch als Einstieg in „Kill Bill Vol. 2“.
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