Manchmal ist es genau das Unwahrscheinlichste, das einen am Ende am meisten überrascht. Wer hätte ernsthaft gedacht, dass ausgerechnet „Anaconda“ – 1997 eher ein Guilty Pleasure als ein gefeierter Blockbuster – fast drei Jahrzehnte später ein Comeback hinlegt, das tatsächlich funktioniert? Und nicht nur das, denn das Reboot macht richtig Laune! Gute Nachrichten also für alle, die den Film verpasst haben oder ihn einfach nochmal in Ruhe genießen wollen. Denn „Anaconda“ ist jetzt für das Heimkino auf DVD und Blu-ray erhältlich.

Zwei Freunde, ein Traum, eine sehr große Schlange

Doug und Griff kennen sich ihr Leben lang. Seit ihrer Kindheit teilen sie eine Leidenschaft. Nämlich den Originalfilm „Anaconda“ aus den 90ern. Als beide spüren, dass die Lebensmitte näher rückt und die großen Träume irgendwo auf der Strecke geblieben sind, beschließen sie, es endlich anzugehen. Ihr Plan: ein Reboot von „Anaconda“ drehen! Selbst. Mit eigener Crew. Tief im Amazonas.

Was dabei herauskommt, ist zunächst ein chaotischer, liebevoller Filmdreh mit begrenztem Budget und grenzenlosem Enthusiasmus. Doch dann wird aus dem Spaßprojekt blutiger Ernst, buchstäblich. Eine echte Riesenschlange taucht am Set auf und hat offensichtlich keine Lust, Statist zu spielen. Ab diesem Moment entwickelt sich die Geschichte von einer schiefen Buddy-Komödie zu einem echten Creature-Feature, das durchaus Spannung erzeugt.

Regie führte Tom Gormican, der bereits mit „The Unbearable Weight of Massive Talent“ bewiesen hat, dass er mit Meta-Humor und Storys, die sich selbst auf die Schippe nehmen umgehen kann. Das Drehbuch schrieb er gemeinsam mit Kevin Etten. In den Hauptrollen dazu zwei echte Superstars mit Jack Black und Paul Rudd.

Warum das hier mehr ist als reines Popcornkino

Das Herzstück von „Anaconda“ ist die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern. Paul Rudd spielt Griff als jemanden, der eigentlich immer einen Plan hat. Zumindest bis die Realität diesen Plan gründlich zertrümmert. Er hält die Dinge zusammen, solange er kann, und das macht die Figur trotz allem sympathisch. Jack Black dagegen dreht in der Rolle des Doug vollständig auf. Mitreißend, unberechenbar, mit einem komödiantischen Timing, das einen Saal allein füllen könnte.

Zusammen funktionieren die beiden so gut, weil sie sich gegenseitig Raum lassen. Das wirkt nie wie zwei Stars, die um Aufmerksamkeit kämpfen, sondern wie zwei Leute, die tatsächlich seit Jahren befreundet sind. Dazu kommt der Meta-Ansatz des Films, der wirklich clever umgesetzt wurde. Die Geschichte spielt in einer Welt, in der der Originalfilm von 1997 existiert und die beiden Figuren sind Fans davon.

Das gibt dem Film die Möglichkeit, sich selbst auf die Schippe zu nehmen, ohne dabei zynisch oder selbstgefällig zu werden. Die Anspielungen auf das Original wirken liebevoll, nicht herablassend.

Dschungel, CGI und echtes Tempo

Auch visuell ist „Anaconda“ eine angenehme Überraschung. Die Dschungelkulissen sind gut gewählt und geben dem ganzen Treiben eine glaubwürdige Atmosphäre. Die CGI-Schlange hält sich im Gleichgewicht und ist bedrohlich genug, um die Spannung aufrechtzuerhalten, aber nie so übermäßig ernst inszeniert, dass der Humor verloren geht. Gerade im letzten Drittel zieht das Tempo deutlich an. Die Actionsequenzen sind besser choreografiert, als man es vielleicht erwarten würde, und tatsächlich packend.

Was aber wirklich zählt ist, dass dieser Film keine Ambitionen hat, die er nicht einlöst. Er will unterhalten, zum Lachen bringen und dabei eine gute Zeit bereiten. Das gelingt ihm konsequent. Die Nebenrollen sind solide besetzt und sorgen dafür, dass der Cast nicht wie Staffage wirkt, sondern wie echte Figuren mit eigenen Momenten.

Lohnt sich der Abend auf der Couch?

„Anaconda“ ist kein Film, der die Welt verändert. Aber er ist einer, bei dem man nach zwei Stunden aufsteht und denkt, ja, das hat Spaß gemacht. Echten Spaß. Jack Black und Paul Rudd tragen den Film mit einer Spielfreude, die sich überträgt, und Gormican versteht es, das Konzept nicht zu überdehnen. Wer Lust auf eine Komödie hat, die auch spannend ist, oder auf ein Creature-Feature, das auch lustig ist, der ist hier gut aufgehoben. Als Heimkino-Abend, allein oder in Gesellschaft, ist das eine absolut verlässliche Wahl!

„Anaconda“ (Sony Pictures Entertainment) VÖ: 19. Mrz 25