Es gibt Filme, die man am besten dann schaut, wenn man eigentlich gar keine Zeit dafür hat, mitten in der Nacht, Vorhänge zu, Lautstärke runter. „Silent Night, Deadly Night“ ist so ein Film. Das Reboot des gleichnamigen Horrorklassikers aus den 80ern ist jetzt auf DVD und Blu-ray erhältlich, und wer auch nur ein kleines Faible für knallharten Slasher-Horror hat, sollte genau hier weiterlesen.

Was passiert da eigentlich?

Billy hatte keine leichte Kindheit. Als kleiner Junge wurde er Zeuge, wie seine Eltern von jemandem getötet wurden, der ein Weihnachtsmann-Kostüm trug. Jahre später hat sich dieses Trauma tief in ihn eingefressen. So tief, dass Billy beschlossen hat, selbst die Rolle zu übernehmen. Nicht die des fröhlichen Gabenbringers, sondern die des Rächers im roten Mantel.

In einer verschlafenen Kleinstadt zieht er eine blutige Spur, und sein Prinzip ist dabei erschreckend simpel. Wer Böses getan hat, wird zur Rechenschaft gezogen. Regisseur Mike P. Nelson, der Genrefreunden durch „Wrong Turn“ bekannt sein dürfte, hat hier gemeinsam mit den Machern hinter „Terrifier 2“ und „Terrifier 3“ etwas auf die Beine gestellt, das man so nicht erwartet hätte.

Der besondere Slasher

Gelungen ist zunächst mal der Twist. Das Original von 1984 war ein geradliniger Slasher. Also von wegen gestörter Typ tötet Leute … fertig. Das Reboot hingegen gibt Billy eine Motivation, die tatsächlich funktioniert. Er ist kein Irrer ohne Hintergrund. Er ist jemand, dem Unrecht widerfahren ist und der nun auf seine ganz eigene, blutige Art antwortet. Das verleiht der Geschichte eine Ebene, die man bei diesem Genre nicht immer bekommt.

Wenn die Opfer nicht zufällig ausgewählt werden, sondern verdient haben, was kommt, dann schaut man anders hin. Mitunter ertappt man sich dabei, mehr auf Billys Seite zu sein, als einem lieb sein sollte. Hauptdarsteller Rohan Campbell trägt den Film dabei souverän. Er schafft es, Billy glaubwürdig zu machen. Also weder völlig unsympathisch noch jemanden, dem man blind vertrauen würde. Dieser Zweispalt funktioniert, weil Campbell sie nicht überspielt.

„Silent Night, Deadly Night“ überzeugt

Handwerklich ist „Silent Night, Deadly Night“ richtig gut. Die Atmosphäre in der kleinen Stadt, die Kulissen und das gesamte Setting fühlen sich stimmig an. Eben nicht nach Studiokulisse, sondern nach einem echten Ort, an dem echte Menschen leben. Das gibt dem Horror eine Erdung, die viele vergleichbare Produktionen vermissen lassen. Die praktischen Effekte verdienen hierbei besondere Erwähnung.

Gore, der funktioniert, ist eine Kunst für sich. Hier wirkt nichts billig oder hastig hingeklatscht. Nein, die Kills sind kreativ inszeniert, die Maskenarbeit ist sauber ausgeführt, und auf Blu-ray kommen all diese Details mit einer Bildqualität zur Geltung, die jeden Cent der Anschaffung rechtfertigt. Zudem entwickelt der Film einen eigenen Rhythmus. Er hetzt nicht, aber er lässt einem auch keine Verschnaufpause. Das Drehbuch legt eine Struktur zugrunde, die neugierig hält und bietet am Ende sogar Raum für eine mögliche Fortsetzung.

Alles in allem ist „Silent Night, Deadly Night“ kein Slasher, der versucht, mehr zu sein als er ist. Aber er ist sehr gut in dem, was er sein will. Das Reboot übertrifft das Original in mehreren Punkten, allen voran in der Schärfe der Geschichte und der Qualität der Effekte. Wer Horror mag, der nicht nur schreckt, sondern auch eine nachvollziehbare innere Logik mitbringt, bekommt hier ein ordentliches Paket. Für Fans des Genres also eine klare Kaufempfehlung!

„Silent Night, Deadly Night“ (STUDIOCANAL) VÖ: 26. Mrz 26