Zwölf Staffeln sind für eine Crime-Serie schon eine Ansage. Noch bemerkenswerter ist allerdings, wenn nach so vielen Jahren nicht langsam die Luft raus ist, sondern die Schrauben wieder angezogen werden. Genau das macht „Chicago P.D.“ in Staffel 12 und erinnert dabei angenehm daran, warum Hank Voight und seine Intelligence Unit seit über einem Jahrzehnt durch die Straßen der Windy City ziehen.
Es wird düster, persönlich und natürlich bekommt es das Team wieder mit reichlich unangenehmen Zeitgenossen zu tun. Nun ist die komplette zwölfte Staffel mit allen 22 Episoden auch fürs Heimkino auf DVD erschienen. Viel Zeit zum Durchatmen bekommt Hank Voight (Jason Beghe) nach den Ereignissen der vorherigen Staffel nicht.
Voight hat noch lange nicht genug
Gerade einmal einen Monat nach seinen traumatischen Erlebnissen ist der Sergeant wieder mit seiner Intelligence Unit unterwegs und bekommt es zunächst mit einer großangelegten Drogenrazzia zu tun. Doch die üblichen Verbrecher auf Chicagos Straßen sind diesmal längst nicht das einzige Problem. Mit Chief Reed bekommt die Einheit einen mächtigen Gegenspieler aus den eigenen Reihen, der Voight und seinem Team ordentlich zusetzt.
Als schließlich sogar die Zukunft der Intelligence Unit auf dem Spiel steht, nimmt Staffel 12 zunehmend Züge eines Thrillers an. Frischen Wind bringt außerdem Officer Kiana Cook (Toya Turner), die als neues Mitglied zur Truppe stößt. Gleichzeitig bleiben mit Adam Ruzek (Patrick John Flueger), Kevin Atwater (LaRoyce Hawkins), Dante Torres (Benjamin Levy Aguilar) und natürlich Trudy Platt (Amy Morton) genügend alte Bekannte an Bord.
Gerade diese Mischung gehört weiterhin zu den großen Stärken von „Chicago P.D.“. Nach zwölf Staffeln funktionieren die Charaktere längst nicht mehr nur als Ermittler für den jeweiligen Fall der Woche. Private Probleme, Beziehungen und alte Wunden begleiten sie ebenso selbstverständlich wie Mord, Drogenhandel und die nächste Katastrophe auf Chicagos Straßen.
Schön dreckig statt weichgespült
Vor allem Hank Voight darf in Staffel 12 wieder verstärkt der Hank Voight sein, wegen dem die Serie überhaupt ihren ganz eigenen Charakter entwickelt hat. Knurrig, unbequem und mit Methoden unterwegs, die in einem Polizeihandbuch vermutlich eher selten empfohlen werden. Jason Beghe beherrscht diese Rolle inzwischen im Schlaf. Die Staffel schlägt insgesamt wieder einen härteren und kompromissloseren Ton an, während der Konflikt innerhalb des Departments für einen gelungenen roten Faden sorgt.
Daneben bleiben die einzelnen Fälle abwechslungsreich genug, damit zwischen persönlichen Problemen und internen Machtkämpfen auch die klassische Polizeiarbeit nicht zu kurz kommt. Dass „Chicago P.D.“ dabei nicht permanent auf die düstere Stimmung drückt, tut der Staffel ebenfalls gut. Besonders Ruzek und Burgess sorgen für die emotionalere Seite der Geschichte, ohne dass daraus plötzlich eine andere Serie wird.
Diese Mischung aus harten Fällen, einem eingespielten Cast und Figuren, die einem über die Jahre tatsächlich ans Herz gewachsen sind, hebt das „Chicago Fire“-Spin-off weiterhin aus der riesigen Masse an Crime-Serien heraus. Wer schon elf Staffeln mit Voight durch Chicago gezogen ist, bekommt hier jedenfalls reichlich von dem geboten, was die Serie ursprünglich so stark gemacht hat.
Voight bleibt Voight
Nach zwölf Staffeln erfindet „Chicago P.D.“ das Polizeidrama natürlich nicht plötzlich neu. Das muss die Serie aber auch gar nicht. Stattdessen besinnt sich Staffel 12 auf ihre Stärken, lässt Voight wieder etwas mehr von der Leine und verbindet die Fälle mit einem Konflikt, der die gesamte Intelligence Unit betrifft. Dazu kommen persönliche Geschichten, ein neuer Charakter und einige emotionale Momente für langjährige Fans. Auf den fünf DVDs befinden sich alle 22 Episoden sowie als Bonus die zugehörigen Crossover-Episoden aus „Chicago Fire“ Staffel 13 und „Chicago Med“ Staffel 10. Wer seine Crime-Serien lieber mit etwas mehr Dreck unter den Fingernägeln mag, bekommt damit eine weitere starke Runde aus dem District 21.
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