Robin Hood? Da denkt man eigentlich an Pfeil und Bogen, Sherwood Forest und einen charmanten Gesetzlosen, der den Reichen nimmt und den Armen gibt. Michael Sarnoski kann mit dieser romantischen Vorstellung allerdings herzlich wenig anfangen. In „The Death of Robin Hood“ ist aus der berühmten Legende ein alter, müder Mann geworden, dessen Vergangenheit vor allem aus Gewalt, Mord und reichlich Schuld besteht.
Hugh Jackman darf den grünen Strahlemann deshalb gleich komplett zu Hause lassen. Das Ergebnis ist düster, überraschend brutal und vor allem deutlich ruhiger, als es der Beginn zunächst vermuten lässt. Inzwischen ist „The Death of Robin Hood“ auch fürs Heimkino auf Blu-ray und DVD erschienen.
Kein Held, keine Heldengeschichte
Nach einem Leben voller Verbrechen wird Robin Hood schwer verwundet und landet in der Obhut von Schwester Brigid (Jodie Comer). Viel Zeit scheint ihm nicht mehr zu bleiben, doch ausgerechnet jetzt bekommt er noch einmal die Gelegenheit, zumindest einen Teil seiner Vergangenheit geradezurücken. Sein ehemaliger Gefährte Little John (Bill Skarsgård) hat unter dem Namen Edward längst ein neues Leben begonnen.
Als alte Feinde ihn aufspüren und seine Familie entführen, macht sich Robin auf den Weg, um seinem früheren Freund ein letztes Mal zu helfen. Eine klassische Heldengeschichte wird daraus allerdings nicht. Sarnoski interessiert sich viel stärker für den Mann hinter der Legende und die Frage, was nach einem Leben voller Gewalt überhaupt noch von ihm übrig ist.
Sein Robin weiß selbst, dass die Geschichten über den edlen Räuber wenig mit der Wahrheit zu tun haben. Genau dieser Bruch mit dem bekannten Bild macht die Neuinterpretation so spannend. Statt die Figur nachträglich doch noch zum heimlichen Helden zu erklären, bleiben ihre Taten und deren Folgen stehen. Erlösung gibt es hier nicht einfach frei Haus.
Hugh Jackman trägt die Last der Legende
Dass dieser Ansatz funktioniert, liegt vor allem an Hugh Jackman. Sein Robin wirkt erschöpft, körperlich angeschlagen und so, als würde er die vergangenen Jahrzehnte bei jedem Schritt mit sich herumschleppen. Trotzdem bekommt die Figur genug Menschlichkeit, damit ihr Umgang mit Schuld nicht kaltlässt. Jodie Comer bildet als Schwester Brigid dazu den angenehm ruhigen Gegenpol und bringt etwas Wärme in die ansonsten ziemlich finstere Geschichte.
Auch Bill Skarsgård verabschiedet sich als Little John weit vom bekannten Bild des fröhlichen Gefährten. Optisch passt sich „The Death of Robin Hood“ dieser Richtung konsequent an. Blut, Schlamm, Nebel und trostlose Landschaften bestimmen das Bild, sehen dank Kameramann Pat Scola aber trotzdem immer wieder erstaunlich schön aus. Nach dem brutalen Auftakt nimmt der Film allerdings deutlich den Fuß vom Gas und setzt zunehmend auf Gespräche, Erinnerungen und stille Momente.
Robin Hood war auch schon mal besser drauf
Das passt zu Themen wie Schuld, Vergebung und Vergänglichkeit, kann sich zwischendurch aber durchaus ziehen. Manche Gedanken werden etwas häufiger bemüht als nötig und auch einige Nebenfiguren hätten mehr Platz verdient. Wer Hugh Jackman mit Pfeil und Bogen durch den Wald springen und reihenweise Bösewichte erledigen sehen möchte, dürfte hier deshalb eher falsch abgebogen sein. Michael Sarnoski erzählt lieber vom Ende einer Legende und von einem Mann, der feststellen muss, dass die schönen Geschichten über ihn wenig mit seinem tatsächlichen Leben zu tun haben.
Das braucht Geduld und funktioniert nicht in jeder ruhigen Passage gleich gut, wird aber von einem starken Cast und einer ebenso rauen wie sehenswerten Inszenierung getragen. Vor allem Jackman und Comer geben der Geschichte die emotionale Basis, die dieser ungewöhnliche Ansatz benötigt. Für Filmfans, die Robin Hood einmal ohne Heldenpose und romantische Verklärung erleben wollen, ist „The Death of Robin Hood“ damit eine ziemlich interessante Alternative zu den üblichen Abenteuern im Sherwood Forest.
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