Gelbe Tapeten, billige Büromöbel, flackernde Neonröhren und Flure, die einfach nicht aufhören wollen. Eigentlich klingt nichts davon besonders gruselig. Die „Backrooms“ haben daraus trotzdem eines der bekanntesten Internet-Horrorphänomene der vergangenen Jahre gemacht. Regisseur Kane Parsons, der mit gerade einmal 16 Jahren selbst entscheidend zum Hype beitrug, durfte seine verstörende Welt schließlich für A24 auf die große Leinwand bringen.
Herausgekommen ist dabei erfreulicherweise kein mit Jumpscares vollgestopfter Horrortrip, sondern ein überraschend psychologischer Film, der seine unangenehme Stimmung lieber langsam unter die Haut kriechen lässt. Nun ist „Backrooms“ auch auf DVD, Blu-ray und als UHD+BD Collector’s Edition fürs Heimkino erhältlich.
Bloß nicht falsch abbiegen
Im Mittelpunkt steht Clark (Chiwetel Ejiofor), der Besitzer eines heruntergekommenen Möbelgeschäfts. Als er im Keller seines Ladens eine unsichtbare Tür entdeckt, wird aus anfänglicher Neugier schnell eine regelrechte Besessenheit. Clark vertraut sich seiner Psychologin Dr. Mary Kline (Renate Reinsve) an, die ihm schließlich selbst durch die geheimnisvolle Tür folgt. Dahinter wartet eine Welt aus endlosen Räumen, monotonen Fluren und einer Normalität, die mit jedem weiteren Schritt unheimlicher wird.
Und irgendwo zwischen gelben Wänden und brummenden Neonlampen wird ziemlich schnell klar, dass die beiden dort nicht unbedingt allein sind. Genau diese Umgebung ist die größte Stärke von „Backrooms“. Parsons braucht keine finsteren Burgruinen oder Blutfontänen, um eine unangenehme Atmosphäre aufzubauen. Ein paar Möbel am falschen Platz reichen teilweise schon aus, während die zunächst noch vertraut wirkenden Räume zunehmend absurder werden.
Dabei entsteht tatsächlich das Gefühl, irgendwo aus der Realität herausgefallen zu sein und sich durch eine Welt zu bewegen, deren Regeln man schlicht nicht versteht. Wer Parsons’ ursprüngliche Found-Footage-Videos kennt, dürfte sich entsprechend schnell zu Hause fühlen Also, insofern man sich in den Backrooms überhaupt irgendwo zu Hause fühlen möchte.
Mehr Kopfkino als Monsterparty
Interessant ist dabei, dass „Backrooms“ seine bekannte Grundidee nicht einfach für zwei Stunden Monsterhatz ausschlachtet. Hinter den seltsamen Räumen steckt deutlich mehr psychologischer Horror. Besonders Dr. Mary Kline entwickelt sich dabei zu einem spannenden Charakter, während ihre Vergangenheit und ihr Verständnis des menschlichen Geistes immer stärker mit dem Geschehen innerhalb der Backrooms verbunden werden.
Renate Reinsve trägt diese ruhigeren Passagen hervorragend, während Chiwetel Ejiofor Clarks zunehmende Besessenheit glaubwürdig vermittelt. Das funktioniert vor allem dann gut, wenn „Backrooms“ seinen Figuren und der verstörenden Umgebung vertraut, statt unbedingt den nächsten großen Schock liefern zu wollen. Ganz ausschöpfen kann Parsons die Möglichkeiten seiner faszinierenden Spielwiese allerdings nicht.
Gerade im letzten Drittel verliert „Backrooms“ etwas von seinem anfänglichen Sog und einige Entwicklungen lassen sich früher erahnen, als es dem Film guttut. Dafür bleibt die Inszenierung bis zum Schluss sehenswert und zeigt, dass für effektiven Horror nicht zwangsläufig Unmengen an CGI notwendig sind. Gerade die praktische Wirkung der Räume und ihre immer seltsameren Variationen machen einen großen Teil des Reizes aus.
Im Heimkino weiter verlaufen
Wer mit dem Internetphänomen bisher überhaupt nichts anfangen konnte und einen geradlinigen Horrorfilm voller Action erwartet, könnte mit „Backrooms“ zunächst fremdeln. Wer sich dagegen auf langsamen psychologischen Horror, seltsame Räume und eine Geschichte einlassen kann, die lieber Fragen aufwirft als ständig Monster durchs Bild zu jagen, bekommt einen ungewöhnlichen Genretrip.
Für Fans von Parsons’ bisherigen Arbeiten ist der Kinofilm ohnehin spannend, weil dessen ursprüngliche Idee hier sichtbar weitergedacht wird. Die Heimkino-Veröffentlichungen bringen zudem Interviews, Audiokommentar und mehrere Beiträge zur Entstehung mit. Besonders interessant ist die Collector’s Edition. Neben UHD und Blu-ray, drei Artcards und einer beidseitigen O-Card befindet sich darauf mit der „Everything Must Go Edition“ auch eine erweiterte Fassung des Films.
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