Western-Stoffe erleben seit Jahren eine bemerkenswerte Renaissance. Internationale Produktionen wie „Yellowstone“, „1883“ oder „1923“ haben das Genre wiederbelebt und weit über klassische Revolverromantik hinausgeführt. Macht, Land, Ressourcen und Familie stehen dort im Zentrum. Genau in diese Kerbe schlägt auch eine deutsche Produktion – allerdings mit einem Schauplatz, der lange nicht als Western-Terrain wahrgenommen wurde.
Mit der sechsteiligen historischen Miniserie „Schwarzes Gold“ haben die Öffentlich-Rechtlichen ein Setting gewählt, das überrascht und gleichzeitig historisch fundiert ist. Statt Prärien und Saloonfassaden rückt der Norden Deutschlands in den Fokus. Genauer gesagt ein fiktives Dorf in der Lüneburger Heide, dessen Schicksal um 1900 vom Erdöl bestimmt wird.
Seit der Veröffentlichung am 22. Dezember 2025 entwickelt sich die Serie indes zu einem echten Streaming-Phänomen. In der ARD Mediathek wurden die sechs Episoden bereits mehr als 7,5 Millionen Mal abgerufen. Für eine historische Miniserie mit Western-Anleihen ist das eine Größenordnung, die zuletzt eher internationalen Prestigeprojekten vorbehalten war.
Öl, Macht und Familienkonflikte statt Revolverduelle
Der Erfolg wirkt umso bemerkenswerter, da deutsche Serienproduktionen lange vorsichtig agierten, wenn es um größere Risiken und ungewöhnliche Stoffe ging. Ausgangspunkt in „Schwarzes Gold“ ist der tatsächliche Ölfund im niedersächsischen Wietze, der bereits im 19. Jahrhundert internationale Aufmerksamkeit erregte. Bis weit in die 1920er-Jahre hinein galt die Region als bedeutendstes Erdölfördergebiet Deutschlands.
Die Serie greift diese Epoche auf und erzählt von einer Dorfgemeinschaft, die zwischen Tradition, wirtschaftlicher Gier und dem Versprechen schnellen Reichtums zerrieben wird. Der Western-Gedanke zeigt sich dabei weniger in Pistolen und Verfolgungsjagden, sondern im Tonfall: raue Konflikte, klare Machtgefälle und Figuren, die Entscheidungen treffen müssen, deren Konsequenzen ganze Familien betreffen. Genau diese Mischung aus Historie und Drama verleiht der Serie ihre besondere Spannung und hebt sie deutlich von klassischen Heimatserien ab.
Serie mit hochkarätiger Besetzung
Auch auf Produktionsebene fährt „Schwarzes Gold“ groß auf. Zum Cast gehören unter anderem Harriet Herbig-Matten, Aaron Hilmer, Tom Wlaschiha, Lena Urzendowsky und Jessica Schwarz. Ergänzt wird der Cast durch internationale Namen wie Marton Csokas und Gwendoline Christie. Ein weiterer Baustein für die hohe Aufmerksamkeit ist der Score von Hans Zimmer, dessen Musik der Serie eine epische, fast schon internationale Anmutung verleiht. Auch jenseits deutscher Grenzen stößt die Miniserie übrigens auf Interesse. Der Vertrieb liegt bei The Fifth Season, die bereits zahlreiche erfolgreiche Serien weltweit platziert haben.
Aktuell ist „Schwarzes Gold“ als abgeschlossene Miniserie konzipiert. Angesichts der Abrufzahlen und der internationalen Nachfrage steht jedoch im Raum, ob es bei sechs Episoden bleibt. Konkrete Pläne für eine Fortsetzung sind bislang aber nicht bekannt.
:quality(90))