Mit „Red Sonja“ kehrt eine Heldin zurück, die seit Jahrzehnten fest zum festen Inventar klassischer Sword-&-Sorcery-Fantasy gehört. Nach dem Start auf der großen Leinwand hat es die Neuverfilmung nun auch endlich ins Heimkino geschafft. Der Film ist ab sofort auf Blu-ray und DVD erhältlich und richtet sich klar an Genre-Fans, die mit Schwertern, Mythen und rauer Action aufgewachsen sind.
Bereits in den ersten Minuten macht „Red Sonja“ deutlich, dass hier kein weichgezeichnetes Fantasy-Abenteuer geboten wird. Die Inszenierung setzt auf eine direkte, teilweise harte Bildsprache und bleibt auch in den Kampfszenen kompromisslos. Das gefällt, denn die Kämpfe sind intensiv choreografiert, Treffer haben Konsequenzen, und die Welt, in der sich Sonja bewegt, ist alles andere als märchenhaft.
Vom Opfer zur Anführerin
Im Zentrum steht eine Kriegerin, deren Heimat Hyrkania dem Untergang geweiht ist. Nach einem verheerenden Angriff wird sie verschleppt und landet in den Arenen eines brutalen Herrschers. Dort beginnt ihr Weg vom Opfer zur Anführerin. Aus der Gefangenschaft heraus entwickelt sich eine Rebellion, die nicht nur persönliche Rache verfolgt, sondern ein ganzes Machtgefüge ins Wanken bringt.
Dieser dramaturgische Bogen verleiht dem Film Struktur und sorgt dafür, dass die Action nicht losgelöst von der Handlung wirkt, sondern aus ihr heraus entsteht. Regie führte M. J. Bassett, der sich bereits mit düsteren Stoffen wie „Solomon Kane“ und Episoden der Serie „Ash vs Evil Dead“ im Genre etabliert hat. Und diese Erfahrung ist merklich spürbar.
Matilda Lutz als Red Sonja überzeugt
Denn die Welt von „Red Sonja“ wirkt roh und geerdet, mit staubigen Landschaften, kalten Festungen und Arenen, die eher an historische Monumentalfilme erinnern als an digitale Fantasy-Spielereien. Besonders gefallen hat auch der Cast insbesondere Matilda Lutz als Red Sonja. Ihre Sonja ist keine überhöhte Ikone, sondern eine Figur, die sich Schritt für Schritt behaupten muss.
Lutz bringt eine Mischung aus Entschlossenheit und Verletzlichkeit ein, die der Rolle zusätzliche Tiefe verleiht. Gerade in den ruhigeren Momenten funktioniert der Film überraschend gut, wenn er Sonjas Motivation und innere Konflikte in den Vordergrund stellt. Als Gegenspieler ist Robert Sheehan zu sehen, der dem tyrannischen Dragan eine kontrollierte Kälte verleiht.
Kein Großprojekt mit unbegrenztem Budget
Unterstützt wird er von Wallis Day als Dark Annisia, die weniger über große Worte als über Präsenz definiert wird. Zusammen entsteht ein klares Machtgefüge, das Sonjas Aufbegehren nachvollziehbar macht. Natürlich ist „Red Sonja“ kein Großprojekt mit unbegrenztem Budget. An einigen Stellen sind die finanziellen Grenzen erkennbar, etwa bei der Größe der Schlachtfelder oder in bestimmten Effekten.
Dennoch gelingt es „Red Sonja“, durch gezielte Setpieces und praktische Effekte eine glaubwürdige Welt zu erschaffen. Gerade Fans klassischer Fantasy-Filme dürften die handgemachte Anmutung zu schätzen wissen. Inhaltlich orientiert sich die Neuverfilmung stärker an den Comic-Abenteuern der Figur, die ursprünglich im Umfeld der Geschichten von Robert E. Howard entstand. Damit rückt „Red Sonja“ wieder näher an ihre Wurzeln, ohne sich ausschließlich auf Nostalgie zu verlassen.
Wer die Verfilmung von 1985 mit Brigitte Nielsen und Arnold Schwarzenegger kennt, wird Parallelen erkennen, aber auch deutliche Unterschiede feststellen. Der neue Film setzt stärker auf eine sichtliche Eigenständigkeit und eine modernere Figurenzeichnung. Für Fans, die Fantasy jenseits glattpolierter Streaming-Optik suchen, bietet „Red Sonja“ jedenfalls eine gelungene, actionbetonte Neuinterpretation einer bekannten Heldin.
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