Drei Jahrzehnte nach dem Start von „Neon Genesis Evangelion“ wird das Franchise um Shinji Ikari und die biomechanischen Giganten erneut erweitert. Im Rahmen des Jubiläumsfestivals „Evangelion:30+“ in der Yokohama Arena wurde offiziell eine neue Anime-Serie zum legendären Anime-Sci-Fi-Epos angekündigt.
Das Event bildete den Höhepunkt der Feierlichkeiten zum 30. Geburtstag von „Neon Genesis Evangelion“, deren TV-Premiere im Jahr 1995 erfolgte. Bereits im Oktober 2025 war das runde Jubiläum erreicht worden, nun folgte die nächste große Weichenstellung. Neben Konzerten, Diskussionsrunden und einer Sondervorführung eines Kurzfilms wurde am letzten Veranstaltungstag das neue Projekt vorgestellt.
Das Team hinter der neuen Serie
Konkrete Storydetails nannte man noch nicht, wohl aber das kreative Team hinter der kommenden Anime-Serie. Produziert wird die neue „Evangelion“-Serie von Studio Khara – gegründet von Hideaki Anno – in Zusammenarbeit mit CloverWorks. Die Regie übernehmen Kazuya Tsurumaki, der bereits an der Originalserie sowie an den Rebuild-Filmen beteiligt war, und Toko Yatabe, die unter anderem den Kurzfilm „Evangelion:3.0(-46h)“ inszenierte.
Das Drehbuch stammt von Yoko Taro, bekannt durch die „NieR“-Reihe, während Keiichi Okabe die Musik komponieren soll. Auffällig ist die Abwesenheit von Hideaki Anno in einer aktiven Rolle. Der Schöpfer hatte seine Saga mehrfach abgeschlossen. Zunächst mit dem TV-Finale von 1996, später mit „The End of Evangelion“ und zuletzt mit „Evangelion: 3.0+1.0 Thrice Upon a Time“ im Jahr 2021. Dass er dieses Mal nicht kreativ federführend beteiligt ist, markiert einen deutlichen Einschnitt.
Reboot oder neue Perspektive?
Ob es sich bei der kommenden Serie um ein Reboot, eine alternative Zeitlinie oder eine Ergänzung innerhalb der bestehenden Kontinuität handelt, wurde bislang nicht bestätigt. Offiziell ist lediglich von einem „neuen Projekt“ im Evangelion-Universum die Rede. In Fan-Kreisen wird seit Jahren darüber spekuliert, ob die bislang unerzählten 14 Jahre zwischen „Evangelion: 2.22 You Can (Not) Advance“ und „Evangelion: 3.33 You Can (Not) Redo“ aufgegriffen werden könnten. Eine Bestätigung dafür gibt es jedoch nicht.
Als die Serie 1995 im japanischen Fernsehen startete, wirkte sie zunächst wie ein klassischer Vertreter des Mecha-Genres: Jugendliche steuern riesige Kampfmaschinen, um die Menschheit gegen mysteriöse Kreaturen zu verteidigen. Doch schon nach wenigen Episoden wurde klar, dass hier mehr verhandelt wird als reine Action.
Das ist „Neon Genesis Evangelion“
Die Handlung spielt im Jahr 2015, 15 Jahre nach einer globalen Katastrophe namens „Second Impact“. In der futuristischen Stadt Tokyo-3 greift eine Reihe fremdartiger Wesen – die sogenannten Engel – an. Die Organisation NERV setzt Evangelions ein, biomechanische Einheiten, die ausschließlich von ausgewählten Teenagern gesteuert werden können. Im Zentrum steht Shinji Ikari, der von seinem entfremdeten Vater Gendo Ikari rekrutiert wird, um Unit-01 zu pilotieren.
Neben Shinji kämpfen Rei Ayanami und Asuka Langley Soryu gegen die Engel. Doch die zentralen Konflikte sind psychologischer Natur. Themen wie Identität, Selbstzweifel, Isolation und das Bedürfnis nach Anerkennung ziehen sich durch die Serie. Mit fortschreitender Laufzeit verschiebt sich der Fokus zunehmend auf existenzielle Fragestellungen: Wie definiert sich das Ich? Welche Rolle spielt Nähe? Und was passiert, wenn die Grenzen zwischen Individuum und Kollektiv verschwimmen?
„Neon Genesis Evangelion“ beeinflusste das Mecha-Genre nachhaltig und gilt bis heute als eines der prägendsten Anime-Werke der 1990er-Jahre. Zahlreiche Filme, Neuauflagen und die Rebuild-Reihe erweiterten das Universum, doch der Kern bleibt die 26-teilige TV-Serie von 1995. Mit der nun angekündigten neuen Serie beginnt ein weiteres Kapitel – 30 Jahre nach dem ursprünglichen Start.
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