Irgendwo zwischen Explosionen, Egos und Eskalationen hatte sich 2008 in „Tropic Thunder“ eine Nebenfigur in den Vordergrund gedrängt, die keiner so schnell vergessen konnte. Die Rede ist natürlich von Les Grossman. Ein Wutbolzen im Produzentenkostüm, tanzend, schreiend, schwitzend und das alles verkörpert von keinem Geringeren als Tom Cruise.

Jetzt, mehr als anderthalb Jahrzehnte später, verdichten sich die Hinweise, dass diese durchgeknallte Figur mit ikonischer Halbglatze ein eigenes Kinoabenteuer bekommen könnte. Denn hinter den Kulissen brodelt es jedenfalls gewaltig. Regisseur Christopher McQuarrie, bestens bekannt als Cruise’ kreativer Komplize bei der „Mission: Impossible“-Reihe, hat in einem Interview durchblicken lassen, dass da mehr als nur eine fixe Idee im Raum steht.

Im Podcast „Happy Sad Confused“ sprach er offen darüber, wie ernst die Gespräche über einen Les-Grossman-Film geworden sind. Laut McQuarrie sprühen die Ideen nur so vor Energie: „Die Gespräche, die wir über Les Grossman geführt haben, sind so verdammt lustig.“ Der Gedanke, ausgerechnet diese überzeichnete Hollywood-Karikatur ins Zentrum eines eigenen Films zu stellen, wirkt auf den ersten Blick völlig abwegig.

Auf den zweiten aber wie eine überfällige Satire auf das moderne Filmgeschäft. Denn schon in „Tropic Thunder“ funktionierte Grossman nicht nur als absurde Lachnummer, sondern auch als gnadenloser Spiegel der Branche. Mit Glatze, Pelz auf der Brust und überdimensionierten Händen peitschte er durch seine Szenen und stahl gestandenen Stars wie Ben Stiller, Robert Downey Jr. oder Jack Black mühelos die Show.

Vom Überraschungs-Cameo zum Fanliebling

Was damals als Überraschungs-Cameo gefeiert wurde, scheint heute zur Herzensangelegenheit geworden zu sein. McQuarrie beschreibt, wie während der Dreharbeiten zu „Mission: Impossible 8“ regelmäßig improvisierte Les-Grossman-Sessions entstanden. Ganz ohne Skript, einfach aus dem Moment heraus. „Einfach am Tisch zu sitzen und mit Tom in der Rolle von Les Grossman zu improvisieren, war eine der wahren Freuden dieses Films.“ Und genau darin liegt vielleicht der Schlüssel: keine durchgeplante Storyline, sondern kreatives Chaos – passend zum Charakter selbst.

Ein konkretes Drehbuch gibt es bisher zwar nicht, aber Cruise und McQuarrie machen keinen Hehl daraus, dass sie mit verschiedenen Filmideen jonglieren. Darunter eben auch die Rückkehr des schreienden, fluchenden, tanzenden Produzenten aus der Hölle. Es ist ein Projekt, das derzeit in einem Schwebezustand zwischen Spinnerei und Vision existiert.

Sicher keine langweilige Standardproduktion

„Wir denken nicht einmal über die Struktur nach, wir spielen mit Szenen“, so McQuarrie weiter. „Einfach nur am Frühstückstisch zu sitzen und nicht über den Film zu sprechen, den wir gerade drehen, ist so eine Entspannung.“

Was das alles für den möglichen Film bedeutet? Möglicherweise eine losgelöste Komödie, die nicht nach klassischen Regeln funktioniert. Vielleicht ein Stück Hollywoodsatire, vielleicht eine groteske Charakterstudie – aber ganz sicher keine langweilige Standardproduktion. Denn wenn Cruise sich wieder die Glatze überzieht, das Hemd öffnet und zur Musik abtanzt, dann wird es alles – nur nicht gewöhnlich.

Quelle: variety.com