Ein abgelegener Wald, eine unheimliche Gestalt und ein Ausflug, der völlig aus dem Ruder läuft. Mit „Dolly“ liefert Regisseur Rod Blackhurst einen kompromisslosen Slasher, der sich ganz dem rauen Horrorkino vergangener Jahrzehnte verschrieben hat. Statt auf digitale Effektschlachten oder komplizierte Geschichten setzt der Film auf eine groteske Killerfigur, eine schmutzige Atmosphäre und reichlich handgemachte Grausamkeiten. Herausgekommen ist ein harter, geradliniger und ausgesprochen unterhaltsamer Genrebeitrag, der besonders Freunde des klassischen Backwoods-Horrors ansprechen dürfte.
Eigentlich wollen Macy (Fabianne Therese) und ihr Freund Chase nur eine gemeinsame Wanderung unternehmen. Doch als sie mitten im Wald auf eine merkwürdige Ansammlung von Puppen stoßen, nimmt ihr Ausflug eine düstere Wendung. Schon bald geraten sie ins Visier einer riesigen, maskierten Gestalt. Macy wird verschleppt und findet sich in einer verstörenden Umgebung wieder, in der ihre Entführerin Dolly eine bizarre Vorstellung von familiärer Geborgenheit ausleben möchte. Für die junge Frau beginnt ein verzweifelter Kampf ums Überleben.
Killerfigur mit besonderer Präsenz
Die größte Stärke von „Dolly“ ist seine titelgebende Bedrohung. Verkörpert wird sie von Profi-Wrestlerin Max the Impaler, deren imposante Erscheinung bereits ohne große Worte für Unbehagen sorgt. Besonders im direkten Aufeinandertreffen mit Macy entfaltet die Figur ihre Wirkung. Ihr Verhalten schwankt zwischen beinahe kindlichen Gesten und plötzlichen Gewaltausbrüchen, wodurch sich die Situation kaum einschätzen lässt.
Fabianne Therese überzeugt als verzweifelte Hauptfigur, die sich einer körperlich und psychisch extrem belastenden Situation stellen muss. Ihre Reaktionen wirken glaubwürdig und geben dem ansonsten recht geradlinigen Überlebenskampf die nötige Spannung. Mit Seann William Scott und Ethan Suplee gehören außerdem zwei bekannte Darsteller zur Besetzung.
Optisch erinnert „Dolly“ bewusst an das Exploitation- und Grindhouse-Kino der 70er-Jahre. Gedreht wurde auf Super-16-mm-Filmmaterial, wodurch die Bilder eine körnige, ungeschönte Struktur erhalten. Die abgelegenen Schauplätze und Dollys heruntergekommenes Zuhause verstärken die unangenehme Atmosphäre zusätzlich.
Handgemachter Horror ohne Zurückhaltung
Auch bei den Gewaltdarstellungen kennt der Film wenig Zurückhaltung. Statt entscheidende Momente hinter schnellen Schnitten zu verstecken, setzt Blackhurst auf drastische praktische Spezialeffekte. Für die Masken und Effekte war unter anderem Oscar-Preisträger Adrien Morot verantwortlich. Das Ergebnis sind einige ausgesprochen heftige Szenen, die dem Film eine unangenehme Körperlichkeit verleihen.
Erzählerisch bleibt „Dolly“ dagegen auf vertrautem Terrain. Die Handlung verzichtet weitgehend auf überraschende Wendungen und konzentriert sich auf den Überlebenskampf zwischen Macy und ihrer Entführerin. Nicht jede Entscheidung der Figuren erscheint besonders clever, doch das hohe Tempo und die konsequente Inszenierung sorgen dafür, dass kaum Langeweile aufkommt.
Gerade diese unkomplizierte Herangehensweise passt hervorragend zum Charakter des Films. „Dolly“ möchte keinen tiefgründigen Psychothriller erzählen, sondern seine Zuschauerinnen und Zuschauer mit einer ungewöhnlichen Killerfigur, bedrückender Spannung und reichlich Blut unterhalten. Das gelingt über weite Strecken ausgesprochen gut.
Rod Blackhurst liefert damit alles in allem einen angenehm dreckigen Slasher, der seine klassischen Vorbilder kennt und mit viel Gespür für unangenehme Situationen arbeitet. Die handgemachten Effekte, der markante Look und die überzeugende Hauptbedrohung sorgen für einen hohen Wiedererkennungswert. „Dolly“ ist ein guter, harter und unterhaltsamer Horrortrip, der besonders Fans kompromissloser Genreunterhaltung auf ihre Kosten kommen lässt.
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