Wenn die Deadites wieder losgelassen werden, ist eines garantiert. Besonders zimperlich geht es dabei nicht zu. Mit „Evil Dead Burn“ bekommt die legendäre Horrorreihe weiteren Nachwuchs und setzt ihren kompromisslosen Kurs fort. Nach dem Reboot von 2013 und „Evil Dead Rise“ aus dem Jahr 2023 übernimmt diesmal Sébastien Vaniček die Regie, während Sam Raimi als Produzent beteiligt bleibt. Nun erscheint der neue Horrortrip auch fürs Heimkino auf DVD und Blu-ray. Geboten wird ein ausgesprochen brutales Kapitel der Reihe, das handwerklich einiges zu bieten hat, allerdings auch ein paar entscheidende Stärken seiner Vorgänger vermissen lässt.
Im Mittelpunkt steht Alice (Souheila Yacoub), die nach dem Tod ihres Ehemanns Will bei dessen Familie auf einem abgelegenen Anwesen unterkommt. Doch von einem friedlichen Ort der Trauer kann keine Rede sein. Schon vor den ersten übernatürlichen Ereignissen herrscht eine unangenehme Stimmung zwischen den Angehörigen. Alice wird mit Vorwürfen und Misstrauen konfrontiert, während sich hinter der scheinbar harmonischen Familiengeschichte einige düstere Geheimnisse verbergen. Als schließlich dämonische Kräfte ins Spiel kommen, eskaliert die Situation vollständig. Immer mehr Familienmitglieder verwandeln sich in Deadites und machen das Anwesen zum Schauplatz eines erbarmungslosen Überlebenskampfes.
Deadites kennen keine Gnade
Wer bei einem neuen „Evil Dead“ auf möglichst heftige Schockmomente und reichlich Kunstblut hofft, wird definitiv nicht enttäuscht. Vaniček setzt auf eine äußerst körperliche Form des Horrors, bei der Knochen, Fleisch und allerlei Gegenstände auf denkbar unangenehme Weise miteinander Bekanntschaft machen. Die praktischen Effekte sind hervorragend umgesetzt und sorgen regelmäßig für Szenen, bei denen selbst erfahrene Horrorfans schlucken dürften.
Auch die Inszenierung kann sich sehen lassen. Die Kamera bewegt sich dynamisch durch das Geschehen und verwandelt selbst gewöhnliche Räume in beklemmende Schauplätze. Besonders in engen Umgebungen entfaltet „Evil Dead Burn“ eine enorme Intensität. Dazu kommt eine Spannung, die über weite Strecken auf hohem Niveau bleibt und schließlich in einem ausgesprochen blutigen Finale gipfelt. Souheila Yacoub überzeugt dabei als gequälte Hauptfigur, die sich nicht nur gegen übernatürliche Bedrohungen behaupten muss.
Wo bleibt der alte Evil-Dead-Wahnsinn?
Trotz dieser Qualitäten fehlt „Evil Dead Burn“ etwas, das die Reihe seit ihren Anfängen besonders gemacht hat. Der herrlich überdrehte Wahnsinn, der schwarze Humor und die unverwechselbare Atmosphäre früherer Filme treten dieses Mal deutlich in den Hintergrund. Stattdessen dominiert eine ausgesprochen grimmige Grundstimmung, die zwar zum ernsten Familienkonflikt passt, auf Dauer aber auch etwas ermüdend wirkt.
Ein weiteres Problem sind die Figuren. Der Umgang innerhalb der Familie ist derart aggressiv und feindselig, dass es zunehmend schwerfällt, mit den Beteiligten mitzufiebern. Die Dialoge wirken nicht immer natürlich, während einige Charaktere kaum über ihre Funktion innerhalb der Horrorgeschichte hinauswachsen. Auch die Themen Trauer, Schuld und häusliche Gewalt hätten mehr Raum verdient, statt regelmäßig von der nächsten Gewaltexplosion verdrängt zu werden.
Was ebenfalls auffällt, ist die vergleichsweise unspektakuläre akustische Gestaltung. Gerade die früheren „Evil Dead“-Filme verstanden es hervorragend, mit knarrendem Holz, zuschlagenden Türen und unheimlichen Geräuschen eine ganz eigene Atmosphäre zu erzeugen. Diese kleinen, aber wirkungsvollen Details fehlen hier stellenweise. Blutige Effekte allein reichen schließlich nicht aus, um den unverwechselbaren Charakter der Reihe einzufangen.
Brutaler Neuanfang mit Schwächen
Mit „Evil Dead Burn“ liefert Sébastien Vaniček einen handwerklich starken Horrorfilm, der besonders durch seine hervorragenden Effekte und die intensive Inszenierung überzeugt. Die Geschichte bietet einen interessanten Ansatz, schöpft das Potenzial ihrer familiären Konflikte jedoch nicht vollständig aus. Dazu kommen Figuren, die nur bedingt Sympathien wecken, und eine Atmosphäre, der etwas mehr von der besonderen Eigenwilligkeit früherer Teile gutgetan hätte.
Dennoch besitzt „Evil Dead Burn“ genügend Qualitäten, um eingefleischten Horrorfans einen unterhaltsamen Abend zu bescheren. Wer vor allem kompromisslosen Terror und drastische Gewaltdarstellungen sucht, bekommt reichlich davon geboten. Wer dagegen den unverwechselbaren Charme der ursprünglichen „Tanz der Teufel“-Filme erwartet, dürfte einige Dinge vermissen.
„Evil Dead Burn“ ist damit kein neuer Höhepunkt der Reihe, aber ein durchaus sehenswerter Beitrag, der seine Stärken vor allem im handwerklichen Bereich ausspielt. Und selbst wenn diesmal nicht alles aufgeht, bleibt die Freude darüber, dass dieses kultige Horrorfranchise weiterhin neue Wege einschlägt. Hoffentlich beim nächsten Mal wieder mit etwas mehr von jenem herrlich verrückten Geist, der „Evil Dead“ einst so besonders gemacht hat.
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