Mit „Yellowstone“ hat Taylor Sheridan bewiesen, dass der amerikanische Westen noch immer reichlich Stoff für packende Seriengeschichten bietet. Mit „The Madison“ schlägt der Erfolgsproduzent nun allerdings eine deutlich ruhigere Richtung ein. Statt erbitterter Machtkämpfe um Land und Einfluss stehen familiäre Beziehungen, persönliche Verluste und die Suche nach einem neuen Lebensgefühl im Mittelpunkt. Die erste Staffel des Dramas ist nun auch fürs Heimkino erhältlich und überzeugt vor allem mit einer großartigen Michelle Pfeiffer und beeindruckenden Landschaftsaufnahmen.
Stacy (Michelle Pfeiffer) und Preston Clyburn (Kurt Russell) führen gemeinsam mit ihren erwachsenen Töchtern und Enkeln ein privilegiertes Leben in New York. Doch ein schwerer Schicksalsschlag stellt die Familie plötzlich vor eine völlig neue Realität. Im Madison River Valley in Montana müssen sich die Clyburns mit ihrer Vergangenheit, ihren Beziehungen und einer ungewissen Zukunft auseinandersetzen. Dabei wird schnell deutlich, dass ein Ortswechsel allein noch lange keine Lösung für tief sitzende Probleme ist.
Michelle Pfeiffer trägt die Geschichte
Die größte Stärke von „The Madison“ ist zweifellos Michelle Pfeiffer. Als Stacy Clyburn verkörpert sie eine Frau, die trotz ihrer eigenen Verletzlichkeit versucht, den familiären Zusammenhalt zu bewahren. Gerade in den ruhigeren Momenten zeigt Pfeiffer, weshalb sie seit Jahrzehnten zu den herausragenden Schauspielerinnen Hollywoods gehört.
Auch Kurt Russell überzeugt als Preston Clyburn, während Matthew Fox die prominente Besetzung ergänzt. Sheridan nimmt sich viel Zeit für seine Figuren und ihre Beziehungen untereinander. Besonders die unterschiedlichen Reaktionen auf Verlust und Trauer stehen im Mittelpunkt. Die weiblichen Charaktere bekommen dabei deutlich mehr Raum als in vielen anderen Geschichten aus Sheridans Serienwelt.
Montana wird zur Hauptfigur
Visuell ist „The Madison“ eine echte Augenweide. Weite Landschaftspanoramen, eindrucksvolle Naturaufnahmen und eine beinahe filmische Bildsprache verleihen der Serie einen unverwechselbaren Charakter. Das Madison River Valley ist dabei weit mehr als eine hübsche Kulisse. Die unberührte Landschaft unterstreicht die emotionale Verfassung der Figuren und bildet einen reizvollen Gegensatz zu ihrem bisherigen Großstadtleben.
Allerdings verlangt die Serie seinen Fans auch etwas Geduld ab. Sheridan erzählt ausgesprochen langsam und lässt Gesprächen sowie stillen Momenten viel Platz. Dadurch entwickelt sich eine besondere Atmosphäre, gelegentlich fehlt der Handlung aber auch etwas Schwung. Manche Entwicklungen sind recht vorhersehbar, während der Gegensatz zwischen hektischem New York und ursprünglichem Montana mitunter etwas klischeehaft ausfällt.
Ein Western-Drama mit Gefühl
Wer von „The Madison“ einen weiteren actionreichen Ableger im Stil von „Yellowstone“ erwartet, dürfte zunächst überrascht sein. Die Serie interessiert sich weniger für äußere Konflikte als für die emotionalen Folgen eines einschneidenden Verlusts. Das funktioniert vor allem dank der starken Besetzung und der wunderschönen Inszenierung ausgesprochen gut.
Zwar hätte die erste Staffel stellenweise etwas mehr erzählerischen Schwung vertragen können, doch gerade ihre ruhige Herangehensweise macht auch ihren Reiz aus. Michelle Pfeiffer liefert eine hervorragende Vorstellung, die Landschaften Montanas sorgen für beeindruckende Bilder und die Familiengeschichte besitzt genügend emotionale Substanz. „The Madison“ ist daher ein gelungenes Drama für alle, die sich gerne Zeit für ihre Figuren nehmen und große Gefühle ebenso schätzen wie großartige Naturaufnahmen.
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