Was Martin Scorsese 2013 mit „The Wolf of Wall Street“ auf die Leinwand brachte, gehört noch immer zu den unterhaltsamsten und zugleich verrücktesten Filmen seiner Karriere. Geld, Drogen, wilde Partys und ein Lebensstil, bei dem selbst die größten Maßlosigkeiten irgendwann völlig normal erscheinen. Seit dem 8. Oktober 2026 ist der Kultfilm „The Wolf of Wall Street“ nun erstmals in Deutschland auf UHD erhältlich, unter anderem als limitiertes Mediabook und SteelBook.

Gemeinsam mit einem überragenden Leonardo DiCaprio erzählt Scorsese vom Aufstieg und Fall eines Mannes, für den Reichtum längst nicht mehr ausreicht. Hier muss alles immer größer, teurer und ausschweifender werden. Das Ergebnis ist eine ebenso bissige wie gnadenlos komische Abrechnung mit der Gier nach Geld. Im Mittelpunkt steht Jordan Belfort (Leonardo DiCaprio), der Ende der 80er Jahre an der Wall Street Karriere machen möchte.

Nach einem frühen Rückschlag entdeckt er den lukrativen Handel mit minderwertigen Aktien und stellt schnell fest, dass sich mit genügend Überzeugungskraft nahezu alles verkaufen lässt. Gemeinsam mit Donnie Azoff (Jonah Hill) gründet er schließlich die Maklerfirma Stratton Oakmont. Was zunächst nach einer gewöhnlichen Erfolgsgeschichte aussieht, entwickelt sich zu einem völlig außer Kontrolle geratenen Geschäftsimperium.

Während die Millionen auf den Konten landen, bestimmen Drogen, Prostituierte, Luxusjachten und immer absurdere Exzesse den Alltag. Dass die Behörden irgendwann genauer hinschauen, ist dabei eigentlich nur eine Frage der Zeit.

Leonardo DiCaprio kennt keine Grenzen

Es gibt Filme, in denen ein Schauspieler eine gute Leistung abliefert. Und dann gibt es „The Wolf of Wall Street“, in dem Leonardo DiCaprio derart aufdreht, dass man aus dem Staunen kaum noch herauskommt. Sein Jordan Belfort ist skrupellos, selbstverliebt, manipulativ und trotzdem auf eine ziemlich unangenehme Weise charismatisch. Gerade diese Mischung macht die Figur so faszinierend. DiCaprio schafft es, einen Mann interessant erscheinen zu lassen, dessen Verhalten eigentlich jede Sympathie verdient hätte verspielen müssen.

Besonders großartig sind seine völlig überdrehten Motivationsreden vor den Mitarbeitern von Stratton Oakmont. Belfort verwandelt einen Haufen geldgieriger Broker innerhalb weniger Sekunden in eine brüllende Meute, die anschließend mit noch größerem Eifer irgendwelche wertlosen Aktien an ahnungslose Kunden verkauft. Diese Szenen sind gleichermaßen urkomisch und erschreckend. Denn hinter dem ganzen Wahnsinn steckt ein ziemlich einfaches Prinzip. Wer laut genug auftritt, überzeugend redet und keinerlei Gewissen besitzt, kann erstaunlich viele Menschen für sich gewinnen.

Auch Jonah Hill liefert als Donnie Azoff eine herrlich durchgeknallte Vorstellung ab. Gemeinsam mit DiCaprio bildet er ein Duo, das sich bei seinen Eskapaden gegenseitig immer weiter antreibt. Margot Robbie überzeugt als Naomi, während Matthew McConaughey bereits mit seinem vergleichsweise kurzen Auftritt einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Dazu kommen zahlreiche weitere hervorragend besetzte Nebenrollen. Scorsese hat hier einen Cast versammelt, der den völlig überzogenen Ton des Films perfekt trifft.

Drei Stunden voller Irrsinn

Fast drei Stunden Laufzeit sind für eine schwarze Komödie durchaus eine Ansage. Doch „The Wolf of Wall Street“ entwickelt ein derart hohes Tempo, dass sich kaum Gelegenheit für Langeweile bietet. Scorsese reiht nicht einfach einen Exzess an den nächsten, sondern steigert die Absurditäten immer weiter. Gerade wenn man glaubt, Belfort und seine Kollegen hätten endgültig jeden Bezug zur Realität verloren, setzen sie noch einen drauf.

Dabei beweist er erneut sein außergewöhnliches Gespür für Rhythmus, Kameraarbeit und die richtige Mischung aus Spannung und Humor. Die Bilder sind dynamisch, die Dialoge sitzen und selbst die groteskesten Situationen werden mit einer Selbstverständlichkeit präsentiert, die den Wahnsinn noch unterhaltsamer macht. Besonders gelungen sind auch jene Momente, in denen Belfort direkt zum Publikum spricht und seine fragwürdigen Geschäftspraktiken mit geradezu entwaffnender Offenheit erklärt.

Dass der Film auf der tatsächlichen Geschichte von Jordan Belfort basiert, macht das Geschehen noch einmal deutlich bemerkenswerter. Natürlich wird vieles für die Leinwand zugespitzt und überzeichnet. Doch der Kern dieser Geschichte zeigt, wie schnell aus vermeintlichem Geschäftssinn organisierter Betrug werden kann, wenn Geld zum einzigen Maßstab für Erfolg wird.

Wenn Gier zur Lebensaufgabe wird

So lustig „The Wolf of Wall Street“ über weite Strecken auch ist, hinter dem hemmungslosen Treiben steckt eine ziemlich deutliche Kritik. Belfort und seine Mitarbeiter leben in einer Welt, in der Menschen hauptsächlich nach ihrem finanziellen Nutzen beurteilt werden. Wer Geld besitzt, kann sich nahezu alles erlauben. Wer keines hat, wird eben zum nächsten Opfer eines windigen Geschäfts. Scorsese verzichtet dabei weitgehend auf erhobene Zeigefinger.

Statt seine Figuren ständig moralisch einzuordnen, lässt er sie ihre eigene Absurdität ausleben. Gerade darin liegt eine der größten Stärken des Films. Er macht die Verlockungen von Reichtum und grenzenlosem Luxus nachvollziehbar, ohne die Schattenseiten zu verstecken. Auch mehr als ein Jahrzehnt nach seiner Veröffentlichung hat „The Wolf of Wall Street“ nichts von seiner Genialität verloren.

Ein Scorsese, den man gesehen haben muss

Martin Scorsese liefert ein filmisches Spektakel ab, das provoziert, schockiert und hervorragend unterhält. Die Mischung aus bitterbösem Humor, exzessiver Inszenierung und einer unglaublichen Hauptdarstellerleistung funktioniert auch beim wiederholten Anschauen. Leonardo DiCaprio ist dabei schlicht sensationell. Seine Darstellung von Jordan Belfort gehört zu den stärksten Leistungen seiner Karriere und trägt den Film über die gesamte Laufzeit.

Dass „The Wolf of Wall Street“ 2014 für fünf Oscars nominiert wurde, überrascht angesichts dieser Qualität kaum. „The Wolf of Wall Street“ ist laut, hemmungslos, politisch alles andere als bequem und über weite Strecken zum Schreien komisch. Ein moderner Klassiker, der auch nach über zehn Jahren noch verdammt viel Spaß macht.

Für das Heimkino bekommt der Kultstreifen mit seiner erstmaligen deutschen UHD-Veröffentlichung nun eine passende Neuauflage. Das limitierte Mediabook enthält neben der UHD mit Dolby Vision und HDR10 auch die Blu-ray, eine zusätzliche Bonus-Disc mit umfangreichen Extras sowie ein 48-seitiges Booklet. Alternativ erscheint ein limitiertes SteelBook mit den drei Discs.

„The Wolf of Wall Street“ (Capelight Pictures) – VÖ: 8. Okt. 2626