Mit den Skullcandy Push 720 Open bekommt das noch vergleichsweise überschaubare Angebot an Open-Ear-Kopfhörern einen attraktiven Neuzugang. Für die Lifestyle-Soundschmiede aus dem US-amerikanischen Utah ist es der erste Ausflug in das noch junge Segment. Anlaufschwierigkeiten gab es dabei jedoch wohl keine, wie unser Test gezeigt hat.
Neben klassischen Over-Ears und den weit verbreiteten Earbuds in all ihren Formen und Farben erfreut sich der Open-Ear-Ansatz als dritte Option zunehmender Beliebtheit. Als Gegenpol zur aktiven Geräuschunterdrückung möchte der offene Designansatz die Umgebung ganz bewusst nicht ausblenden, sodass man mit laufender Musik auf den Ohren seiner Umwelt gewahr bleibt.
Dies ist natürlich besonders praktisch beim Sport, im Straßenverkehr oder auch im Büro. Dreht man seine Open-Ears laut, hat die gängige Bauweise jedoch den Nachteil, dass der Schall auch nach außen getragen wird und andere Menschen in der Nähe mithören können, was für einen Sitznachbarn im Bus oder Zug entsprechend störend sein kann.

Diesem Problem möchte Skullcandy beim Design der Push 720 Open mit gerichteten Lautsprechern Rechnung tragen, die zwar außerhalb des Gehörganges sitzen, die Musik aber durch einen fokussierten Schallvektor so an den Nutzer herantragen, dass diese für andere möglichst wenig zu hören ist. Ein Prinzip, das sich bereits Bose bei seinen Ultra Open Clips zunutze machte.
In Sachen Tragekomfort setzt Skullcandy auf das Clip-On-Prinzip, bei dem man sich die acht Gramm leichten Kopfhörer an die Ohrmuschel klemmt. Ein flexibler Silikonsteg verbindet die Lautsprechereinheit, die gewissermaßen vor dem Gehörgang schwebt, mit einer Gondel, in welcher der Akku und die Bedienelemente verbaut sind und die hinter dem Ohr für einen festen Sitz sorgt.
Eine andere Designströmung in diesem Segment verfolgt den Ansatz, dass man sich die Kopfhörer über das Ohr hängt, was in seiner Bügel-Ästhetik allerdings stets ein wenig an Hörgeräte erinnert. Da sind die stylischen Clip-Ons dann doch ein etwas frisches Lifestyle-Statement, wie wir finden.

Da Skullcandy – wenn auch inzwischen etwas gemäßigter – stets Wert auf auffälligen Stil legt, gibt man sich dort allerdings nicht damit zufrieden, einfach bewährte Konzepte anderer zu kopieren. Und so haben sich die Designer beim Ladecase ausgetobt, welches nicht als das übliche feste Döschen daherkommt, sondern in Form eines Stoffetuis. Geöffnet wird dies, indem man die oben eingenähten flexiblen Metallbänder zusammendrückt. Dank des Karabinerrings kann man sich das Ladetäschchen zudem an den Rucksack oder die Gürtelschlaufe hängen.
Ein fraglos origineller Ansatz. Letzten Endes hat Skullcandy aber lediglich ein klassisches Ladecase ohne Deckel in einem Beutel versenkt, was zwar ganz schick rüberkommt, die Entnahme der Kopfhörer aber auch etwas fummelig macht, wenn man weniger feine Finger hat. Trotz kräftiger Magneten gestaltet sich auch das Einlegen der Clips als etwas problematisch, da die Lademulden im Dunkeln der Tasche kaum zu erkennen sind. Eine kontrastierende Farbgebung der Einlegefläche im Inneren hätte hier leicht Abhilfe schaffen können.

Gut ist wiederum, dass die Kopfhörer durch den aufgedruckten Totenschädel ihrer jeweiligen Seite auf einen Blick zugeordnet werden können. Das bekannte Skullcandy-Logo findet sich dann auch an der Vorderseite des Ladetäschchens wieder, an der Rückseite befindet sich die USB-C-Buchse nebst einer kleinen Indikator-LED. Ein Ladekabel liegt dem Lieferumfang bei, das mit gerade mal sechs Zentimetern zwar lächerlich kurz ausfällt, dafür aber über einen reversiblen USB‑A‑Stecker verfügt, dank doppelter Kontakte also beidseitig eingesteckt werden kann.
Die Akkulaufzeit der Clips beträgt sechs Stunden. Das ist nicht allzu üppig, dank des Cases werden abzüglich der Ladepausen aber insgesamt 30 Stunden daraus. Dank der Schnellladefunktion lassen sich zudem binnen zehn Minuten Saft für zwei Stunden Laufzeit in die Open-Ears pumpen.
In Sachen Verarbeitung ist außerdem noch erwähnenswert, dass die Push 720 Open nach IP67 Zertifizierung schweiß- und wasserfest sind. Damit können die Clips bis zu 30 Minuten in einer Tiefe von bis zu einem Meter unbeschadet überstehen, was alles andere als selbstverständlich ist.

Während viele Kopfhörer nach wie vor auf eine im Eifer des Gefechts zur Unzuverlässigkeit neigende Touch-Bedienung setzen, spendiert Skullcandy den kleinen Push 720 Open doch tatsächlich physische Tasten. Diese sitzen jeweils oben auf den beiden Gondeln und damit gut zu ertasten hinter dem Ohr.
Die Tasteneinstellungen lassen sich in der App separat für jede Seite anpassen und erlauben einfaches, zweifaches und dreifaches Drücken sowie eine Sekunde lang gedrückt halten. Damit lassen sich also insgesamt acht Funktionen zuordnen. Neben der Mediensteuerung ändern wir die Lautstärke, aktivieren den Sprachassistenten unseres Smartphones, wechseln dank Spotify Tap bequem zum Musikstreamer oder knipsen sogar ein Foto.
Neben den Angaben zur verbleibenden Akkulaufzeit haben wir über die App ferner Zugriff auf einen Equalizer, der uns neben den drei Presets „Musik“, „Podcast“ und „Bass-Boost“ Zugriff auf fünf Frequenzbänder zum Anpassen einer für unseren Geschmack individuellen Klangkurve gibt.

Ansonsten wechseln wir in der App wahlweise zur niedrigen Latenz, um den Zeitversatz zwischen Bild und Ton zu verringern – sinnvoll beim Spielen oder Schauen von Videos, geht allerdings zulasten der Audioqualität, Signalstärke und Akkulaufzeit. Auch aktivieren wir hier bei Bedarf das Multipoint-Pairing, um bis zu zwei Geräte mit dem Push 720 Open zu verbinden und so beispielsweise beim Streamen auf dem Tablet eingehende Anrufe auf dem Smartphone annehmen zu können.
Der Funktionsumfang der App bleibt damit angenehm überschaubar, lässt allerdings die vom Hersteller offiziell beworbene Klangpersonalisierung über den Mimi-Hörtest missen – kurios.
Wir wollen gar keinen Hehl daraus machen, dass wir nach anfänglicher Skepsis inzwischen Fans des Open-Ear-Konzepts geworden sind – insbesondere dann, wenn es sich wie im Falle der Push 720 Open um Clip-ons handelt. Ganz ohne Druckgefühl in oder auf den Ohren lassen sich die Kopfhörer den gesamten Tag über nicht nur bequem tragen, man bemerkt sie nach dem Anlegen faktisch kaum noch. Gleichzeitig sitzen sie aber so fest und sicher, dass man selbst beim Headbangen keine Sorgen haben muss, die Clips zu verlieren.

Nun fällt Skullcandys erster Gehversuch in diesem Segment zwar etwas „wuchtiger“ aus als etwa die artverwandten AeroClips von Soundcore, dem Tragekomfort tut dies aber keinen Abbruch. Zumal wir die größeren Dimensionen der Gondeln für die haptisch angenehmen Drucktasten gerne in Kauf nehmen. Da die Open-Ears eher in der Mitte der Ohrmuscheln sitzen, stören sie auch nicht beim Tragen einer Brille. In Sachen Bauform hat Skullcandy also schon einmal alles richtig gemacht – und todschick finden wir die Clips an unseren Ohren außerdem.
Was den Schallverlust nach außen betrifft, können die gerichteten Lautsprecher ihr Versprechen jedoch nicht wirklich halten. Selbst bei mittlerer Lautstärke attestiert uns der Kollege am Tisch nebenan noch eine leise Geräuschkulisse. Gleicher Kollege zeigt sich beim späteren Telefontest dann aber wieder sehr angetan von der Sprachqualität.
In Sachen Sound spielen die Push 720 Open mit ihren 12-mm-Treibern überraschend breit auf, sodass man glatt vergessen könnte, dass da gerade Open-Ears am Werk sind. Mit zunehmendem Geräuschpegel driftet der Klang zwar etwas ins Dröhnende ab, aber Lautstärke ist ja ohnehin nicht unbedingt die Kernkompetenz eines Open-Ears. Dennoch muss man konstatieren, dass die schon zuvor für einen Vergleich bemühten AeroClips von Soundcore hier besser abschneiden – und das bei einem nur geringfügig höheren Preis.

Der Spielfreude der Push 720 Open tut dies aber freilich keinen Abbruch. Sie verzetteln sich zwar in den Mitten etwas, punkten dafür aber in den oberen und unteren Peaks. Kräftigen und basstarken Sound konnte Skullcandy ja schon immer. Gut gefällt uns aber auch die Klarheit der Stimmen in Podcasts oder beim Gesang. Dabei gibt sich der Akustik insgesamt überraschend räumlich und macht auch feinere Details hörbar.
Natürlich darf man hier nicht die Klangtiefe eines Premium-Over-Ears erwarten, aber die guten Schuhe zieht man ja auch nicht zu jedem Anlass an. Die Push 720 Open wollen hingegen selbst bei Wind und Wetter raus zum Toben und wie zwei junge Hunde bespielt werden. Mit seinen ersten Open-Ears legt Skullcandy aus dem Stand von daher schon mal einen äußerst sympathischen Auftritt hin.

Mit den Push 720 Open gelingt Skullcandy ein überzeugender Einstand ins Open-Ear-Segment. Die Clip-On-Bauweise kombiniert hohen Tragekomfort mit einem bombensicheren Halt, die IP67-Zertifizierung garantiert Robustheit, die über den Alltag hinausgeht, und auch die zuverlässige Bedienung mit zwei frei belegbaren Druckknöpfen gefällt.
Das originelle Ladeetui setzt fraglos einen eigenständigen Akzent, macht das Entnehmen und Einlegen der Kopfhörer ohne das nötige Fingerspitzengefühl jedoch etwas unbequem. Punkte gibt es dafür in Sachen Akkulaufzeit, die sich dank des Cases auf stattliche 30 Stunden Gesamtspielzeit beläuft.
Am Ohr liefern die 12‑mm‑Treiber der Clips eine erfreulich breite Bühne mit kräftigen Bässen und klaren Stimmen – auch wenn sie es in den Mitten etwas an Präzision missen lassen. Der Schallverlust bleibt trotz gerichteter Lautsprecher für Außenstehende deutlich hörbar, dafür fällt aber die Sprachqualität beim Telefonieren überraschend gut aus.
Unterm Strich steht also: Wer belastbare und gleichzeitig klangstarke Open-Ear-Kopfhörer sucht, die im Alltag ebenso bequem zu tragen sind, wie sie selbst wilden Sport- oder sogar Tanzeinlagen trotzen, wird mit den Push 720 Open von Skullcandy fündig.
Die Skullcandy Push 720 Open True-Wireless-Open-Ear-Ohrhörer bekommt ihr für 119,99 Euro auf der Webseite des Herstellers.
:quality(90))