Obwohl sie inzwischen bereits seit über 20 Jahren im Geschäft ist und seither ihre Spuren vor allem im Brettsport hinterlassen hat, ist die Audiomarke Skullcandy in Deutschland noch vergleichsweise unbekannt. Das könnte sich demnächst aber ändern, denn für den neuen Method 360 ANC hat man sich auch hierzulande äußerst prominente Hilfe geholt.

Dieser wurde nämlich in Kooperation mit niemand Geringerem als Bose entwickelt und soll damit als Paradebeispiel für Skullcandys Motto „Premium-Sound für alle“ dienen. Der Method 360 ANC kommt aber nicht nur entsprechend klangstark daher, sondern auch in einem ungewöhnlichen Ladecase, das nicht dazu gemacht ist, ein Dasein in dunklen Hosentaschen oder Handtaschen zu fristen.

Weitere Merkmale sind Features wie das regulierbare Digital Active Noise Canceling nebst anpassbarem Stay-Aware-Modus, Bluetooth 5.3, Trageerkennung, Multipoint-Pairing zur Verbindung mit mehreren Geräten, eine hohe Akkulaufzeit plus Schnellladefunktion sowie eine umfassende App-Anbindung für weitere Geräteeinstellungen.

Ausstattung und Design

Mit Blick auf die Ohren ist das Sound-by-Bose-Feature sicherlich der technisch wichtigste Aspekt der In-Ears. Das augenscheinlich auffälligste Merkmal ist aber eindeutig das längliche Ladecase, das mit seinen Maßen 90 x 35 x 35 mm ein wenig anmutet wie eine Powerbank.

Geschützt durch eine vertikal gerippte Kunststoffoberfläche lässt sich das Innere nach oben herausschieben und bringt dabei eine Art Laderiegel zum Vorschein, in dessen beide Seiten die Ohrhörer gebettet werden. Mit dem Case in der Hand sind diese zwar Seitenverkehrt positioniert, was etwas verwirrend ist, hängt das Teil aber an der Klamotte, ergibt das Ganze wieder Sinn

An einer fest mit dem Case verbundenen und äußerst robust wirkenden Gummischlaufe befindet sich nämlich ein Karabinerring, der nicht nur zum Herausziehen der Ohrhörer praktisch ist, sondern auch der Befestigung am Rucksack, der Jacke oder der Hose dient. Das ist insofern sinnvoll, als dass sich das Case ob seiner Maße in der Tasche eher unbequem tragen lässt. Eine Designentscheidung, die zweifelsohne in die Kategorie Geschmackssache fällt.

Denn leider rechtfertigt Skullcandy die Größe nicht mit weiteren Features. Dabei wäre besagte Powerbank-Funktion durch einen entsprechend potenten Akku, der hier fraglos Platz gefunden hätte, doch naheliegend gewesen. So bleibt das Ladecase an den Klamotten baumelnd lediglich ein Accessoire für alle, die ihre Markentreue gerne zur Schau stellen – von der Ladefunktion für die Buds natürlich abgesehen.

Diese bringen es alleine auf rund neun Stunden Laufzeit mit ANC und etwa elf Stunden ohne Noise Canceling. Mit Ladecase kommen noch einmal 23 beziehungsweise 29 Stunden hinzu, sodass sich die maximale Gesamtlaufzeit auf 40 Stunden summiert. Ein beachtlicher Wert, der mit Blick auf die Case-Größe sicherlich aber auch hätte höher ausfallen können.

Im Notfall lässt sich dank der Schnellladefunktion innerhalb von gerade einmal zehn Minuten Strom für ganze zwei weitere Stunden in das Gerät pumpen. Die dazu nötige USB-C-Buchse befindet sich an der Unterseite des Cases, eine Signal-LED gibt Aufschluss über den Ladestand. Benutzt aber besser gleich ein eigenes USB-C-Kabel, denn das mitgelieferte ist mit gerade einmal acht Zentimetern lächerlich kurz ausgefallen.

Die Buds selbst sind so groß wie das Endglied eines Daumens, wiegen jeweils 11 Gramm und ermöglichen mit ihrem ovalen Design eine geräuschisolierende Passform, welche dem digitalen Noise Canceling zuspielt. Für festen und bequemen Halt sind die Method 360 Buds mit flexiblen Gelringen umfasst, die im oberen Bereich in Finnen auslaufen. Diese dienen einerseits der besseren Abdichtung des Gehörgangs, andererseits auch dem besseren Halt in der Ohrmuschel. Drei verschiedene Größen dieser sogenannten „Fit Fins“ liegen dem Lieferumfang bei, ebenso drei Paare Gelaufsätze für die Ohrhörerausgänge.

Hat man die richtige Kombination an Aufsätzen gefunden – sichtbare Einkerbungen im Gehäuse helfen beim korrekten Aufziehen –, sitzen die Buds äußerst angenehm im Ohr und dichten so schon gut ab, ohne dabei in irgendeiner Art und Weise zu drücken oder unangenehm aufzutragen. Dank der vier verbauten Mikrofone hat man nun die Wahl, ob man per ANC akustisch von seiner Umwelt abgeschnitten oder über den Stay-Aware-Modus mit ihr verbunden bleiben möchte. Darüber hinaus ist der Method 360 ANC nach IPX4-Standard schweiß- und wasserfest und damit ideal für Workouts oder Joggingrunden selbst bei schlechtem Wetter geeignet.

Bedienung und App

Werksseitig ist der Bedienumfang auf beiden Buds gespiegelt. Die Belegung der berührungssensitiven Flächen im Mittelsteg der sichtbaren Außenseite lässt sich über die App für jede Seite aber auch individuell konfigurieren. So haben wir beispielsweise unserer Gewohnheit entsprechend das Justieren der Lautstärke auf den linken Bud und die Track-Steuerung auf den rechten gelegt. Möglich ist dabei einmal, doppelt und dreifach zu drücken oder auch gedrückt zu halten, sodass auf jede Seite vier verschiedene Befehle entfallen. Vollkommen ausreichend also für den vollen Funktionsumfang auf Tastendruck.

Dabei ist es sogar möglich, eine der Befehlsoptionen für den Auslöser der Kamera zu reservieren, um die Buds zur Fernbedienung für Selfies umzufunktionieren. Auch das Aktivieren eines Sprachassistenten oder das vor allem für Abonnenten des Musikstreamingdienstes praktische Spotify-Tap-Feature stehen zur Auswahl, ebenso die Annahme beziehungsweise das Beenden oder Ablehnen von Telefonaten – dank Multipoint-Verbindung auch dann, wenn man auf einem anderen Gerät Musik hört oder Filme schaut.

Praktisch ist die bei Modellen in dieser Preisklasse alles andere als selbstverständliche Trageerkennung, welche die Wiedergabe stoppt, wenn man einen Bud herausnimmt, und auch wieder startet, wenn man ihn wieder hineinsteckt. Sehr cool ist, dass man alternativ auch mit nur einem Bud im Ohr weiterhören kann, indem man auf diesem einfach auf Play drückt. Hat auch nicht jeder In-Ear mit Trageerkennung.

Die Bedienung gerät dabei zuverlässig, die Befehle werden verzögerungsfrei und von akustischen Signalen begleitet umgesetzt. Sinnigerweise ist das Gehäuse der Buds so gestaltet worden, dass es sich im oberen Bereich zu einer gut zu ertastenden Rampe erhebt, welche den suchenden Finger direkt zur Touchfläche führt. Das darunter befindliche Firmenlogo ist zudem ein stilvoller Augenfang. Totenköpfe gehen schließlich immer.

Die Einrichtung ist dank Google Fast Pair auch ohne die dazugehörige App rasch erledigt. Letztere solltet ihr euch nicht nur wegen der freien Tastenbelegung dennoch herunterladen. Obacht allerdings: Skullcandy hat zwei Apps am Start. Für den Method 360 ANC zuständig ist dabei Skull-iQ, die andere verweigert die Verbindung.

Alles kein Beinbruch, zumal Skull-iQ einen vorbildlichen Auftritt hinlegt. Gern gesehen ist dabei natürlich zuvorderst der Equalizer, welcher uns neben drei vorgegebenen Presets auch ein eigenes Soundprofil zur Verfügung stellt, das wir über fünf Frequenzbänder unseren Wünschen nach anpassen. Interessant ist hierbei, dass Skullcandy sich dabei nicht der üblichen Hertz-Bezeichnung bedient, sondern klar verständlich und benutzerfreundlich von „Niedrig“ bis „Hoch“ spricht.

Ferner können wir auch über das Smartphone die Hörmodi wechseln und nur hier die Intensität von ANC und Wachmodus einstellen. Auch haben wir Zugriff auf einen dedizierten Spielmodus mit niedriger Latenz, den wir entweder dauerhaft zuschalten – was im alltäglichen Betrieb allerdings zulasten der Verbindungsqualität geht – oder auch nur für einzelne Sitzungen. Neben Infos und Einstellungen zu weiteren Features wie besagtem Spotify Tap oder dem Multipoint-Pairing wird uns ansonsten noch der Akkustand der Buds angezeigt, ebenso, ob Updates verfügbar sind.

Sound und ANC

Wenn man mit Bose als Partner in Sachen Sound wirbt, dann muss man auch abliefern. Und tatsächlich beweist der Method 360 ANC, dass hochwertige Audioqualität auch in dieser Preisklasse absolut möglich ist. Schon in seiner Grundeinstellung klingt der Sound aus den Buds äußerst ausgewogen: Unverzerrte Höhen und stabilen Mitten harmonieren mit einem angenehm präsenten Bass, der sauber auf den Punkt kommt, ohne auszufasern.

Normalerweise legen wir eigentlich immer direkt Hand an den Equalizer, in diesem Falle gefällt uns das Musik-Preset allerdings außerordentlich gut, weiß es sich von vielstimmigen orchestralen Stücken bis hin zu schrammeligen E-Gitarren doch auf breiter akustischer Flur zu behaupten.

Nun ist Skullcandy aber nun mal Skullcandy, und wer Skullcandy kennt, weiß: Skullcandy kann Bass! Und das beweisen die Utahns spätestens wenn man in den Bass-Boost wechselt. Dann wirken die Tiefen zwar künstlich aufgesetzt und tragen viel zu dominant auf, es ist allerdings erstaunlich, wie kraftvoll diese kleinen Buds im Ohr wummern.

Wer satten Bass mag, wird es zu schätzen wissen. Wer damit hingegen so gar nichts anfangen kann, dreht die Tiefen im Podcast-Modus auf ein Minimum herunter, was – die Bezeichnung verrät es bereits – Musiktracks zwar ihrer Tiefe beraubt, Stimmen dafür aber besser hervorhebt. Schade anbei, dass man die dumpfe und etwas zu laute Roboterstimme nicht abschalten kann, welche den Moduswechsel unbeirrt kommentiert. Das übrigens auch, wenn man zwischen den Hörmodi hin- und herspringt.

Die Geräuschunterdrückung schlägt sich für In-Ears vor allem im Tieftonbereich recht wacker und blendet Straßengeräusche oder Gespräche in einem belebten Umfeld gut aus. Federn lässt sie jedoch bei höheren Tonlagen, sodass euer Autor beispielsweise die Tippgeräusche auf seinem Keyboard beim Schreiben dieser Zeilen oder auch das Klicken auf der Maus noch deutlich durch die Buds hindurch hören kann. Zudem ist ohne laufende Musik ein schwaches Rauschen zu vernehmen, welches jedoch kaum stört.

Auch der geräuschdurchlässige Stay-Aware-Modus fällt durch ein Hintergrundrauschen auf – hier allerdings etwas intensiver. Ansonsten werden Außengeräusche angenehm klar und unverfälscht ans Ohr getragen, sodass man die Buds für Gespräche nicht aus den Ohren zu nehmen braucht.

Mit Blick auf die Telefonie spricht der Hersteller von Features wie „Natural Voice Sidetone“ oder einem smarten „Clear Voice“-Mikrofon. Ersteres soll Okklusion entgegenwirken – also „dem Gefühl eines verstopften Ohrs, das die Wahrnehmung der eigenen Stimme beim Tragen von Kopfhörern verändern kann“ –, letzteres Hintergrundgeräusche reduzieren, um unsere Stimme klar zu übertragen. Grundsätzlich klappt das auch ganz gut, unsere Gesprächspartner empfanden die Übertragungsqualität allerdings als etwas dumpf.

Fazit

Skullcandy verspricht in Kooperation mit Audiospezialist Bose nicht nur „Premium-Sound für alle“, sondern liefert mit dem neuen Method 360 ANC auch ab. Schon in seiner Grundeinstellung setzt der In-Ear ein akustisches Statement, das man so eher in höheren Preisklassen erwarten würde.

Klare Höhen, griffige Mitten und ein ebenso satter wie präziser Bass stehen hier sauber in Reih und Glied und geben Musik auf breiter Genre-Flur stets sauber akzentuiert wieder. Wer es etwas brutaler mag, wechselt in den überraschend effektiven Bass-Modus, den man in dieser Form bei einem kleinen In-Ear nicht erwarten würde.

Zwar fällt das Design des bewusst klobigen Ladecases ganz klar unter Geschmackssache, zumal es seine Dimensionen nicht durch zusätzliche Features zu nutzen weiß, dafür tragen sich die qualitativ hochwertigen Buds auch auf Dauer angenehm unaufdringlich und sitzen dabei sicher in den Ohren. Weiterhin punktet der Method 360 ANC durch umfängliche Bedienbarkeit, hohe Akkulaufzeit, solide Geräuschunterdrückung und digital gestützte Stimmübertragung beim Telefonieren.

Alles in allem bekommt man hier zu einem äußerst fairen Preis also einen robusten ANC-In-Ear-Kopfhörer mit hohem Tragekomfort, der für alle Fälle gewappnet ist und vor allem in Sachen Sound die Extrameile geht.

Den Skullcandy Method 360 ANC bekommt ihr für 119,99 Euro in den Farbvarianten Leopard, True Black, Primer, Bone oder Plasma auf der Webseite des Herstellers oder auch hier auf Amazon.