Gadgets gegen die Sommerhitze gibt es so einige. Wirklich alltagstaugliche Lösungen für unterwegs findet man allerdings eher selten. Am besten hilft erfahrungsgemäß etwas Eis oder ein Kühlpack im Nacken – und genau das macht sich Sonys neues Wearable zunutze.
Neu ist dabei eigentlich nicht der richtige Begriff, denn das REON Pocket gibt es schon seit einigen Jahren. Es folgten diverse Weiterentwicklungen, die schließlich im REON Pocket Pro mündeten, bevor Sony nun mit dem REON Pocket Pro Plus erneut nachbessert. Das Prinzip bleibt aber gleich: Das Wearable wird im Nackenbereich unter der Kleidung getragen und soll den Körper per Thermomodul gezielt kühlen oder – und das hat es anderen mobilen Kühllösungen voraus – bei Bedarf auch wärmen.
Mit dem neuen Plus-Modell widmet sich Sony nun mehreren Kritikpunkten des Vorgängers. Das neue Gerät liefert mehr Kühlleistung, besseren Halt, einen leiseren Lüfter und ein flexibleres Luftstromsystem. Wir haben uns angeschaut, wie gut das Upgrade funktioniert und ob es Sony gelungen ist, das ungewöhnliche Konzept endgültig alltagstauglich zu machen.

Design & Tragekomfort
Das REON Pocket Pro Plus sitzt wie schon seine Vorgänger unter der Kleidung am oberen Rücken beziehungsweise Nacken. Abermals verlaufen zwei flexible Bügel um den Hals und halten das eigentliche Thermomodul an Ort und Stelle. In Sachen Tragekomfort hat Sony beim Plus-Modell allerdings spürbar nachgebessert.
Der neue „Adaptive Hold“-Bügel sitzt stabiler am Körper und drückt das Gerät nun kontrollierter und gleichmäßiger an Rücken und Nacken, ohne dabei härter oder unbequemer zu wirken. Dadurch verrutscht das Plus-Modell seltener als der Vorgänger und erhält den Kontakt zur Haut wesentlich zuverlässiger.
Perfekt ist der Halt jedoch noch immer nicht – immerhin hängt ein rund 275 Gramm schweres Gerät lediglich an zwei Bügeln mit einem Durchmesser von 5 mm, die man sich um den Hals biegt. Zwar folgt die Form des Thermomoduls grundsätzlich dem Nackenbereich, es dauert jedoch etwas, bis man den für sich idealen Sitz gefunden hat. Hinzu kommt, dass die Passform natürlich auch vom eigenen Körperbau abhängt.

Zwar ist das eigentliche Thermomodul leicht geschwungen, der zentrale Gerätetorso selbst bleibt aber dennoch starr und kann nicht angepasst werden. Bei sehr schlanken Menschen oder Nutzern mit deutlich hervortretender Wirbelsäule sitzt das REON Pocket Pro Plus deshalb nicht ganz so sauber und vollflächig am Nacken an wie bei kräftigerem Körperbau. Insgesamt wirkt das System aber dennoch deutlich ausgereifter als zuvor.
Von vorne bleibt das Gerät – von den Bügeln natürlich abgesehen – weitgehend unsichtbar. Von hinten zeichnet sich unter enger Kleidung aber zwangsläufig ein kleiner Buckel des an der breitesten Stelle drei Zentimeter dicken Gerätes ab. Zudem ragt ein kleiner „Schlot“ als Luftablass aus dem Kragen heraus.
Zwei Aufsätze stehen hier zur Verfügung, um die Abluft an unterschiedliche Kleidung anzupassen – der kurze Aufsatz eignet sich für T-Shirts, ein längerer mit verstellbarem Kippgelenk für Kleidung mit höherem Kragen. Die Aufsätze lassen sich ganz einfach abziehen, indem man sie unten zusammendrückt, und entsprechend schnell tauschen.

Liegt das REON Pocket Pro Plus dann schließlich am Körper, gewöhnt man sich überraschend schnell an das Tragegefühl. Natürlich bleibt das Gerät mit Blick auf Gewicht und Dimensionen präsent, vor allem wenn man sich auf seinem Platz im Zug oder auf dem Bürostuhl zurücklehnt, es stört aber deutlich weniger, als man zunächst erwarten würde. Tatsächlich ist es im Alltag sogar recht bequem zu tragen – zumal es uns dabei ja auch einen wertvollen Dienst erweist.
Kühlung & Heizfunktion
Denn der eigentliche Star ist und bleibt natürlich die Kühlfunktion. Sony nutzt weiterhin ein sogenanntes Peltier-Element, das eine Metallplatte, die direkt am Nacken aufliegt, herunterkühlt. Das Prinzip funktioniert also nicht wie ein klassischer Ventilator, sondern erinnert eher an ein dauerhaft gekühltes Kühlpad auf der Haut. Und das fühlt sich an heißen Tagen äußerst angenehm an.
Natürlich muss man hier relativieren: Das REON Pocket Pro Plus ist keine „mobile Klimaanlage“ für den ganzen Körper. Wer erwartet, bei 32 Grad plötzlich komplett trocken und tiefenentspannt durch die vor Hitze wabernde Innenstadt zu laufen, wird vermutlich enttäuscht sein. Die Kühlung bleibt lokal auf den Nacken- und oberen Rückenbereich beschränkt.

Dennoch hat dieser Effekt einen signifikanten Einfluss auf das allgemeine Körpergefühl. Besonders in stickigen Büros, überfüllten Zügen oder bei sommerlichen Pendelwegen wirkt die punktuelle Kühlung wie eine echte Wohltat.
Das Plus-Modell arbeitet dabei effektiver als sein Vorgänger. Sony verspricht bis zu 20 Prozent mehr Kühlleistung und eine um bis zu zwei Grad niedrigere Temperatur der Kühlplatte. Zwar lässt sich das mit unseren Testmitteln nicht kommagenau auf den Prüfstand stellen, in der Praxis wirkt die Kühlung aber sehr direkt, offensiv und vor allem verblüffend schnell nach dem Einschalten, ohne unangenehm künstlich zu wirken.
Besonders nützlich ist die intelligente SMART-COOL-Steuerung. Zusammen mit dem beiliegenden REON Pocket Tag 2-Sensor, den man sich einfach wie einen Schlüsselanhänger an die Kleidung oder den Rucksack klemmt, analysiert das System Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Bewegung und in gewissem Maß sogar Sonneneinstrahlung. Die Kühlleistung wird anschließend automatisch an die von uns zuvor via App festgelegte Wohlfühltemperatur angepasst.

Im Alltag funktioniert das zuverlässig und erspart manuelles Justieren, was ohne Smartphone natürlich etwas umständlich wäre – immerhin sitzen die Bedienelemente am Gerät und damit im Nacken. Schade eigentlich, dass man mit dem Pocket Tag keine Einstellungen im Stile einer Fernbedienung vornehmen kann.
Und bei alledem wollen wir natürlich nicht unerwähnt lassen, dass das Wearable auch im Winter sehr nützlich ist. Neben der Kühlung bietet das REON Pocket Pro Plus nämlich auch mehrere Wärmestufen. Und hier reagiert das Gerät ebenfalls innerhalb weniger Sekunden und heizt dann recht ordentlich. Tastet euch also besser nach und nach an die höchste Stufe heran.
Klugerweise lässt sich die SMART-COOL-Steuerung in der App für unterschiedliche Bedingungen festlegen. Dazu gehört auch, dass das REON Pocket Pro Plus je nach registrierten Bedingungen automatisch zwischen Kühl- und Wärmfunktion umschaltet. Wir sind zwar bisher in keine Situation geraten, in der das nötig gewesen wäre – wenn man es aber mal braucht, ist es natürlich superpraktisch.

Bedienung & App
Die eigentliche Bedienung erfolgt entweder direkt am Gerät oder über die REON-Pocket-App für Android und iOS. Und ohne Umschweife: Die App ist definitiv die angenehmere Lösung.
Zwar besitzt das Gerät an beiden Seiten mehrere physische Tasten für Temperatur, Smart-Modus und Heiz-/Kühlwechsel, wirklich komfortabel erreichbar sind diese unter der Kleidung aber natürlich nicht. Gerade unterwegs endet das entweder in verrenktem Herumgenestel am Kragen oder aber man muss das Thermodevice abnehmen und anschließend wieder unter der Kleidung in Position bringen.
Die Smartphone-App macht das Ganze wesentlich bequemer. Die Temperaturen lassen sich manuell in fünf Stufen anpassen, wahlweise wechseln wir auf die erwähnten Smart-Modi und lassen das Gerät automatisch arbeiten. Zudem reagiert das System praktisch verzögerungsfrei auf Eingaben.

Hier stoßen wir auch Firmware-Updates an, haben einen Blick auf Akku und Sensordaten, passen die Wunschtemperatur im Smart-Modus an und verwalten die automatische Trageerkennung. Ähnlich wie bei Kopfhörern erkennt das Gerät nämlich, ob es getragen wird, und schaltet seine Kühl-/Wärmefunktion beim Abnehmen auf Wunsch automatisch ab.
Alltagstauglichkeit und Akku
Damit das REON Pocket Pro Plus seinen Dienst tun kann, bedarf es eines konstanten Luftstroms. Und das bleibt mit Blick auf das Ansaugen im unteren Bereich und den Ausstoß oben nicht ganz ohne Geräusche.
Im normalen Büroalltag arbeitet der Lüfter selbst auf höheren Stufen angenehm zurückhaltend und ist praktisch nicht wahrnehmbar. Kuschelt man sich jedoch tief ins Sofa oder kommt zurückgelehnt in seinem Gaming-Stuhl ins Schwitzen, dann muss das Wearable hörbar pumpen. Das Lüfterrauschen fällt dann direkt an den eigenen Ohren deutlich stärker auf als beim normalen Herumlaufen, für Außenstehende bleibt das Gerät aber leise genug, um nicht ernsthaft zu stören.

Gerade im Vergleich zu klassischen Nackenventilatoren oder tragbaren Lüftern wirkt Sonys Lösung zudem deutlich diskreter und vor allem hochwertiger. Zumindest mit Blick auf die generelle Ausrichtung des Produkts, das sich klar an Pendler, Büroarbeiter, Messebesucher oder generell hitzeempfindliche Menschen richtet. Für Sport oder intensive Bewegung bleibt das Ganze dagegen auch in der Plus-Ausführung nur bedingt geeignet. Zwar sitzt das neue Modell stabiler als der Vorgänger, bei viel Bewegung oder häufigem Bücken verrutscht es dann aber doch zu häufig.
Beim Akku liefert Sony solide Werte ab. Je nach Intensität und Modus hält das REON Pocket Pro Plus mehrere Stunden bis hin zu einem kompletten Arbeitstag durch. Während im Smart-Cool-Modus bis zu 15 Stunden möglich sind, reduziert sich die Laufzeit bei dauerhaft maximaler Temperierung auf fünf bis sechs Stunden – dafür ist der Effekt dann aber auch entsprechend intensiv. Ist man hingegen mit minimaler Kühlung oder Wärme unterwegs, sind sogar bis zu 30 Stunden drin. Weniger überzeugend gestaltet sich indes die Ladezeit. Rund drei Stunden bis zur vollständigen Ladung – das wirkt inzwischen ein wenig aus der Zeit gefallen.

Fazit
Das REON Pocket Pro Plus ist vermutlich noch immer eines der ungewöhnlichsten Gadgets, die Sony aktuell verkauft – gleichzeitig aber auch eines, das zuverlässig für „Lass mich auch mal probieren“-Kommentare sorgt.
Die Idee einer tragbaren Klimaregulierung klingt zunächst nach Zukunftsmusik, macht den Alltag bei Hitze oder Kälte aber schon heute spürbar angenehmer. Mit dem Plus-Modell beseitigt Sony zudem mehrere Schwächen des Vorgängers. Der stabilere Sitz, die stärkere Kühlung, die flexiblere Wärmeableitung und der leisere Betrieb machen das System deutlich praxistauglicher. Bewährt praktisch bleibt zudem die automatische Sensorsteuerung über den Pocket Tag.
Und doch bleibt das REON Pocket Pro Plus ein Nischenprodukt. Das Gerät ersetzt keine echte Klimaanlage, kühlt weiterhin nur lokal und ist mit rund 229 Euro alles andere als günstig. Zudem sitzt das starre Thermomodul je nach Körperbau unterschiedlich gut am Nacken, zeichnet sich dort als kleiner Buckel unter der Kleidung ab und die rund drei Stunden Ladezeit fallen ungewöhnlich lang aus. Dafür zeigen sich der Akku im Alltag erfreulich ausdauernd und die Bedienung per App angenehm übersichtlich.
Wer also mit Sommerhitze oder Winterkälte schlecht zurechtkommt und viel unterwegs ist, bekommt hier ein Wearable, das das persönliche Wohlbefinden im Alltag spürbar verbessern kann.
Das Sony REON Pocket Pro Plus bekommt ihr für 229,00 Euro auf der Webseite des Herstellers.
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