Nintendo Switch, Steam Deck, PlayStation Portal und eine unüberschaubare Auswahl an tragbaren Gaming-PCs – mobiles Spielen ist en vogue. Da die kleinen Kisten bauartbedingt jedoch keinen wirklich guten Sound haben – und man im Zug ja auch niemanden stören will – sind möglichst kompakte Audio-Lösungen mit niedriger Latenz, effektivem ANC und vernünftigem Klang hier enorm wichtig.
Und da kommen Gaming-Earbuds ins Spiel. Ein noch recht junges Untergenre im Bereich der Kopfhörer, das mit den neuen Razer Hammerhead V3 HyperSpeed frischen Zuwachs erhält. Die In-Ears kombinieren Razers HyperSpeed-Wireless-Technologie mit Bluetooth 6.0, Hybrid-ANC, THX Spatial Audio und einem ungewöhnlichen Ladecase, das gleichzeitig als 2,4-GHz-Empfänger fungiert.
Auf dem Papier klingt das nach einem umfangreichen Gesamtpaket für PC- und Konsolenspieler. Und im Alltag hinterlassen die Hammerhead V3 HyperSpeed dann auch tatsächlich einen starken Eindruck. Allerdings zeigen sich im Detail einige Eigenheiten, die dann doch etwas störend auffallen. Aber von vorne …

Ausstattung & Design
Optisch orientieren sich die Razer Hammerhead V3 HyperSpeed an der bisherigen Hammerhead-Reihe, die mit dem nach unten gezogenen Steg an Apples AirPods erinnert. Das Ladecase kommt mit seiner matten Oberfläche auf den ersten Blick schlicht und unauffällig daher, zeigt mit der segmentierten LED-Anzeige dann aber doch eine verspielte und gleichzeitig informative Seite.
Die Earbuds selbst setzen auf einen glänzenderen Kunststoff-Look mit dem bekannten Razer-Logo auf den Touchflächen. Das sieht gut aus und macht einen hochwertigen Eindruck, wenn sich das Einlegen und Herausnehmen der Buds aus dem schlanken Case auch etwas fummelig gestaltet.

Mit rund 5,6 Gramm pro Earbud gehören die Hörer nicht zu den leichtesten Vertretern ihrer Klasse, tragen sich im Ohr aber sehr bequem und stabil. Während die Earbuds insgesamt recht kompakt wirken, sitzen sie durch ihre vergleichsweise breite Bauform im Ohr etwas präsenter als etwa Sonys Inzone Buds oder SteelSeries’ Arctis GameBuds.
Wer größere Ohren hat, dürfte mit den Hammerheads vermutlich gut zurechtkommen. Nutzer mit kleineren oder empfindlicheren Gehörgängen sollten sich hingegen durch die verschiedenen Silikonaufsätze testen, bis die Hörer wirklich angenehm sitzen. Wir nehmen an dieser Stelle mal vorweg, dass ein Passformtest in der Smartphone-App hier zu helfen versucht – es diesem allerdings recht zu machen, ist allerdings gar nicht so leicht.

Während das Ladecase bei der Konkurrenz meist nur als Tankstelle fungiert, verfolgt Razer mit den Hammerhead V3 HyperSpeed einen ungewöhnlichen Ansatz: Der kompakte USB-C-HyperSpeed-Dongle wird direkt im Case verstaut. Gleichzeitig fungiert das Ladecase selbst als 2,4-GHz-Empfänger, sobald der Dongle eingesetzt und das Case per USB-C angeschlossen wird.
Das mag zunächst nach einem unwichtigen Detail klingen, entpuppt sich im Alltag aber als ziemlich clevere Lösung. Zum einen reduziert sich dadurch das Risiko, den kleinen Dongle in Taschen, Sitzritzen oder Rucksäcken zu verlieren. Zum anderen wird das Case während des Spielens mit Strom versorgt. Auf langen Touren mit einem Handheld ist das ausgesprochen praktisch.
Die Buds sind außerdem nach IPX4 zertifiziert, was bedeutet, dass sie Schweiß, Regen und alltäglichen Spritzern problemlos standhalten.

Bedienung & App
Die Steuerung erfolgt über Touchflächen an den Außenseiten der Earbuds. Diese reagieren zwar zuverlässig und direkt, allerdings ist das Steuerungs-Layout aus unserer Sicht etwas unpraktisch. Dabei stört uns insbesondere das Erhöhen und Senken der Lautstärke durch einen Doppeltipp mit anschließendem Gedrückthalten der Fläche. Das ist wenig intuitiv und sorgt immer wieder für Fehleingaben. Leider lässt sich die Steuerung weder in der Razer-Audio-Smartphone-App noch in der dedizierten PC-Software Razer Synapse 4 anpassen.
Speziell die App am Smartphone wirkt ohnehin sehr auf das Wesentliche reduziert, was abgesehen von der fehlenden Gesten-Individualisierung aber nicht unbedingt stört. Etwas mehr, aber immer noch überschaubare Möglichkeiten haben wir am PC, wo umfangreiche EQ-Anpassungen, virtuelle 7.1.4-Surround-Funktionen und diverse Klangprofile zur Verfügung stehen. Die Hammerhead V3 HyperSpeed unterstützen grundsätzlich THX Spatial Audio über Synapse 4. Im Test erwies sich die Funktion allerdings als etwas verwirrend kommuniziert, da zusätzliche Software und ein separater Aktivierungscode erforderlich sind.

Vorteil der Smartphone-App wiederum: Wir können prüfen lassen, wie gut die Buds im Ohr sitzen und das ist wichtig für ein effektives ANC. Wir hatten allerdings so unsere Probleme, den optimalen Sitz zu ermitteln. Egal welche Aufsätze, eine Seite wollte nie so recht abdichten. Wir führen diesen Effekt auf eine etwas überempfindliche Ohrerkennung zurück, die auch im alltäglichen Gebrauch durch vereinzelte Fehlinterpretationen auffiel und die Wiedergabe gelegentlich ungewollt deaktivierte.
Nun lässt sich die Trageerkennung im Zweifelsfall auch deaktivieren, setzt euch aber ruhig ein wenig mit dem Passform-Assistenten auseinander, denn das ANC-Feature ist im Falle der Hammerhead V3 HyperSpeed ein entscheidender Punkt. Denn …

ANC & Transparenzmodus
… das Active Noise Cancelling ist für Gaming-Earbuds in dieser Preisklasse sehr beeindruckend. Vor allem tiefe und konstante Geräusche wie Lüfter, Straßenverkehr oder Klimaanlagen werden effektiv reduziert. Gerade im Alltag oder unterwegs erzeugen die Earbuds dadurch eine angenehm abgeschirmte Klangkulisse. Im direkten Vergleich spielen die Hammerhead V3 HyperSpeed problemlos auf dem Niveau deutlich teurerer Modelle.
Auch der Transparenzmodus ist ausgesprochen stark, in diesem Falle jedoch mehr als ihm gut täte. Hier kommen die Hammerhead V3 HyperSpeed übertrieben aggressiv abgestimmt daher, so dass selbst leise Nebengeräusche plötzlich extrem präsent wirken – von der eigenen Stimme ganz zu schweigen. Hinzu kommt ein stetes Mikrofonrauschen.

Das eigentliche Problem dabei: Bislang fehlt schlicht eine Möglichkeit, die Intensität anzupassen. Technisch betrachtet beweist der Transparenzmodus zwar, dass die Earbuds offensichtlich sehr gute Mikrofone besitzen – genau deshalb fällt die übertriebene Verstärkung überhaupt erst so deutlich auf. In der Praxis wirkt das Ergebnis aber eher unangenehm.
Hier wäre dringend ein Firmware-Update mit regelbarer Intensität nicht nur wünschenswert, sondern auch nötig.
Klangqualität und Mikro
Klanglich liefern die Hammerhead V3 HyperSpeed eine starke Vorstellung ab. Razer setzt auf einen leicht V-förmigen Klangcharakter mit kräftigem Bassfundament und leicht angehobenen Höhen. Das ist vielleicht nicht die neutralste Abstimmung für audiophile Musikliebhaber, funktioniert für Gaming aber ausgesprochen gut.

Explosionen besitzen ordentlich Druck, Effekte wirken dynamisch und gleichzeitig bleiben Schritte oder Richtungsinformationen ausreichend präzise ortbar. Besonders an PC und PS5 profitieren Spiele mit guter Raumakustik deutlich vom räumlichen Klangbild.
Im Musikbetrieb zeigen die Earbuds ebenfalls eine solide Vorstellung. Die Mitten könnten stellenweise etwas präsenter sein, Stimmen bleiben aber angenehm klar und verständlich. Nach kleineren EQ-Anpassungen gewinnen die Hörer außerdem spürbar an Dynamik.
Überraschend stark fällt zudem die Wireless-Performance aus. Razers HyperSpeed-Technologie gehört ohnehin zu den stabileren Low-Latency-Lösungen im Gaming-Bereich und das merkt man auch hier. Selbst in funkintensiven Umgebungen blieb die Verbindung im Test ausgesprochen stabil. Aussetzer oder größere Verzögerungen traten weder an der PS5 noch an der Switch 2 oder am PC nennenswert auf.

Wie bereits angedeutet überzeugen die In-Ear-Gaming-Kopfhörer der Hammerhead V3 HyperSpeed mit einer auffällig guten Mikrofonqualität. Stimmen werden klar und ausreichend laut übertragen, sodass Sprachchat auf Discord, PS5 oder Switch problemlos funktioniert. Fraglos ersetzt das kein dediziertes Headset-Mikrofon, für kompakte Earbuds fällt die Qualität aber erfreulich ordentlich aus. Hintergrundgeräusche werden zudem recht zuverlässig reduziert.
Akkulaufzeit
Auch bei der Akkulaufzeit liefern die Hammerhead V3 HyperSpeed eine starke Vorstellung ab. Bis zu zehn Stunden Laufzeit ohne Nachladen sind für Gaming-Earbuds recht ordentlich. Zusammen mit dem Ladecase sind bis zu 40 Stunden möglich.

Im Alltag schwankt die tatsächliche Laufzeit in Abhängigkeit von ANC, Lautstärke und Verbindungsmodus natürlich, während unserer Testzeit erwiesen sich die Earbuds aber als ausgesprochen ausdauernd. Selbst längere Gaming-Sessions oder Arbeitstage inklusive Musik und Videostreaming bringen die Hammerhead V3 HyperSpeed kaum ins Schwitzen.
Praktisch bleibt zudem die Möglichkeit, das HyperSpeed-Case während des Betriebs direkt per USB-C angeschlossen zu lassen, um es dauerhaft mit Strom zu versorgen. Selbstverständlich müssen die Buds selbst zum Laden weiterhin eine Pause in der Box einlegen, innerhalb von 15 Minuten stehen allerdings bereits wieder rund drei Stunden Spielzeit zur Verfügung. Das vollständige Aufladen von Ladecase und Earbuds nimmt ungefähr anderthalb bis zwei Stunden in Anspruch.

Fazit
Die Hammerhead V3 HyperSpeed sind ausdauernde Gaming-Earbuds mit starkem ANC, einem cleveren Ladecase und einer sehr überzeugenden Klangqualität. Für kompakte In-Ears liefern sie zudem eine auffällig weite Klangkulisse mit guter Räumlichkeit und spielen ihre Stärken bei Spielen mit atmosphärischer Soundkulisse oder auch der reinen Musikwiedergabe entsprechend selbstbewusst aus.
Gleichzeitig fällt an mehreren Stellen aber auch auf, dass die Software-Abstimmung noch etwas Feinschliff gebrauchen könnte. Der sensible Ohrsensor, die fehlende Gestenanpassung und der extrem aggressive Transparenzmodus kosten unnötig Sympathiepunkte. Mit ein paar gezielten Firmware-Updates könnten die Hammerhead V3 HyperSpeed aber problemlos zu den besten Gaming-Earbuds ihrer Klasse werden.
Wer hauptsächlich am PC spielt, erhält nämlich ein sehr starkes Gesamtpaket mit hervorragender Wireless-Performance und richtig gutem Klang. Auch Konsolenspieler bekommen starke Earbuds, müssen aber mit kleineren Einschränkungen beim Funktionsumfang leben.
Die Razer Hammerhead V3 HyperSpeed bekommt ihr für 139,99 Euro auf der Webseite des Herstellers oder auch hier auf Amazon.
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