Es ist kein Geheimnis, dass der Arbeitsplatz am Schreibtisch ein Berufsrisiko in sich birgt. Das dauerhafte Arbeiten am PC begünstigt eine Vielzahl von Erkrankungen des Muskel- und Bewegungsapparats, weshalb man schon davon spricht, dass Sitzen das neue Rauchen sei.

Um den schädlichen Folgen seines Arbeitsplatzes vorzubeugen, bedarf es nun nicht nur eines regelmäßigen Kontrastprogramms abseits des Schreibtisches, auch unser Mobiliar und Werkzeug sollten idealerweise ergonomischen Ansprüchen genügen – also an die Bedürfnisse und Fähigkeiten des menschlichen Körpers angepasst sein.

Ergonomische Stühle sind mit Blick auf den Arbeitsschutz mittlerweile fast schon Standard, Tische, die sich in der Höhe verstellen lassen, im Kommen. Tastaturen und Mäuse mit ergonomischem Design stellen hingegen noch ein Nischensegment dar, da sie von vielen als ungewohnt und sperrig wahrgenommen werden.

Um ehrlich zu sein, ging es auch uns so. Unser Test der EM05 NL aus dem Hause ProtoArc hat jedoch gezeigt, wie sehr sich eine kurze Phase der Einarbeitung lohnen kann und dass man am Ende sogar noch Platz auf dem Schreibtisch spart.

Maus mal anders

Bei der EM05 NL handelt es sich um eine kabellose Trackball-Maus mit vertikalem Aufbau. Hier kommen also gleich zwei Designelemente zum Tragen, um die Belastung von Hand, Arm und Schulter zu reduzieren.

Zum einen legt man seine Hand um das Gerät, anstatt darauf.

Die Hand befindet sich damit in der sogenannten „Handshake-Position“, was die Verdrehung des Unterarms reduziert und die Muskeln, Sehnen und Nerven im Handgelenk entlastet. Außerdem beugt es Druck auf den Karpaltunnel und damit dem berüchtigten Karpaltunnelsyndrom vor. Der Vorteil: weniger Muskelverspannungen in Unterarm, Schulter und Nacken, eine geringere Belastung bei längerer Nutzung, eine bessere Durchblutung im gesamten Arm.

Zum anderen wird der Zeiger mit dem Trackball gesteuert.

Das wiederum hat den Vorteil, dass man die Maus nicht über den Tisch bewegen muss – der Zeiger wird allein durch den Daumen oder Finger über den Trackball bewegt. Somit bleibt der Arm in Ruheposition, was Schulter und Ellenbogen deutlich entlastet und Muskelverspannungen im Nacken- und Schulterbereich vorbeugt. Ideal also bei Schulterbeschwerden oder eingeschränkter Beweglichkeit.

Mit der Kombination aus vertikalem Aufbau und Trackball ist die EM05 NL ein echter Exot unter den Mäusen, die im ergonomischen Sektor üblicherweise nur einen dieser beiden Aspekte umsetzen. Und ja, auch wir waren anfangs skeptisch, ob das Ganze im beruflichen Alltag wirklich funktionieren kann, stellt diese Art der Maussteuerung nach Jahrzehnten der Arbeit mit klassischen Geräten doch einen krassen Umbruch dar.

Ohne den Anspruch an einen fundierten Test hätten wir uns – wie so viele andere wohl auch – sicherlich nicht an die EM05 NL herangewagt, sind inzwischen aber sehr froh, diese Gelegenheit bekommen zu haben. Denn wir können euch schon jetzt verraten, dass die Eingewöhnungsphase erstaunlich kurz ist und es sich danach ungemein bequem arbeiten lässt – und das nicht nur unter ergonomischen Gesichtspunkten.

Ausstattung und Features

Die EM05 NL gibt es wahlweise mit einem roten oder einem schwarzen Trackball. Der Torso besteht in beiden Varianten aus einem schwarzen Kunststoff mit geschmeidiger Oberfläche, die sich äußerst angenehm anfühlt. Das vertikale Design hat einen Neigungswinkel von 62 Grad und liegt gut in der Hand. Der Handballen ruht auf einem gerippelten Ausläufer, die Finger an den Tasten an der rechten, der Daumen auf dem Trackball an der linken Seite. Für uns fühlt sich die Haltung äußerst natürlich an, Menschen mit größeren Händen könnten aber sicherlich Probleme mit der Bedienung haben. Hier also einmal eine Referenz vom Hersteller:

Das Tastenlayout an der rechten Flanke setzt sich aus den üblichen zwei großen Links- und Rechts-Tasten und einem silbrig abgesetzten und gerändelten Scrollrad dazwischen zusammen, hinter dem wiederum ein orangefarbener Button ausschließlich dem Wechsel zwischen fünf voreingestellten DPI-Werten dient. Der DPI-Wert (Abkürzung für Dots Per Inch) gibt an, wie empfindlich bzw. wie schnell der Mauszeiger auf Bewegungen der Maus reagiert. Hohe DPI-Werte ermöglichen schnelle Bewegungen, geringe Einstellungen erlauben feinste Steuerung.

Im oberen Bereich spendiert ProtoArc zudem noch zwei kleine Vor- und Zurück-Buttons. Der Anschluss für das mitgelieferte USB-Kabel zum Laden befindet sich in einer Bucht im unteren Bereich vorne am Gerät. Spannend ist außerdem ein Blick auf die Unterseite, wo der Hersteller den USB-Dongle für die 2,4-GHz-Funkverbindung verbirgt. Außerdem finden wir hier neben dem On-Off-Switch noch einen Wechselschalter für die Verbindungsart.

Neben der Funkverbindung beherrscht die EM05 NL nämlich auch Bluetooth – und das auf sogar gleich zwei Kanälen. Das bedeutet, dass man mit der Maus drei Geräte steuern und jederzeit bequem etwa zwischen PC, Mac und Tablet hin und her wechseln kann, was in der Praxis auch problemlos klappt.

In Sachen Stromversorgung kommt ein 500-mAh-Akku zum Einsatz, der laut Hersteller eine Standby-Zeit von 200 bis 250 Tagen ermöglicht – seht es uns nach, dass wir uns nicht die Zeit genommen haben, das zu überprüfen. Was wir aber sagen können, ist, dass die EM05 NL bei täglicher Benutzung problemlos eine Woche ihren Dienst verrichtet hat, bevor ein schwer zu erkennendes Licht uns daran erinnert hat, das Gerät zu laden.

Die Ladestandsleuchte ist nämlich unter dem Scrollrad verborgen und nur durch den Schlitz zwischen den Tasten zu sehen. In der alltäglichen Arbeit ist sie somit von uns als Benutzer abgewandt und selbst dann nicht zu sehen, wenn sie blinkt. Ein Designfauxpas, der mit einer besser positionierten Leuchtanzeige besser hätte gelöst werden können. Denn eine App oder sonstige Anzeigen über den Akkustand gibt es leider nicht, weshalb man nie so recht weiß, wie viel Saft noch in dem Gerät steckt, bis es plötzlich blinkt.

Dafür funktioniert die Maus aber auch mit angeklemmtem Kabel, sodass man beim Laden einfach weiterarbeiten kann, bis das Gerät nach maximal 3,5 Stunden wieder voll geladen ist. Da man die EM05 NL ohnehin nicht bewegt, stört das Kabel währenddessen auch weit weniger als bei klassischen Mäusen.

Die EM05 NL in der Praxis

Machen wir uns nichts vor: Am ersten Testtag hatten wir noch so einige Probleme, unsere Standardarbeiten am Rechner zu bewältigen. Zwar erwies sich die Handhaltung von Anfang an als sehr entspannend und ungewohnt bequem und auch das Layout der angenehm flachen Tasten funktionierte wie gewohnt. Die Trackball-Steuerung gestaltete sich zunächst jedoch eher ungenau und zittrig.

Hier half aber das Spiel mit den DPI-Werten, zwischen denen wir jederzeit umschalten können – auch wenn die Position des Buttons hinter dem Scrollrad nicht optimal ist und sich im Bereich des Ringfingers sicherlich besser gemacht hätte. Am zweiten Tag ging es jedenfalls schon sehr viel geschmeidiger zu, und wenn man den Dreh erst einmal so richtig raus hat, lässt es sich selbst mit einem dauerhaften DPI-Wert pixelgenau arbeiten.

Es ist ähnlich schwer zu beschreiben wie das Kuppeln beim Autofahren oder das Drehen von Zigaretten, aber inzwischen bedienen wir unseren PC mit der EM05 NL ähnlich schnell wie mit der klassischen Maus und bevorzugen den Trackball beim Surfen durchs Netz und dem Scrollen durch Webseiten sogar. Auch bei der Textbearbeitung setzen wir den Cursor inzwischen punktgenau und präzise zwischen den Buchstaben und bearbeiten in Photoshop zügig unsere Bilddateien.

Der größte Segen dabei ist, die Maus nicht mehr hin- und herbewegen zu müssen. Wie sehr das stören kann, merkt man erst, wenn man ein paar Tage lang mit einem Trackball gearbeitet hat. Das Arbeiten gestaltet sich nun deutlich ruhiger, was nicht zuletzt auch den angenehm leisen Tasten geschuldet ist.

Nachteil ist allerdings, dass der Trackball rasch schmutzig und fettig werden kann und sich dann nicht mehr so flüssig dreht. Durch ein kleines Loch an der Unterseite lässt sich die Kugel aber ohne Weiteres aus ihrem Bett drücken, um sie idealerweise mit einem Mikrofasertuch zu reinigen – das löst erfahrungsgemäß direkt etwaige Probleme mit der Präzision.

Testfazit zur EM05 NL von ProtoArc

Die EM05 NL von ProtoArc vereint mit ihrer vertikalen Bauweise und der Trackball-Steuerung gleich zwei ergonomische Ansätze in einem kompakten Gerät und sorgt damit für eine spürbare Entlastung von Hand, Arm und Schulter beim Arbeiten am Rechner.

In der praktischen Anwendung zeigt sich, dass eine gewisse Eingewöhnungszeit erforderlich ist, die Möglichkeit, den DPI-Wert jederzeit auf Knopfdruck anpassen zu können, erleichtert den Prozess jedoch ungemein. Und hat man den Dreh einmal raus, arbeitet es sich ähnlich präzise wie mit einer klassischen Maus – nur eben sehr viel bequemer, ruhiger und gesünder.

Die Verarbeitungsqualität der EM05 NL ist hochwertig, das Design funktional, der Akku ausdauernd. Ein großer Pluspunkt ist zudem die flexible Konnektivität über 2,4-GHz-Funk und gleich zwei Bluetooth-Kanäle. Negativ fällt auf, dass die Ladestandsanzeige ungünstig positioniert wurde und die Tasten mangels App-Anbindung nicht frei belegt werden können.

Die EM05 NL eignet sich damit vor allem für Anwender, die Wert auf ergonomisches Arbeiten legen – sei es zu präventiven oder therapeutischen Zwecken – und bereit sind, sich auf ein alternatives Eingabekonzept einzulassen. Aber auch, wer schlicht wenig Platz auf seinem Schreibtisch hat, sollte einen Versuch wagen, zumal die Trackball-Maus zu einem äußerst fairen Preis zu haben ist.

Die EM05 NL von ProtoArc erhaltet ihr für 56,99 Euro auf der Webseite des Herstellers oder auch hier auf Amazon.