Video- und PC-Spiele werden immer anspruchsvoller – und mit ihnen auch die Gaming-Peripherie. Das Angebot an hochwertigem Gear wird von der rasant wachsenden E-Sport-Szene befruchtet und ist in dieser entsprechend präsent, inzwischen aber auch in privaten Daddelzimmern angekommen. Für Konsolen-, aber auch viele PC-Zocker dabei unerlässlich: ein guter Controller.
Da billige Standard-Pads oft und rasch den Geist aufgeben und nur wenige oder keine Anpassungsmöglichkeiten bieten, stehen technisch aufwändigere, gut ausgestattete, aber eben auch deutlich teurere Premium-Pads hoch im Kurs. Ein ganz besonders prächtiges Exemplar dieser Gattung hat der Zubehörhersteller – und inzwischen auch Publisher – Nacon mit dem Revolution X Unlimited am Start.
Der Nacon Revolution X Unlimited (RXU) positioniert sich als vielseitiger Premium-Controller für Xbox und PC. Auf der Feature-Liste stehen Hall-Effekt-Sticks, Mikroschalter, Instant-Trigger, sechs frei belegbare Zusatztasten, ein integriertes Display und eine Menge Zubehör. Er bietet kabelgebundenen, Bluetooth- und 2,4-GHz-Betrieb sowie eine umfangreiche Software zur Tasten- und Totzonen-Anpassung für bis zu 20 speicherbare Profile.

Der Revolution X Unlimited ist etwas größer als das Standard-Pad der Xbox und setzt wie dieses auf eine asymmetrische Anordnung der Sticks. Die Griffhörner sind im Auflagebereich der Hände beidseitig mit einem texturierten Gummiüberzug für besseren Halt versehen. Frontseitig sticht direkt das mittig zwischen der View- und der Menü-Taste platzierte Display hervor.
Die ersten beiden Shortcut-Tasten ergänzen die Trigger- und Schultertasten oben. Auch sitzt hier ein Button zum Aktivieren der Displaysteuerung und ein weiterer, um die View- und Menü-Tasten zu sperren, um versehentliche Fehleingaben beim Spielen zu verhindern. Beim Blick auf die Rückseite fallen zunächst die sogenannten Instant-Trigger-Blocker auf, dank derer sich die hinteren Schultertasten von Abzugshebeln in direkte Knöpfe umfunktionieren lassen – das ist vor allem bei Shootern sinnvoll, wo eine schnelle Eingabe über Sieg und Niederlage entscheidet, während Racing-Games wiederum mit einem langen Tastenweg Pedale simulieren.
An den Innenseiten der Hörner befinden sich vier weitere Shortcut-Tasten für Mittel- und Ringfinger. Unter dem Ladestecker versammeln sich eine Taste zum Wechseln der Profile, der Verbindungsart (Kabel, Bluetooth, Wireless 2,4 GHz) und zum Wechseln zwischen klassischem und erweitertem Modus. Ein Stummschalter für angeschlossene Mikrofone komplettiert neben der 3,5-mm-Buchse den Bedienungsumfang.

Das Pad wird in einem robusten Hardcase geliefert, in dem auch das mit drei Metern recht großzügig bemessene, stoffummantelte Verbindungs- und Ladekabel, der USB-C-Funkdongle, die Ladestation und eine Zubehörbox Platz finden. Ein Mikrofaser-Putztuch gibt’s obendrauf.
In der Box stecken drei Gewichtspaare mit je 10, 14 oder 16 Gramm, die unter den abnehmbaren Kappen der Griffhörner je nach persönlicher Präferenz eingesetzt werden können. Der Autor dieser Zeilen bevorzugt etwa Pads, die sich mit ordentlich Gewicht in die Hand legen, und hat direkt die beiden 16er eingesetzt. Des Weiteren besteht die Wahl zwischen einem klassischen 4- und einem 8-Wege-Aufsatz für das Steuerkreuz, zudem darf aus insgesamt sechs verschiedenen Joystick-Köpfen (konkav, konvex, unterschiedliche Höhen) gewählt werden.
Sticks und Kreuz des RXU lassen sich zum Wechseln einfach vom Controller abziehen und aufstecken, ohne dass dabei der Eindruck entsteht, etwas zu beschädigen. Ob die Komponenten auf Dauer Schwachpunkte aufweisen, wird die Zeit zeigen. Stand jetzt – und nach zahlreichen Wechseln – wirkt alles robust und zuverlässig.

Zu guter Letzt liegen noch zwei Joystick-Metallringpaare bei (2 × 30°, 2 × 38°), mit denen sich der maximale Ausschlag der Joysticks begrenzen lässt. Dadurch wird der Weg zwischen Mittelstellung und Anschlag kürzer, was wiederum die Reaktionszeit beim Spielen verbessert. Wichtig vor allem beim Aufsetzen der dicken Ringe: Bestätigt in der App den kürzeren Stick-Weg, da es ansonsten passieren kann, dass Eingaben etwa in Spielmenüs nicht erkannt werden.
Doch nicht nur hardwareseitig lässt sich der Revolution X Unlimited umfangreich anpassen, auch softwareseitig ist hier einiges möglich. Und hier kommt das Display ins Spiel, das umfangreiche Anpassungsmöglichkeiten „on the fly“ bietet, ohne dass dazu erst die App an PC oder Konsole bemüht werden muss.
Nacon bietet hier zwei Modi an und hat für diese sogar eigens den bereits erwähnten Wechselschalter verbaut. Der wesentliche Unterschied zwischen klassischem und erweitertem Modus ist der Umfang an Auswahlmöglichkeiten im Displaymenü. Weshalb man hier die geringere Optionsvielfalt überhaupt in Betracht ziehen sollte, erschließt sich uns jedoch nicht recht. Kurios und sicherlich ein kleiner Bug: Die zusätzlichen Optionen erscheinen, wenn auf den klassischen Modus gewechselt wird, obwohl sie eigentlich dem „Advanced“-Modus vorbehalten sein sollten.

Weiterhin etwas sperrig erscheint die Aufteilung zwischen Xbox- und PC-Modus. Zwar bietet letzterer die bessere Latenz und zusätzliche Features wie das Belegen der Shortcuts mit Tastaturbefehlen und eine Gyroskop-Funktion zum besseren Zielen durch Bewegen des Pads. Bequemer wäre es aber sicherlich, wenn der notwendige Wechsel gänzlich entfiele. Schräg: Um die App am PC nutzen zu können, muss man in den Xbox-Modus schalten.
Sehr praktisch ist wiederum, dass über das Display diverse Soundeinstellungen für direkt am Pad angeschlossene Kopfhörer vorgenommen werden können. Der Controller verfügt zwar über eine dedizierte Bluetooth-Anbindung zum Daddeln auf Smartphones und Smart-TVs, doch auch im kabelgebundenen oder Funkbetrieb darf eine Bluetooth-Quelle in den Sound gemischt werden, sodass beim Spielen etwa Musik vom Handy zugespielt oder auch telefoniert werden kann.
Darüber hinaus lassen sich die Ansprechkurve der Sticks, der Totpunkt oder dieser über mehrere voreingestellte Profile sogar ganz deaktivieren. Selbst ein Wechsel der Y-Achse ist individuell für beide Joysticks einstellbar – ebenso, welcher Steuerungseinheit (Sticks oder Kreuz) das Gyroskop entsprechen soll. Auf Wunsch können die vier Rumble-Motoren einzeln deaktiviert, Energiespareinstellungen angepasst und die Shortcuts individuell belegt werden. Das alles funktioniert zuverlässig und gestaltet sich nach kurzer Eingewöhnung äußerst komfortabel.

Und doch führt für den vollen Funktionsumfang kein Weg an der App vorbei. In dieser können individuell für Xbox- und PC-Betrieb detaillierte Einstellungen für jeden Button und vor allem auch die Sticks vorgenommen werden. Ferner lassen sich Latenz, Beleuchtung des rechten Sticks, Vibration und Gyroskop nach Wunsch anpassen; sogar ein Equalizer steht zur Verfügung.
All diese Einstellungen lassen sich in Profilen abspeichern, zwischen denen per Knopfdruck bequem gewechselt werden kann. Auf dem Pad finden insgesamt 20 Profile Platz, wenn auch aufgeteilt zwischen klassischem (vier für Xbox, vier für PC, vier für Bluetooth) und erweitertem Modus (vier für Xbox, vier für PC oder Bluetooth).
Geladen wird das Pad entweder via Kabel direkt an PC oder Konsole oder über die mitgelieferte Ladestation. In letzterem Fall steht jedoch keine Schnellladefunktion zur Verfügung, sodass das Revolution X Unlimited etwas mehr als sechs Stunden zum Volltanken benötigt – via Kabel sind es nur drei. Das ist schon ordentlich, erst recht, wenn man bedenkt, dass der Premium-Controller auf eine Laufzeit von gerade einmal rund zehn Stunden kommt. Von anderen Pro-Pads ist man durchaus Besseres, sehr wohl aber auch Schlechteres gewohnt.
Ein begrüßenswertes Detail ist, dass die Ladestation über eine versenkte Buchse für den Funkdongle verfügt, sodass an Konsole oder PC letztlich nur ein Port belegt werden muss.

Der Premium-Controller ist zweifelsohne ein echter Kaventsmann und daher nicht ideal für Menschen mit kleinen Händen. In unserem Fall liegt der RXU jedoch angenehm und griffig in der Hand. Für die oberen Shortcut-Tasten auf der Rückseite hätten wir uns jedoch optionale Paddles gewünscht, wie sie etwa dem DualSense Edge auf der PS5 beiliegen, um die Bedienung bequemer zu gestalten.
Die Anbindung klappte während der Testsession stets problemlos, auch wenn das Umschalten zwischen PC- und Xbox-Modus beim Quellwechsel etwas nervt. Dass das Revolution X Unlimited via Bluetooth auch am Smartphone oder Smart-TV genutzt werden kann, ist wiederum ein klarer Pluspunkt. Schade, dass keine Kompatibilität mit PlayStation und/oder Switch besteht – das hätte die Marktposition weiter gestärkt.

Das Display haben wir im Zuge unserer Testsession eher selten genutzt. Das ist aber unserem eher schlichten Spielstil geschuldet Anspruchsvollere Nutzer profitieren hier stärker. Im Wesentlichen kam es zum Einsatz, wenn Shortcuts an das jeweilige Spiel angepasst wurden. Grundsätzlich ist das sehr bequem und gut gelöst, allerdings wären optisch klar zuzuordnende Icons oder besser erkennbare Tastenmarkierungen wünschenswert, da diese in dunklen Szenarien schwer zu erkennen sind und die Zuordnung im Display erschweren.
Positiv fallen die Mikroschalter der Action-Buttons auf, die mit ihrem befriedigenden Klicken an die Haptik einer Maus erinnern. Außerdem spielt es sich damit leiser als mit dem zum lauten Klackern neigenden Originalpad der Xbox. Mit den Sticks manövriert es sich sehr sanft und geschmeidig; dank der Hall-Effekt-Technologie dahinter ist der berüchtigte Stick-Drift – eine Abnutzungserscheinung vieler Controller, bei welcher der analoge Stick Eingabebefehle sendet, ohne dass der Nutzer ihn berührt – nahezu ausgeschlossen. Das sollte zwar inzwischen Standard sein, bleibt jedoch ein Preistreiber.
Und so kommt es dann auch, dass der Revolution X Unlimited ein spürbares Loch im Portemonnaie geneigter Zocker hinterlässt. Ob einem ein Controller die ausgerufenen 200 Euro wert ist, muss wohl jeder für sich entscheiden. Mit Blick auf Ausstattung, Funktionsumfang und Verarbeitung ist der Preis im Marktvergleich aber durchaus angemessen.

Der Nacon Revolution X Unlimited hinterlässt als durchdachtes und technisch anspruchsvolles Eingabegerät für Xbox und PC sowohl in puncto Ausstattung als auch in der Anpassungsvielfalt einen deutlichen Fußabdruck im Premiumsegment. Mit seinen hochwertigen Hall-Effekt-Sticks, präzisen Mikroschaltern und den umfangreichen Anpassungsmöglichkeiten in Hard- und Software erhält man hier ein Gerät für ambitioniertes Gaming auf Profi-Niveau.
Das modulare Zubehör, die flexible Softwaresteuerung und das integrierte Display ermöglichen einen umfangreichen Funktionsumfang mit vielseitiger Konnektivität – auch wenn wohl nur die wenigsten Nutzer alle Features im Alltag ausschöpfen werden.
Minuspunkte gibt es für die nur moderate Akkulaufzeit und den hohen Preis, die jedoch durch die Gesamtqualität, die saubere Verarbeitung und die sehr griffige Haptik relativiert werden. Der Revolution X Unlimited ist damit kein Massenprodukt, sondern ein individueller Controller für Spieler, die gezielt auf Performance, Langlebigkeit und Individualisierung setzen.
Den Nacon Revolution X Unlimited erhaltet ihr für 199,90 Euro auf der Webseite des Herstellers oder auch hier auf Amazon.
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