Man kennt es aus der Filmwelt: Was erfolgreich ist, wird fortgesetzt. So auch die Philosophie im Hause JBL, wo die Tour-One-Reihe 2021 einen der großen Player im unteren Premium-Segment etablierte. Nach dem rundum verbesserten Nachfolger im Jahr 2022 folgt nun die dritte Generation, die abermals noch einen drauflegt.

Der JBL Tour One M3 verbessert die Akkuleistung deutlich, verdoppelt die Anzahl der Mikrofone für das True Adaptive Noise Cancelling 2.0, vor allem aber gibt es ihn in einer Ausführung mit dem cleveren „Smart Tx“-Transmitter, den wir bereits von den Tour Pro 3 Buds aus gleichem Hause kennen.

Dieser erweitert nicht nur die Bedienung um ein Touchdisplay, er fungiert auch als Bindeglied zu älteren Geräten, die keine kabellose Verbindung beherrschen, und lädt via Auracast sogar noch kompatible Kopfhörer zum Mithören ein. Wer darauf verzichten kann, bekommt den Tour One M3 aber auch ohne und spart glatt 50 Euro – ein fairer Zug von JBL.

Ausstattung und Design

Im Wesentlichen bleibt der Tour One M3 der etablierten Designlinie treu und setzt abermals auf einen bodenständigen matten Look, der diesmal sogar noch konsequenter umgesetzt wird. JBL verzichtet nämlich auf die glänzenden Akzente, welche die Optik beim Vorgänger noch etwas veredelt hatten. Schade eigentlich.

Stattdessen bleibt der Tour One M3 nun im Wesentlichen Ton in Ton und erlaubt sich in der uns vorliegenden blauen Farbvariante lediglich ein paar kupferne Farbtupfer am Kopfbügel und bei den Mikrofongittern an den Ohrmuscheln. Bei den Versionen in Schwarz fallen selbst diese weg, in der Mocha-Ausführung kaum auf.

Obgleich die Bauweise beider Modelle auf den ersten Blick gleich erscheint, gibt sich der M3 flexibler und kann auf noch kleinerem Raum zusammengefaltet werden. Und so fällt dann auch das mitgelieferte Transportcase ungewohnt eiförmig, wenn auch nicht wirklich kleiner aus. Die Verarbeitung ist gewohnt robust und hochwertig, sehr gut gefallen uns uns die Gummieinfassung, welche den Reißverschluss optisch verschwinden lässt, und der Karabinerhaken aus Metall.

Ansonsten legt JBL dem Tour One M3 noch ein USB-C-Ladekabel sowie ein USB Typ-C zu analogem 3,5 mm Kabel bei. Sollte es an USB-C-Lade- oder Anschlussmöglichkeiten mangeln, befindet sich außerdem noch ein sehr willkommener USB-A-auf-USB-C-Adapter im Paket. Und falls ihr ihn auf den Bildern vermisst: Der Smart-Tx-Transmitter ist wie gesagt optional und lag unserem Testmuster nicht bei.

Die Größe des Tour One M3 lässt sich in zwölf Rasterstufen am Kopfband um bis zu 3,5 cm anpassen. Der gepolsterte Bereich zwischen den Bügelverstellungen fällt in der Breite recht kurz aus, was dem Tragekomfort aber keinen Abbruch tut. JBL setzt bei der Polsterung auf einen Kunstlederüberzug, der sich auch an den Ohrmuscheln wiederfindet. Diese sitzen an stabilen Scharnieren und passen sich dem Kopf sehr gut an. Das Gewicht fällt mit 278 Gramm exakt so aus wie jenes des Vorgängers und trägt sich federleicht und auch auf Dauer sehr angenehm – auch wenn Kunstleder natürlich zum Wärmestau neigt.

Die Bedienelemente verteilen sich auf beide Ohrmuscheln, wobei der Wippschalter an der linken der Lautstärke vorbehalten ist. Rechts befindet sich ein Schiebeschalter zum Ein- und Ausschalten, der federnd gelagert außerdem auch noch für das Pairing verantwortlich zeichnet. Lieber hätten wir einen dedizierten Schalter fürs Pairing gesehen, da sich derartige Doppelbelegungen nie wirklich gut anfühlen. Funktionieren tut aber natürlich dennoch alles so, wie es soll.

Eine Etage tiefer schalten wir durch die Hörmodi ANC, Ambient Aware und das TalkThru-Feature. Die generelle Medien- und Anrufsteuerung erfolgt indes über eine Touchfläche an der rechten Ohrmuschel. Diese reagiert sehr zuverlässig auf die gewohnten Ein- oder Mehrfachtipper für Play/Pause und zum Skippen der Tracks, ist jedoch etwas eng geraten. Zudem ist sie im alltäglichen Gebrauch des Kopfhörers recht anfällig dafür, versehentlich den Sprachassistenten zu aktivieren, den wir erreichen, indem wir das Feld gedrückt halten.

Schade ist in diesem Zusammenhang, dass man die Steuerung über die App nur sehr rudimentär anpassen kann. Das Touchfeld lässt sich etwa nur gänzlich deaktivieren, bei der Umgebungsgeräuschkontrolle lediglich einzelne Elemente entfernen. Wie immer gern gesehen ist dafür die Trageerkennung, welche die Medienwiedergabe automatisch pausiert, sobald wir den Kopfhörer abnehmen.

Geladen wird über die USB-C-Buchse an der Unterseite der rechten Gondel, welche von einer kleinen LED-Statusanzeige hofiert wird. Der Akku bringt es ohne zugeschaltetes ANC auf beachtliche 70 Stunden, mit reduziert sich die Laufzeit auf immer noch komfortable 40 Stunden. Zum Vergleich: Beim Vorgänger standen noch 50 respektive 30 Stunden auf der Uhr. Voll geladen ist der Tour One M3 in zwei Stunden, wenn es mal schnell gehen muss, tanken wir binnen fünf Minuten Saft für fünf Stunden Laufzeit nach – das ist schon stark.

Features und App

In Sachen Verbindung ist der Tour One M3 mit Bluetooth 5.3 sowie den Codecs SBC, AAC, LDAC und dem neuen LE Audio (LC3) auf modernem Stand und auch für hochauflösende Musikwiedergabe gerüstet. Alternativ verbinden wir den Kopfhörer über das mitgelieferte Klinkenkabel, allerdings verrichtet er dann keinen passiven Dienst und muss eingeschaltet werden. Auch Auracast ist an Bord, um sich in entsprechend ausgestattete Zuspieler einzuklinken. Eine Multipoint-Verbindung für den nahtlosen Wechsel zwischen mehreren Quellen ist ebenfalls möglich, wobei zu beachten ist, dass die App nur an einem Gerät genutzt werden kann.

Und dann wäre da natürlich noch der Smart-Tx-Transmitter, der selbst als Auracast-Sender fungiert, den Sound von jedem noch so alten Gerät mit Klinkenanschluss kabellos übermittelt und die rudimentäre Bedienung am Gerät um die Features ergänzt, die sonst nur in der App zur Verfügung stehen. Praktisch, wenn man das Smartphone gerade mal nicht zur Hand hat.

Den vollen Funktionsumfang gibt’s aber nur via App, wo wir etwa die Intensität des Ambient-Modus justieren, zwischen Audio- und Video-Modus mit niedrigerer Latenz wählen – wahlweise auch automatisch –, die Trageerkennung deaktivieren oder in den SilentNow-Modus schalten, der für ein ungestörtes Nickerchen Bluetooth deaktiviert und das Noise Cancelling aktiviert.

Sehr cool: Das ANC kann wahlweise den Sitz des Kopfhörers auf unseren Ohren prüfen, um eventuelle Undichtigkeiten durch Anpassung der Filterkurven in Echtzeit auszugleichen. Wem das nicht geheuer ist, geht zurück zum klassischen adaptiven ANC, welcher den Pegel entweder „einfach nur“ an die Umgebungsgeräusche anpasst oder sich auf eine Intensitätsstärke festnageln lässt.

Empfehlung unsererseits: Deaktiviert das Smart-Talk-Feature. Auf dem Papier klingt es recht sinnvoll, dass der Kopfhörer erkennt, wenn wir sprechen, und für eine von uns festgelegte Zeit (5, 15 oder 20 Sekunden) die Musik runterregelt und in einen speziellen Ambient-Modus wechselt, der gezielt Stimmen verstärkt. Allerdings klingen Gespräche dabei recht künstlich, und der Kopfhörer interpretiert gern mal ein versehentliches Keuchen als gesprochenes Wort, was zu ungewollten Pausen in der Wiedergabe führt.

Im dedizierten Audio-Bereich schalten wir hochauflösendes Audio hinzu oder aus und haben Zugriff auf einen 10-Band-Equalizer, dessen vorgegebene Presets wir nach Lust und Laune mit eigenen Soundkurven ergänzen können. Wer seine Stereo-Dateien in die dritte Hördimension hieven will, schaltet zudem den Raumsound hinzu, der die Bühne softwareseitig größer und weiter erscheinen lässt. Wahlweise funktioniert dies auch mit Headtracking, bei dem die Klangquelle virtuell positioniert wird – drehen wir den Kopf nach links oder rechts, bleibt der Ton gefühlt an einer Stelle, ähnlich wie bei einer echten Lautsprecherwiedergabe.

Immer gern gesehen sind der persönliche Hörtest via Personi-Fi, dank dem der Sound individuell auf unser Hörvermögen angepasst wird, sowie der dynamische EQ, der für Dynamik auch bei geringen Lautstärken sorgt. Wir können außerdem die Links-/Rechts-Soundbalance anpassen, die maximale Lautstärke begrenzen und die Stimmen beim Telefonieren optimieren.

Und als wäre das alles noch nicht genug, steht noch ein Entspannungsmodus bereit, der uns fünf entspannende Natursounds zum Selbermischen und Relaxen bereitstellt. Chillig, aber natürlich kein Vergleich zur Bandbreite eines Gerätes aus dem Hause Soundcore.

Sound und ANC

Der Klang des Tour One M3 gibt sich in seiner Grundeinstellung sehr ausgewogen und kommt dabei klar und druckvoll rüber. Sehr saubere Mitten und Höhen bauen in Verbindung mit dem präsenten, aber nicht überbetonten Bass eine angenehm natürliche akustische Kulisse auf, vor der auch feine Details hörbar werden. Damit trumpft der JBL-Kopfhörer selbst dann auf, wenn man keine Lust hat, sich mit dem Equalizer auseinanderzusetzen. Allerdings verpasst man so auch einiges.

Wir für unseren Teil haben gleich mehrere individuelle Profile angelegt, um den Tour One M3 so richtig auszureizen. Ja, die Grundtonalität ist bereits sehr gut definiert, gefühlt jedoch etwas zu vorsichtig auf Masse getrimmt. Die potenten 40-mm-Mica-Dome-Treiber zeigen sich allerdings erstaunlich flexibel, wenn es um die Spezialisierung auf eine Musikrichtung geht. Wir raten von daher dazu, sich im Equalizer auszutoben oder auch einfach Preset-Vorschläge aus dem Netz nachzubauen. Gebt außerdem auch dem Personi-Fi-Klangtest eine Chance, ihr werdet womöglich überrascht sein.

Zu Fans des virtuellen Raumsounds macht uns auch der JBL Tour One M3 nicht. Es ist und bleibt eine künstliche Nachbearbeitung von Audioquellen, die vor allem niedrig aufgelösten Musiktracks ihre Natürlichkeit beraubt. Mal wird es blechern, mal dumpf, mal hallig. Bei Spielen und Filmen klappt das deutlich besser, und auch im Vergleich zum Vorgängermodell ist eine generelle Verbesserung herauszuhören. Letztlich ist es aber eine akustische Spielerei, die noch viel Luft nach oben hat. Aber auch hier wieder: Ausprobieren und vergleichen, denn die akustische Wahrnehmung ist stets subjektiv.

Als schon beim ersten Ausprobieren sehr stark empfinden wir hingegen das Active Noise Cancelling, dessen Zusätze „True“ und „2.0“ auf die dynamische Arbeitsweise hindeuten. Anstatt also nur die Umgebungsgeräusche zu erfassen und ein negierendes Antisignal zu senden, erkennen Sensoren nun auch zusätzlich Faktoren wie Sitzposition, Leckagen durch Brillen/Haare oder Bewegung. Dabei machen die nunmehr acht Mikrofone einen ziemlich guten Job, Motorengeräusche, Bus- oder Flugzeugdröhnen effektiv zu reduzieren.

Besonders leistungsfähig ist das ANC in mittleren und tiefen Frequenzbereichen. Sehr hohe Töne kommen zwar noch durch, sodass man etwa das Klappern der eigenen Tastatur oder nahe Gespräche noch wahrnehmen kann, das allerdings derart gedämpft, dass wir den Vergleich zu den Platzhirschen Bose und Sony nicht scheuen. Starke Nummer, JBL, und eine klare Verbesserung zum Vorgänger.

Im Ambient-Aware-Modus ist zwar ein leichtes Rauschen zu vernehmen, die Übertragungsqualität der Außengeräusche gelingt aber sehr natürlich mit nur einem leichten „metallischen“ Überzug. Ein verfälschter Klang oder übermäßige Verstärkung einzelner Geräusche ist uns dabei nicht aufgefallen.

Mit Blick auf die Telefonie kommen die Stimmen im Tour One M3 klar und deutlich rüber. In ruhigen oder mäßig lauten Umgebungen ist das Gegenüber stets deutlich verständlich, und selbst Wind oder Straßenlärm werden erstaunlich gut ausgeblendet. Nur in sehr lauten Situationen merkt man, dass die Mikrofone leichte Schwächen haben – das Gesamtbild ist insgesamt aber äußerst positiv und absolut alltagstauglich.

Fazit:

Mit dem Tour One M3 bringt JBL seine beliebte Kopfhörer-Reihe ein gutes Stück voran. Die dritte Generation kombiniert eine deutlich verlängerte Akkulaufzeit mit modernster Konnektivität und vielen Komfortfunktionen. Bluetooth 5.3, LDAC, LE Audio (LC3), Multipoint und Auracast machen den Kopfhörer zukunftssicher, während der optionale Smart-Tx-Transmitter auch ältere Geräte integriert und die Bedienung clever erweitert.

In der Praxis überzeugt der Tour One M3 mit hochwertiger Verarbeitung, bequemer Passform und umfangreichen Einstellungsmöglichkeiten. In Sachen Geräuschunterdrückung spielt JBL inzwischen außerdem in der Oberliga: Das True Adaptive Noise Cancelling 2.0 mit acht Mikrofonen reagiert dynamisch auf Umgebung und Sitz, reduziert Außenlärm sehr effektiv und lässt nur in hohen Frequenzen etwas Spielraum.

Akustisch bietet der Tour One M3 eine ausgewogene und schon in der Standardeinstellung sehr gefällige Abstimmung mit klaren Mitten, sauberen Höhen und einem präsenten, aber nicht übertriebenen Bass. Wer die potenten und sehr flexiblen 40-mm-Mica-Dome-Treiber so richtig ausreizen möchte, sollte mit EQ und Personi-Fi aber noch etwas nachjustieren. Virtueller Raumsound und Headtracking bleiben Geschmackssache.

Unterm Strich liefert JBL mit dem Tour One M3 ein vielseitiges und technisch ausgereiftes Gesamtpaket, das dank der starken Akkuleistung, zeitgemäßem Feature-Set und nicht zuletzt dem cleveren Smart-Tx-Transmitter zu den derzeit interessantesten Alternativen im Premium-Segment gehört. Dass man den Kopfhörer zum reduzierten Preis auch ohne den Transmitter bekommt, ist ein feiner Zug von JBL.

Den JBL Tour One M3 erhaltet ihr in den Farbvarianten Blau, Schwarz und Mocha für 349,99 Euro auf der Webseite des Herstellers oder auch bei Amazon. Die Ausführung mit Smart-Tx-Transmitter schlägt mit 399,99 Euro zu Buche und ist hier im JBL-Webshop erhältlich.