In den Neunzigerjahren sorgte ein besonderes Produkt aus den Regalen des Discounters Aldi für großes Aufsehen. Der sogenannte Aldi-PC machte Computertechnik für viele Haushalte erschwinglich und trug damit zur raschen Verbreitung digitaler Technologien bei. Nun wird ein Exemplar dieser Hardware im Haus der Geschichte der Bundesrepublik in Bonn präsentiert und damit als Teil der Alltags- und Technikgeschichte gewürdigt.
Als Aldi im November 1995 erstmals einen IBM-kompatiblen Computer ins Sortiment aufnahm, ahnte kaum jemand, welche Entwicklung damit ausgelöst werden würde. Die Geräte stammten von der Firma Medion und waren technisch leistungsfähig, auch wenn sie anfangs noch mit dem veralteten Betriebssystem Windows 3.11 ausgeliefert wurden. Richtig erfolgreich wurde die Reihe zwei Jahre später mit einem Modell, das einen Pentium-166-Prozessor enthielt und zusammen mit einem 15-Zoll-Monitor für 1800 D-Mark verkauft wurde.
Der Verkauf sorgte für außergewöhnliche Szenen: Vor vielen Filialen bildeten sich lange Schlangen, und nicht selten kam es zu Auseinandersetzungen um die begehrten Rechner. In Konstanz eskalierte die Situation im November 1997, als zwei Kunden um den letzten PC stritten. Ein Käufer erlitt eine Kopfverletzung, griff zur Schreckschusspistole und verlangte den Computer. Allerdings ohne Erfolg, da die Polizei ihn noch vor der Kasse festnahm.
Das Erfolgsmodell trug dazu bei, dass immer mehr Menschen Zugang zur neuen Technik erhielten. In kurzer Zeit entwickelte sich der Aldi-PC zu einem Verkaufsschlager, der in vielen Haushalten stand und so den Einstieg ins Internetzeitalter erleichterte.
Die Popularität des Angebots blieb nicht ohne Folgen für den Computermarkt. Aldi setzte gemeinsam mit Medion regelmäßig große Stückzahlen ab, während Konkurrenten wie Lidl oder Norma ebenfalls begannen, Computer in ihr Sortiment aufzunehmen. Für klassische Fachhändler bedeutete diese Entwicklung einen schweren Schlag. Firmen versuchten mit Werbeaktionen und Kampfpreisen gegenzuhalten, konnten sich aber letztlich nicht gegen die Discounter behaupten.
Das Haus der Geschichte in Bonn nimmt den Aldi-PC nun offiziell in seine Sammlung auf. Gezeigt wird ein Modell von 1997 mit Disketten- und CD-ROM-Laufwerk, das 2009 von einem privaten Stifter übergeben wurde. Mit diesem Exponat eröffnet das Museum einen Teil seiner neuen Dauerausstellung, die zentrale Aspekte des Alltagslebens und der technischen Entwicklung in Deutschland dokumentiert.
Eine Sprecherin des Museums betonte, dass der Aldi-PC durch sein günstiges Preis-Leistungs-Verhältnis vielen Bevölkerungsgruppen den Zugang zur Informationstechnologie ermöglicht habe. Damit stehe das Gerät beispielhaft für die digitale Transformation, die in den Neunzigerjahren in Deutschland Fahrt aufnahm.
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