Mit Dragon Quest VII Reimagined bringt Square Enix einen der umfangreichsten und erzählerisch dichtesten Serienteile in überarbeiteter Form zurück. Das ursprünglich 2000 erschienene Rollenspiel galt schon damals als ungewöhnlich ruhig, beinahe entschleunigt – und stellte seine Geschichte klar über Tempo oder Spektakel.

Die Neuauflage strebt nun keine radikale Neuerfindung an, wie etwa im Falle eines Final Fantasy VII Remake geschehen, vielmehr stellt sie eine behutsame Modernisierung dar, die den Geist des Originals bewahren soll. Eben eine echte Reimagined-Version mit Fokus auf visuelle und strukturelle Neuausrichtung, die auf dem schmalen Grat zwischen liebevoller Auffrischung und spielerischer Antiquiertheit zu wandeln versucht.

Darum geht’s

Die in der Neuauflage zugunsten des Spielflusses angepasste Geschichte von Dragon Quest VII Reimagined beginnt ruhig, fast schon intim, und behält dieses Tempo über weite Strecken seiner immer noch beachtlichen Spielzeit bei. Statt eines großen Weltuntergangsszenarios geht es zunächst vor allem um Neugier und Entdeckung. Der Spieler startet auf einer scheinbar isolierten Insel inmitten eines Ozeans. Erst nach und nach offenbart sich, dass zahlreiche Länder und deren Vergangenheit verloren gegangen sind und dass ihre Rückkehr uns obliegt.

Dazu reisen wir immer wieder durch die Zeit und nehmen Anteil an den Schicksalen und Konflikten der vielen verschiedenen Orte und Menschen, sodass sich Dragon Quest VII fast schon wie eine Reihe vieler kleiner RPGs anfühlt, als nach einer klassischen linearen Kampagne. Erst nach vielen Spielstunden zeigt sich, dass die zahlreichen eigenständigen Story-Arcs der episodischen Erzählstruktur keine zufälligen Kurzgeschichten darstellen, sondern Bausteine eines größeren historischen und metaphysischen Konflikts sind.

Das Spiel nimmt sich Zeit und verlangt entsprechend viel Geduld – belohnt diese aber mit einer für Genre-Verhältnisse ungewöhnlich melancholischen Tiefe, die im auffälligen Kontrast zur fröhlichen Aufmachung steht.

Gameplay und Spielwelt

Spielmechanisch bleibt Dragon Quest VII Reimagined seinen Wurzeln treu. Rundenbasierte Kämpfe, ein klassisches Berufssystem, das seine taktischen Möglichkeiten erst nach und nach offenbart, und eine weitläufige Weltstruktur bilden weiterhin das Fundament. Viele der ehemals sperrigen Elemente wurden allerdings entschärft oder gleich ganz entsorgt: Menüs reagieren flotter, Wegführung und Kartenübersicht sind deutlich komfortabler, und auch das Fortschrittstempo scheint moderat angepasst.

Sehr willkommen sind zudem diverse Quality-of-Life-Funktionen wie eine bequeme Teleportation zwischen entdeckten Orten, die von Anfang an zur Verfügung steht, Handlungsbefehle, um den Kampf zu automatisieren, oder auch die Option, seine Gruppe auf Knopfdruck optimal auszurüsten. Auf Zufallsbegegnungen wird abseits der Reise zur See verzichtet. Sind die auf der Map sichtbaren Gegner zu schwach, können wir diese durch einen Schlag erledigen, ohne in den Kampfbildschirm wechseln zu müssen. Auch die Geschwindigkeit der Kämpfe lässt sich in drei Stufen anpassen, was insgesamt in einem recht flotten Gameplay resultiert.

Nun galt das Original von Dragon Quest VII durch sein langsames Pacing, das sperrige Job-System und fehlende Komfortfunktionen als vergleichsweise fordernd. Die Neuauflage entschärft diese Aspekte deutlich, wodurch der Schwierigkeitsgrad auf der Standardeinstellung heute eher moderat bis leicht ausfällt.

Selbst mit automatisierten Befehlen und ohne großen Grind legte unsere Truppe ohne unser Zutun große Bosse zuverlässig und problemlos. Wer als erfahrener Rollenspieler eine Herausforderung sucht, sollte die diversen Regler zur Anpassung der Schwierigkeit also von Anfang an hochziehen. Für jüngere Semester, die ihre ersten Schritte in dem Genre machen, ist die aufpolierte Zeitreise, nicht zuletzt aufgrund der teils zuckersüßen Gegnerdesigns, jedoch ideal.

Diesem wird jedoch immer wieder teils gewollt – etwa im Falle der redefreudigen und mitunter langatmigen Narrativ-Elemente – und teils ungewollt der Wind aus den Segeln genommen: Einblendungen stehen gefühlt zu lange auf dem Bildschirm, Dialoge mit Händlern müssen mühsam weggeklickt werden, bevor wir einkaufen können, im Verkaufsfenster können wir nicht mehrere Gegenstände markieren, um alles auf einmal zu verkaufen. Alles nur kleine Stolpersteine, die in der Summe jedoch merklich Tempo herausnahmen und das an sich flotte Spielgeschehen unnötig ausbremsen.

Die wunderhübsch anzusehende Spielwelt profitiert sichtbar von der Neuauflage. Regionen wirken lebendiger, Übergänge organischer. Je mehr sich die Spielwelt entblättert, fällt zwar auf, dass sich die vielen Inseln optisch sehr ähneln, wer sich jedoch auf das langsame und präzise getaktete Offenbaren der Weltgeschichte einlässt, wird beim Erkunden der verschiedenen Orte und Zeitlinien mit einem fast schon meditativen Spielerlebnis belohnt.

In Sachen Spielführung könnte man Dragon Quest VII Reimagined zwar Backtracking vorwerfen, da man jede in der Vergangenheit befreite Insel und deren Dungeons in der Gegenwart erneut bereisen muss, um alles zu entdecken. Wir haben den Orten jedoch stets sehr gerne einen erneuten Besuch abgestattet, um zu schauen, was sich dort verändert hat – nicht zuletzt, da die Mühe meist auch angemessen belohnt wird.

Technik und Sound

Technisch präsentiert sich Dragon Quest VII Reimagined erwartungsgemäß deutlich zeitgemäßer als seine Vorgängerfassungen. Die Grafik setzt auf einen klaren, farbintensiven Stil, der sich spürbar an aktuellen Serienteilen orientiert, ohne deren Detailgrad zu erzwingen. Charaktermodelle und Umgebungen wirken sauber, teilweise fast illustrativ, was gut zum märchenhaften Ton passt und Akira Toriyamas Designs wunderbar zur Geltung bringt. Square Enix setzt diesmal nicht auf einen 2D-HD-Look und inszeniert Dragon Quest VII Reimagined stattdessen in einem herrlich anzuschauenden Diorama-Stil. Gestört haben wir uns jedoch etwas an der NPC-Klonarmee, vor allem, wenn zuvor wichtige Charaktere plötzlich als einfache Dorfbewohner erneut auftreten. Eine größere Vielfalt an Figurmodellen hätte nicht geschadet.

Der Soundtrack bleibt ein zentraler Stimmungsträger. Bekannte Kompositionen wurden neu abgemischt und orchestriert und gewinnen so an Größe, ohne ihren Wiedererkennungswert zu verlieren. In Kombination mit den teils bewusst im Retro-Stil gehaltenen Soundeffekten läuft das Spiel auf einem wohligen Klangteppich, der die gemütliche Grundatmosphäre trägt, statt sie zu überdecken. Wichtige Dialoge wurden kompetent vertont, wenn auch leider nicht auf Deutsch. Ein Großteil der Gespräche verbleibt in nur mühsam wegzuklickenden Textfenstern.

Fazit

Trotz der zeitgemäßen Optik und der vielen modernen Komfortfunktionen ist Dragon Quest VII Reimagined im Guten wie im Schlechten altmodisch. Es versucht gar nicht erst, ein zeitgeistiges Rollenspiel zu sein, und bietet stattdessen ein traditionsbewusstes Spielerlebnis, das die Lust am Entdecken vor das große Spektakel stellt.

Die Neuauflage modernisiert dort, wo es sinnvoll ist, verzichtet aber bewusst auf tiefgreifende strukturelle Veränderungen und inszeniert die teils wunderschön gestaltete Spielwelt im Diorama-Look mit einer durchweg sauberen Technik.

Zwar gestalten sich die klassischen Rundenkämpfe und das generelle Gameplay nun deutlich dynamischer, das fragmentierte Erzähltempo und der narrative Lupenblick bleiben jedoch erhalten. Geduldige Spieler werden genau das zu schätzen wissen, wer jedoch ein dramatisch inszeniertes Abenteuer erwartet, ist hier eindeutig falsch.

Dragon Quest VII Reimagined richtet sich daher ganz bewusst an Nostalgiker und Fans, die konservative Rollenspielwerte zu schätzen wissen, eignet sich mit Blick auf das zugängliche Spielsystem, die moderate Schwierigkeit und das wunderbar optimistische Artdesign aber auch ideal für jüngere Semester.

Dragon Quest VII Reimagined erscheint am 5. Februar 2026 für Nintendo Switch 2, Nintendo Switch, PlayStation 5, Xbox Series X|S sowie PC über Steam und den Microsoft Store auf Windows.