„The Most Heretical Last Boss Queen“ gehört zum Isekai-Genre und ist ab sofort mit der kompletten ersten Staffel auf DVD und Blu-ray für das Heimkino erhältlich. Im Zentrum steht Prinzessin Pride Royal Ivy, die als kleines Kind plötzlich Erinnerungen an ein früheres Leben zurückbekommt. In diesem früheren Leben war sie Spielerin eines Otome-Games und ausgerechnet die Figur, in deren Körper sie nun steckt, ist die berüchtigte Endgegnerin dieses Spiels.
Statt Chaos zu verbreiten und ihr Königreich in den Abgrund zu reißen, entscheidet sich Pride für den entgegengesetzten Weg und will aus einer vorbestimmten Tyrannin eine Herrscherin machen, die ihr Volk tatsächlich verdient. Klingt erstmal nach einem bekannten Muster, entwickelt sich im Verlauf der zwölf Episoden aber zu etwas deutlich Interessanterem.
Wenn die eigene Zukunft der größte Feind ist
Der Reiz von „The Most Heretical Last Boss Queen“ liegt darin, wie konsequent die Anime-Serie das Thema Schicksal durchspielt. Pride weiß genau, wozu die Version von ihr ohne diese zweite Chance fähig wäre. Nämlich zu Grausamkeit, Manipulation und letztlich zum eigenen Untergang durch die Hand ihrer Widersacher. Diese Angst vor dem eigenen Rückfall zieht sich durch die komplette Staffel und sorgt dafür.
Besonders spannend wird das bei ihrem Adoptivbruder Stale, den sie in der ursprünglichen Zeitlinie um seine Familie gebracht hätte. In dieser neuen Version sorgt Pride aktiv dafür, dass er Kontakt zu seiner leiblichen Mutter behalten darf, verlangt im Gegenzug aber von ihm das Versprechen, sie im Notfall aufzuhalten, sollte die alte Pride doch noch durchbrechen. Solche Szenen zeigen, dass hier mehr passiert als reines Umschreiben einer Vorlage.
Ein Königreich wächst mit seiner Königin heran
Die Serie nimmt sich Zeit für die Entwicklung ihrer Figuren und begleitet Pride über mehrere Jahre hinweg, von der Achtjährigen bis zur jungen Teenagerin. Dieser Zeitsprung-Ansatz funktioniert gut, weil er dem Königreich, den Freundschaften und der wachsenden Bedrohung durch das nahende Erwachsenenalter Raum zum Atmen gibt. Parallel dazu wächst auch die Gruppe um Pride herum.
Allen voran ihre beiden engsten Vertrauten Stale und der Ritter Arthur, die ursprünglich als Liebesinteressen für eine andere Figur vorgesehen waren. Beide entwickeln eigene Ziele und Konflikte abseits von Pride, was der Welt insgesamt mehr Tiefe verleiht. Gerade weil Pride selbst kaum bemerkt, dass die beiden sich zunehmend zu ihr hingezogen fühlen, entstehen einige unterhaltsame und warmherzige Momente zwischen den drei Figuren.
Licht und Schatten einer Genre-Perle
Ein echtes Plus sind die Rückblenden in die düstere Originalzeitlinie, die visuell klar von der Gegenwart abgesetzt sind und ganz ohne erklärende Kommentare auskommen. Genau dieses Vertrauen hätte man sich an anderen Stellen der Serie öfter gewünscht, denn einige emotionale Szenen ziehen sich unnötig in die Länge und wiederholen dieselbe Botschaft mehrfach. Die Optik von Studio OLM überzeugt indes bei den Charakterdesigns und der Farbgebung des Königreichs, wirkt bei Bewegungsabläufen und Actionszenen aber merklich steifer. Auf der Blu-ray liegen sowohl die japanische als auch eine englische Synchronfassung samt Untertiteln vor,. Kleinere Extras wie Clean Openings und Endings runden die Ausstattung ab.
Warum sich der Thron-Wechsel lohnt
Wer villainess-isekai-Geschichten mag, findet hier eine Serie, die sich nach einem eher zurückhaltenden Start zu etwas Eigenständigem entwickelt. Statt bloß ein bekanntes Konzept abzuspulen, nutzt „The Most Heretical Last Boss Queen“ die Angst vor der eigenen Vergangenheit als treibende Kraft und baut darauf ein glaubwürdiges Beziehungsgeflecht auf. Zwölf Episoden reichen für einen ersten stimmigen Eindruck, auch wenn erzählerisch noch reichlich Stoff aus der Vorlage offenbleibt. Für alle, die dem Genre etwas abgewinnen können, lohnt sich der Einstieg schon jetzt, zumal eine zweite Staffel bereits angekündigt ist. Wer jetzt einsteigt, ist rechtzeitig bereit, wenn die Geschichte um Pride weitergeht.
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