Er grunzt, er klagt über Rücken und Kreislauf, und er trägt immer noch diesen Trenchcoat. Nach fast zwei Jahrzehnten kehrt Hape Kerkelings wohl bekannteste Kunstfigur auf die Kinoleinwand zurück. „Horst Schlämmer sucht das Glück“ läuft ab heute in den deutschen Kinos – und wer mit dem stellvertretenden Chefredakteur des Grevenbroicher Tagblatts aufgewachsen ist, dürfte sich schon beim ersten Trailer ein breites Grinsen nicht verkneifen haben.

Dabei hat die Ausgangslage durchaus etwas. Denn Schlämmer stellt fest, dass Deutschland irgendwie die gute Laune verloren hat. Wirtschaftliche Unsicherheit, geschlossene Stammkneipen, allgemeine Miesepetrigkeit. Ja, das Land steckt in einer kollektiven Stimmungskrise. Also schnallt sich der Journalist seinen Notizblock um, greift zum Mikrofon und macht sich auf eine Reise quer durch die Republik, um dem abhandengekommenen Glück auf die Spur zu kommen.

Was der Film richtig gut hinbekommt

Roadmovie trifft Gegenwartsbeobachtung, garniert mit Schlämmer-typischer Selbstüberschätzung und einem Schuss Naivität, der alles irgendwie erträglich macht. Hape Kerkeling hat seine Figur nicht angepasst oder modernisiert. Schlämmer ist noch immer derselbe und das ist tatsächlich eine Stärke. Er reagiert auf das Wort „Influencer“ mit dem Hinweis auf Corona, setzt den Begriff „Social Media“ in Anführungszeichen und stolpert mit entwaffnender Charmlosigkeit durch eine Welt, die ihm zunehmend fremd geworden ist.

Das funktioniert als Komik, weil es ehrlich ist. Kerkeling verkauft seinen Charakter nicht als plötzlich zeitgemäß, sondern lässt ihn genau das sein, was er immer war: ein liebenswürdiger Anachronismus. Die Begegnungen, die Schlämmer auf seiner Reise macht, sind das Herzstück des Films. Von der Nordseeküste über Berlin bis in die Alpen läuft er von einer Situation in die nächste, und dabei entstehen Momente, die wirklich Spaß machen. Besonders wenn sein unbeholfener Charme Menschen erreicht, bei denen man es am wenigsten erwartet hätte.

Da steckt echte Wärme drin – kein aufgesetztes Feelgood-Kino, sondern etwas, das sich tatsächlich nach Kerkeling anfühlt. Ein echtes Highlight sind die eingestreuten Serien-Parodien. Tahnee Schaffarczyk spielt Schlämmers Lieblingsschauspielerin Gabi Wampel und liefert dabei eine Performance, die zu den stärksten Momenten des gesamten Films gehört. Ob Heimatschnulze, Arztdrama oder Krimi mit tierischem Ermittler, all diese Sequenzen sitzen, und Kerkeling selbst dreht darin ordentlich auf. Wer in den Neunzigern regelmäßig vorm Fernseher saß, wird hier laut lachen.

Wo der Film ein bisschen auf der Stelle tritt

Ganz ohne Einschränkungen kommt die Sache allerdings nicht aus. Der Film weiß manchmal selbst nicht so genau, was er sein will. Gesellschaftskritik? Klamauk? Nostalgiereise? Diese Unentschlossenheit macht sich an einigen Stellen bemerkbar, wo man sich als Zuschauer mehr Biss gewünscht hätte. Zwei, drei Szenen mit prominenten Gästen hätten die Gelegenheit geboten, Schlämmer als den journalistischen Stänkerer zu zeigen, der er eigentlich ist – diese Chancen bleiben ungenutzt.

Und ja, der Humor ist stellenweise nicht ganz auf der Höhe der Zeit. Das ist kein Totalausfall, aber wer auf scharfe Satire hofft, wird feststellen, dass der Film lieber auf Nummer sicher geht. Die unsichtbare Kamerafrau Anna als leises Korrektiv für Schlämmers gelegentliche Entgleisungen ist ein sympathischer Kniff, aber kein Ersatz für echte Reibung.

Fazit: Für Fans mehr als genug

Am Ende ist „Horst Schlämmer sucht das Glück“ genau das, was es sein will. Nämlich ein Film für alle, die diese Figur lieben und sie einfach noch einmal auf der großen Leinwand sehen wollen. Er wird niemanden vom Hocker reißen, der mit Schlämmer nichts anfangen kann, aber er muss das auch gar nicht. Die Wiedersehensfreude ist real, Kerkeling gibt alles, und die besten Szenen erinnern daran, warum diese Figur seit über zwanzig Jahren im kollektiven Gedächtnis hängt. Wer das Grevenbroicher Urgestein ins Herz geschlossen hat, kommt heute ins Kino und wird gut unterhalten nach Hause gehen.