Ein Plastikmodell, das den US-Kongress beschäftigte, eine geheimnisvolle Tarnkappenmaschine und die Beatles als Bausatz. In 75 Jahren hat Revell einige ungewöhnliche Kapitel Modellbaugeschichte geschrieben. 2026 feiert das Unternehmen sein 75-jähriges Jubiläum und blickt auf eine Entwicklung zurück, die 1951 in Kalifornien begann. Aus einer damals ungewöhnlichen Idee entstand einer der bekanntesten Namen im Plastikmodellbau.
Zum Geburtstag erscheinen fünf Sondermodelle, die verschiedene Jahrzehnte der Unternehmensgeschichte wieder aufleben lassen. Was einst mit klassischen Fahrzeugen, Flugzeugen und Schiffen begann, umfasst heute auch zahlreiche bekannte Motive aus Film, Fernsehen und Gaming. Gleichzeitig erweitert Revell sein Sortiment zunehmend um neue Baukonzepte, die über den traditionellen Plastikmodellbau hinausgehen.
Fünf Jubiläumsmodelle bringen Klassiker zurück
Für den 75. Geburtstag hat Revell eine besondere Auswahl zusammengestellt. Insgesamt fünf Modelle erscheinen als Jubiläumsausgaben, darunter vier historische Bausätze, die sich ausdrücklich an erfahrene Modellbauer und Sammler richten. Den Einstieg bildet der Porsche 356 Coupé. Das Fahrzeug gehört ebenso wie der Plastikmodellbau zu den Erfolgsgeschichten der 1950er-Jahre.
Revell setzt hier allerdings auf sein modernes Click System, bei dem die Bauteile ohne aufwendige Klebearbeiten zusammengesetzt werden können. Damit richtet sich der Porsche auch an Einsteiger. Die vier weiteren Modelle erscheinen dagegen als Limited Editions in historischen Retroverpackungen. Dabei greift Revell auf die ursprünglichen Formen aus den jeweiligen Erscheinungsjahren zurück.
Mit dabei sind der M4 Sherman von 1955, die Fokker Dr.1 von 1957, die Great Eastern von 1963 und der MGB Roadster von 1964. Die Jubiläumsauswahl führt damit durch unterschiedliche Bereiche des klassischen Modellbaus und erinnert zugleich an die frühen Jahre des Unternehmens.
Von Kalifornien nach Deutschland
Die Geschichte von Revell begann 1951 mit einer Idee von Lewis H. Glaser. Statt ausschließlich fertige Kunststoffmodelle anzubieten, sollten Käufer ihre Modelle aus einzelnen Bauteilen selbst zusammensetzen können. Dieses Konzept entwickelte sich zu einem wichtigen Bestandteil des modernen Plastikmodellbaus. Bereits 1956 expandierte das Unternehmen nach Deutschland und gründete eine Tochtergesellschaft in Bielefeld.
Später folgte der Umzug nach Bünde, wo sich ein wichtiger europäischer Standort für Entwicklung, Produktion und Vertrieb etablierte. Im Laufe der Jahrzehnte entstanden zahlreiche Bausätze, die teilweise bis heute zum Sortiment gehören. Das erfolgreichste Plastikmodell der Unternehmensgeschichte ist die Titanic mit mehr als zwei Millionen verkauften Exemplaren. Bei den Automobilen hält der 1990 veröffentlichte Trabant den internen Verkaufsrekord.
Auch der VW T1 Bulli, die Spitfire, die Messerschmitt Bf 109, der Leopard und der Millennium Falcon aus „Star Wars“ gehören zu den bekannten Dauerbrennern. Wie unterschiedlich die Dimensionen ausfallen können, zeigen einige besonders große Modelle. Die Bismarck im Maßstab 1:350 besteht aus 659 Teilen und erreicht eine Länge von ungefähr 72 Zentimetern. Noch mehr Platz benötigt das Gato-Klasse-U-Boot im Maßstab 1:72, das fertig gebaut rund 1,32 Meter misst. Deutlich kompakter fällt dagegen ein Airbus A380 im Maßstab 1:144 aus. Trotz einer Spannweite von fast 73 Metern beim Original kommt das Modell auf rund 51 Zentimeter.
Von den Beatles bis zur CIA
Neben klassischen Modellbausätzen sorgte Revell immer wieder mit außergewöhnlichen Veröffentlichungen für Aufmerksamkeit. Bereits 1957 erschien mit "Perri the Squirrel" aus einem Disney-Film der erste offizielle Lizenzbausatz des Unternehmens. 1965 folgte ein ungewöhnliches Kapitel der Musikgeschichte. Revell veröffentlichte John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr als Plastikfiguren im Maßstab 1:8. Wegen der hohen Lizenzkosten blieben die Beatles-Modelle allerdings nur ein Jahr im Programm.
Heute zählen sie zu den gesuchten Sammlerstücken. Noch kurioser wurde es 1960. Damals beschäftigte ein Revell-Modell des amerikanischen Polaris-Atom-U-Boots sogar den US-Kongress. Admiral Hyman G. Rickover stellte die Frage, wie detaillierte Informationen über ein hochmodernes U-Boot der US Navy in Form eines frei erhältlichen Bausatzes auftauchen konnten. Ob das Modell tatsächlich geheime Informationen enthielt, wurde nie belegt. Auch der 1983 veröffentlichte F-19 Stealth Fighter sorgte für Aufsehen.
Revell präsentierte ein Modell eines Tarnkappenflugzeugs, das offiziell noch gar nicht existierte. Die Gestaltung basierte auf öffentlich zugänglichen Spekulationen und Analysen. Dennoch interessierte sich sogar die CIA dafür, woher die Informationen stammten. Eine ganz andere Sammlergeschichte schrieb 1996 die BMW Isetta. Revell veröffentlichte limitierte Versionen im Design verschiedener Bundesligavereine. Die Ausgaben von Borussia Dortmund und Schalke 04 waren auf jeweils 5.555 Exemplare begrenzt und innerhalb kürzester Zeit ausverkauft.
Star Wars, Klemmbausteine und neue Modellbauwelten
Längst beschränkt sich Revell nicht mehr auf klassische Plastikbausätze. Neben historischen Fahrzeugen und militärischen Modellen spielen heute auch bekannte Unterhaltungsmarken eine wichtige Rolle. Zum Lizenzportfolio gehören unter anderem "Star Wars", "Top Gun", "Fast & Furious", "Stranger Things", "Harry Potter" und Disney. Hinzu kommen Themen aus dem Motorsport, darunter die Formel 1.
Gleichzeitig hat das Unternehmen verschiedene Produktlinien entwickelt, um neue Zielgruppen anzusprechen. Das Click System erleichtert mit vorgefärbten und teilweise bedruckten Bauteilen den Einstieg in den Modellbau. Für Kinder ab vier Jahren bietet Revell mit Build & Play eine eigene Reihe zum Bauen und anschließenden Spielen an.
Mit dem Brick System ist das Unternehmen inzwischen auch im Klemmbausteinbereich vertreten. Die Tiny Adventures Book Nooks wiederum setzen auf dekorative Miniaturwelten aus Holz, die beispielsweise zwischen Büchern im Regal platziert werden können. Ergänzt wird das Angebot durch die ebenfalls aus Holz bestehenden Flowers-Modelle.
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