Es gibt Bands, die irgendwann einfach aufhören, ohne dass man groß darüber reden müsste. Und dann gibt es H-BlockX. Die Münsteraner haben sich nie wirklich verabschiedet, aber es war lange still um sie. Ganz genau satte 14 Jahre nach ihrem letzten Album „HBLX“. Umso überraschender und, ehrlich gesagt, umso erfrischender ist das, was sie jetzt abliefern. Nämlich ihr neues, achtes Studioalbum „Fillin The Blank“, dass ab sofort erhältlich ist.

Der neue Dreher ist nach all den Jahren genau das geworden, worauf Fans der ersten Stunde gewartet haben, ohne es vielleicht laut auszusprechen. 36 Jahre nach der Bandgründung stehen H-BlockX also mit neuem Material da. Das allein ist erst mal bemerkenswert. Aber dass das Album so klingt, wie es klingt. Nun, das ist dann doch eine kleine Überraschung. Keine müde Nostalgie-Runde, kein halbherziger Versuch, an alte Zeiten anzuknüpfen.

Stattdessen aber eine Band, die weiß, was sie kann, und die das mit spürbarer Energie auf Platte bringt. Wer H-BlockX kennt, kennt den Sound der Crossover-Pioniere. Rock, Funk, Rap, Metal – alles fließt ineinander, nichts wirkt aufgesetzt. Das war schon auf „Time To Move“ so, dem Debüt, das Mitte der Neunziger aus dem Nichts kam und Clubs und Radios gleichermaßen überzeugte. Auf „Fillin The Blank“ ist dieser Ansatz gereifter geworden.

Die Band hat ihren Stil nicht verlassen, aber sie hat ihn weiterentwickelt. Man hört, dass hier Musiker am Werk sind, die wissen, was sie tun und die dabei unüberhörbar Spaß haben, was sich wiederum auf das Album überträgt. Die Platte springt dabei stilistisch fröhlich herum, was allerdings nie planlos wirkt. Der Opener „Straight Outta Nowhere“ fühlt sich an wie ein klassischer H-BlockX-Moment mit ordentlich Neunziger-Feeling. „Beg To Differ (Bully)“ dagegen geht tief in Hip-Hop-Territorium, ohne dabei aufgesetzt zu wirken.

„Last Summer“ wiederum zündet wie ein echter Punkrock-Track, der in die Nähe von Sum 41 oder Blink-182 rückt. Einfach herrlich unbeschwert, direkt und energetisch. Dann gibt es aber auch Momente wie „Me and My Horse“, wo Funk und alternative Rock-Attitüde aufeinandertreffen und einfach funktionieren. Oder so Songs wie „Desperado“ mit einem Killer-Groove, der auf Zeit echt zum Ohrwurm mutiert. Was H-BlockX auf diesem Album leisten, ist eigentlich schwieriger als es klingt.

Viele Bands versuchen, verschiedene Genres unter einen Hut zu bringen, und scheitern dabei, weil der Zusammenhalt fehlt. Bei „Fillin The Blank“ stimmt die Balance. Die unterschiedlichen Einflüsse ergeben am Ende ein funktionierendes Ganzes. Es gibt fette Riffs, es gibt Beats, es gibt eingängige Vocals und Hooks, die bleiben. Und das alles ohne dass irgendetwas deplatziert wirkt. Das liegt auch daran, dass H-BlockX klar nach vorne schauen. Die Produktion klingt zeitgemäß und gleichzeitig bleibt die DNA der Band erkennbar. Wer die alten Alben kennt wird sich sofort wiederfinden.

Wer die Band noch nicht kennt, bekommt einen direkten Einstieg in das, was Crossover in seiner besten Form sein kann. Schlussendlich ist „Fillin The Blank“ kein Pflichtprogramm für Nostalgiker und kein Beweis, dass man noch kann. Es ist ein echtes Album einer Band, die sich selbst treu geblieben ist und trotzdem nicht auf der Stelle getreten hat. Für Fans, die H-BlockX seit den Neunzigern begleiten, ist es ein willkommenes Comeback von einer Band, die noch lange nicht fertig ist.

Und für alle, die bisher wenig mit dem Namen anfangen konnten, ist es vielleicht der richtige Moment, das nachzuholen. Wer gute Riffs, ordentlich Energie und Songs mag, die nach mehrmaligem Hören immer besser werden, ist bei dieser Platte genau richtig!

H-BlockX „Fillin The Blank“ (Solitary Man Records/Warner) – VÖ: 06. März 2026

Tracklist: 01. Straight Outta Nowhere // 02. Lights out // 03. Beg to differ (Bully) // 04. Desperado // 05. Corns about 2 pop // 06. Me and my horse // 07. What the funk // 08. Last Summer // 09. Come clean // 10. Licky licky // 11. Timeless